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Simon Says
Simon Says – das Halbfinale München gegen Ulm: Wer gewinnt – Der Tabellenführer mit dem tiefen...

Simon Says – das Halbfinale München gegen Ulm: Wer gewinnt – Der Tabellenführer mit dem tiefen...

Ich wünsche der sympathischen Ulmer Mannschaft um Per Günther endlich mal einen Titel. Dazu müssten Sie im Halbfinale die Bayern schlagen … aber beim Blick auf die Kader: Wie bitte soll das möglich sein?

Point Guards:
München: Malcolm Delaney, Heiko Schaffartzik und Steffen Hamann
Ulm: Per Günther, Eddy Sosa und Till Jöhnke

Dass es auf der Eins einen Vorteil für die Bayern gibt, zeigt der Blick ans Ende der Nahrungskette: Münchens dritter Aufbau Hamann hat 131 Länderspiele, Ulms dritter Aufbau Jöhnke hat 21 … Ligaspiele. Und hatte ich schon gesagt, dass ich mich auf Heiko gegen Per besonders freue? Ach ja, hatte ich: klick!

Shooting Guards:
München: Nihad Djedovic, Lucca Staiger, Demond Greene
Ulm: Cam Long, Philipp Schwethelm

Die einzige Position, auf der sich zumindest bezüglich der individuellen Defense ein Argument für Ulm finden lässt. Djedovic und sein Drive suchen in der Liga ihresgleichen, der Sprungwurf von Staiger ebenso, aber in der Verteidigung sind Long und Schwethelm stärker.

Small Forwards:
München: Robin Benzing, Bryce Taylor, Paul Zipser
Ulm: Will Clyburn, Adam Hess, Ian Hummer

Ulm braucht Spieler, die im Halbfinale überraschend aufdrehen: einen Profi, der gegen einen übermächtigen Gegner in einer Partie aufblüht und einfach nicht zu stoppen ist. Das bringt Adam Hess ins Gespräch. Einsatzzeit, Punkteschnitt und Wurfquote sind bei dem Edelshooter in Ulm signifikant schlechter als vergangene Saison in Hagen, aber dass er zu einem Monsterauftritt fähig ist, hat er zuletzt vor nicht mal einem Jahr mit acht Dreiern im zweiten Viertelfinale gegen Bamberg demonstriert.

Clyburn und Taylor haben den Trashtalk ja bereits per Twitter-Dialog eröffnet, wobei ich auf dem Parkett meine Kohle auf den Münchner Swingman setzen würde. Der Vielflieger mit der Nummer 44 hat aktuell eine beeindruckende Präsenz im Spiel der Bayern. Meine Wahrnehmung: Immer wenn München einen wichtigen Korb brauchte in den vergangenen Wochen, war Taylor zur Stelle. Dieses Leistungshoch blieb nicht mal der Euroleague verborgen:

Power Forwards:
München: Deon Thompson, Boris Savovic, Chevy Troutman
Ulm: Matt Howard, Keaton Nankivil

Howard ist die Kampfsau der Liga, und das ist als Kompliment gemeint. Der Mann kommt mit Brotdose und Blaumann zur Arbeit, ist ein Traum für jeden Trainer. Sein Backup Keaton Nankivil hat bekanntermaßen gute Erinnerungen an die Bayern, und auch der athletische Daniel Theis kriegt Minuten auf der Vier, aber trotzdem überschattet das nicht den Größennachteil, den Ulm auf dieser Position hat. Thompson ist nach seiner Verletzung wieder die beeindruckende Zonenpräsenz der vergangenen Saison, Savovic mit seinen 210 Zentimetern eine ordentliche Kante auf der Vier und Troutman samt seines ebenso unauffälligen wie effektiven Spiels einer der besten Edeljoker der Ligageschichte.

Center:
München: John Bryant, Yassin Idbihi
Ulm: Trent Plaisted, Daniel Theis, Jonathan Maier

Bryant wurde als unser MVP der vergangenen zwei Saisons von Europa umworben und unterschrieb dann in München einen Vertrag über zwei Jahre. Allerdings schlug nach dem Sommer ein leicht veränderter Bryant in München auf … wobei „leicht“ in diesem Zusammenhang ein unpassendes Wort ist.

Dass Svetislav Pesic über das Übergewicht Bryants wenig amüsiert war, ist keine gewagte These, aber entscheidend für den Center: Am diesem Wochenende kann er seinen Trainer besänftigen und alle seine Kritiker ruhigstellen. Dafür muss Bryant nur mit dominantem Auftritt an alter Stätte seinen neuen Klub zum ersten Titel führen. Das sollte Motivation genug sein für ihn, und könnte für Ulms Thorsten Leibenath problematisch werden, denn der Ulmer Trainer hat in seinem Kader kein Gegengewicht, um einen John Bryant in Spiellaune zu bremsen.


Die Bayern sind also wesentlich tiefer besetzt. So weit, so bekannt. Aber über diesen Tiefgang zu schwärmen, kann müßig sein, wenn es nur um ein Spiel und nicht um eine Serie geht; es stehen auf beiden Seiten schließlich immer nur fünf Mann auf dem Parkett. Schauen wir deshalb auf die anderen Faktoren, die für Samstag im Kampf der beiden besten Offensivteams der Liga entscheidend sein könnten.

Bisherige Duelle dieser Saison:

Das Hinspiel in München gewannen die Bayern mit 87:70, wobei sie bereits zur Halbzeit mit 17 Punkten führten und über das Spiel 48 Prozent von Downtown einnetzten (13/27 Dreier). Ulm griff zwar 15 Offensivrebounds ab (München holte acht), aber die Assists (22-7 für München) zeigten den Klassenunterschied der Teams in dieser Partie gut auf.

Große Spiele der Saison:

Das Halbfinale des Pokals ist ein großes Spiel, deshalb schauen wir kurz, wie die beiden Klubs sich in anderen wichtigen Partien dieser Saison geschlagen haben. Zuerst der Blick auf die Duelle mit den anderen beiden Teilnehmern: Sowohl München als auch Ulm feierten Heimsiege gegen den Meister – und beide verloren deutlich in Berlin, Ulm am Mittwoch auch in Bamberg.

Das Pokalqualifikationsspiel und damit die erste Do-or-die-Partie für die Bayern in dieser Saison wurde sicher mit 76:61 gegen die Artland Dragons gewonnen. Abgesehen davon sticht der Euroleague-Sieg gegen Real Madrid heraus, das mit einer Bilanz von 44-1 angereist war. Aber dieser Triumph fiel eher unter die Rubrik „Überraschungssieg“, im Kampf gegen die direkten Konkurrenten um den vierten Platz dagegen gab es zuletzt Niederlagen in Belgrad und Istanbul.

Als Ausrichter des Beko BBL TOP FOUR gab es für Ulm kein Qualifikationsspiel, Partien mit Do-or-die-Charakter standen bisher nur im Eurocup auf dem Programm. Dort gelang im Achtelfinale ein 89:87-Achtungssieg im Heimspiel gegen die Favoriten von Hapoel Jerusalem, eine Woche später schied Ulm im Rückspiel allerdings aus. Aber die eigentliche Überraschung gelang Ulm ja auch bereits eine Runde früher, in den Last 32 gelang mit Siegen gegen Izmir, Nanterre und in Cantu die Qualifikation für die K.o.-Runde – bei dem Kader für mich eine kleine Sensation und Zeichen des Aufstiegs der deutschen Klubs in Europa. Um zu zeigen, in was für einen Rausch sich Ulm auch in einer wichtigen Partie spielen kann, ist aber das 108:94 gegen Valencia (ja, genau das Team, welches vergangene Woche Berlin mit 86:54 auseinander schraubte) aus der Vorrunde am besten geeignet:

Wie voll ist der Akku?

Die Münchner kennen dank einer aufgepumpten Euroleague-Zwischenrunde mit 14 Partien die Woche an sich nur als englische. Noch am Donnerstag treten sie im fast 2000 Kilometer entfernten Moskau an, kommen am Freitag zurück nach Deutschland, um Samstagabend das Halbfinale gegen Ulm zu bestreiten. Die Ulmer dagegen hatten vergangene Woche kein Europapokalspiel mehr unter der Woche, mussten am Mittwoch nur knapp 180 Kilometer nach Bamberg reisen und traten dort ohne Eddy Sosa, Philipp Schwethelm und Adam Hess an.

Wer hat Druck?

Aus dem Ulmer Lager ist seit Wochen zu hören, dass man beim Beko BBL TOP FOUR trotz des Heimvorteils nur Außenseiter sei. Wenn das Team gut kämpft, alles gibt und trotzdem gegen den Tabellenführer verliert, wird es keine Vorwürfe geben. Fazit: Druck sieht anders aus.

Bei den Bayern ist es genau umgedreht. Selbst die Spieler selbst sagen, dass sie Favorit sind und den ersten Titel für ihren Klub seit dem Aufstieg holen wollen. Das ist positiver Druck, ein Anspruch an die eigene Leistung, der motivieren sollte.

Der Heimvorteil

Acht Siege und fünf Niederlagen – so präsentierten sich die Ulmer in der Liga in dieser Saison in der ratiopharm arena mit ihren 6.000 Plätzen, im Eurocup gab es sieben Siege aus neun Heimspielen, was zu einer Gesamtbilanz von 15-7 in eigener Halle führt.

Die Ulmer Fans werden am Wochenende in der Überzahl sein; und nennt mich vermessen, aber mein Bauchgefühl brüllt, dass die Berliner und Bamberger Anhänger auch eher zu den Gastgebern als zu den Bayern halten werden. Aber die haben diese Saison bereits in Piräus, Kaunas, Belgrad und Istanbul gespielt – rauer geht es in Europa nicht. Und danach wird einen die orangefarbene Wand in Ulm nicht aus dem Konzept bringen.

Die Taktik:

Bayern wird es mit der gewohnten Mörderdefense und schnellem Spiel nach vorne probieren. Wenn sich daraus keine zwingende Wurfchance ergibt, wird der Ball viel in den Lowpost wandern, wo neben Bryant und Thompson auch Robin Benzing sein Mismatch auf der Drei melken kann – zumindest, wenn Clyburn nicht auf dem Feld ist.

Die Bayern nicht ins Laufen kommen lassen, wird für Leibenath ganz oben auf der Agenda stehen. Dafür werden seine Spieler auch schnelle taktische Fouls in Kauf nehmen, um den Anfängen des Münchner Fastbreak-Wirbels zu wehren. In der Offense werden sie ihren alten Kumpel-Koloss bei jeder Gelegenheit im Pick-and-Roll attackieren. Zudem wäre es hilfreich, Topscorer Cam Long früh auf Betriebstemperatur zu kriegen. Die Ulmer werden sowohl in der Offense als auch in der Defense und vor allem beim Umschalten von Angriff auf Verteidigung über 40 Minuten großem Druck der Bayern ausgesetzt sein. Diesem standzuhalten ist die große Aufgabe.

Das Fazit:

Ich fand in den vergangenen Jahren keine Mannschaft sympathischer als die Ulmer. Bei ihnen hatte ich immer das Gefühl, dass dort natürlich auch Profis miteinander spielen, aber vor allem eben gute Kumpels. Von der Teamchemie ganz weit vorne, die Jungs. Die Underdogs um Per Günther schwangen sich 2011/2012 aus dem Nichts in den Favoritenpool unserer Liga und wirbeln seitdem unbekümmert selbst im Eurocup munter mit. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mit John Bryant einen Titel erballern, um diese euphorischen Jahre auch im Briefkopf in Papier meißeln zu können.

Bryant ist nun fort, aber ein Pokalsieg in eigener Halle hätte trotzdem was. Vor allem, wenn JB als einstiges Zentralgestirn des Teams dabei zuschaut. Die Ulmer Fans würden in einem Maße ausrasten, das die Frage aufbrächte, ob es da nicht was von ratiopharm gibt …

Aber die letzten Zeilen sind natürlich Wunschdenken, und die objektive Analyse sieht München als Favorit auf den Einzug ins Pokalfinale. Verdient hätte der Tabellenführer unserer Liga seinen ersten Titel der Neuzeit mindestens ebenso wie die Ulmer (München war 1954 und 1955 Deutscher Meister und 1968 Pokalsieger). Und für mich wäre auch ein Sieg Münchens in Ordnung, denn mit vielen beherzten Auftritten in der Euroleague lösen die Bayern bei mir nämlich gerade die Ulmer ab als das Team, dem ich am liebsten zuschaue. Deshalb: Möge am Samstag das Team mit der besseren Tagesform gewinnen!

Alle Infos zum Beko BBL TOP FOUR 2014 gibt es hier.

Abschließend der Hinweis, dass diese Kolumne nicht die offizielle Meinung der Beko BBL darstellt, sondern Einschätzungen von mir als Mitarbeiter des Ligabüros in Köln sind. Wenn Ihr meine Meinung für einen geistigen Airball haltet, lade ich Euch auch zum Diskutieren auf die Pinnwand unserer Facebook-Seite ein (jeder der dort „Gefällt mir“ drückt, kommt übrigens in mein Buch der coolen Leute). Besten Dunk fürs Lesen!

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