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Simon Says
Simon Says – das Pokalduell der Combo-Guards: Hustle vs. Flow - Bambergs Anton Gavel gegen...

Simon Says – das Pokalduell der Combo-Guards: Hustle vs. Flow - Bambergs Anton Gavel gegen...

Der eine ist bekannt als harter Arbeiter, bei dem vieles (lies: alles) über den Willen läuft; beim anderen sieht Basketball irgendwie leicht aus. Beim Beko BBL TOP FOUR werden sie aufeinander treffen …

Derzeit legen wir direkte Duelle aus den Halbfinal-Paarungen des Pokalwochenendes unters Mikroskop. Diesmal Bambergs Anton Gavel und Berlins David Logan im Vergleich der Starter auf der Zwei.

Der Blick auf die Statistiken (Stand 06.03.2014):

Anton Gavel: 13,1 PPG (45,3 FG), 3,6 APG, 2,6 RPG und 1,8 TOPG in 29:49 MPG

David Logan: 14,4 PPG (45,8 FG), 3,1 APG, 2,8 RPG und 1,5 TOPG in 25:28 MPG

Gavel ist mit Elias Harris Topscorer des Meisters, hat in 18 von 22 Spielen zweistellig gepunktet und ist zudem bester Assistgeber seines Teams. Logan ist auch Topscorer seines Teams, hat in 13 der vergangenen 14 Ligaspielen zweistellig gepunktet und insgesamt in fünf Partien vier oder fünf Dreier eingenetzt.

Position und Spielweise:

Sowohl Gavel als auch Logan sind Combo-Guards, die früher vor allem als klassische Aufbauspieler eingesetzt wurden, aber im Laufe ihrer Karriere von der Eins auf die Zwei gerutscht sind.

Gavel hat sich in den vergangenen viereinhalb Jahren in Bamberg zum besten Two-Way-Player unserer Liga geformt: Kein anderer Profi hat – Angriff und Verteidigung zusammengerechnet – mehr positiven Einfluss auf das Spiel seins Teams als er. In den vergangenen zwei Saisons ist er samt seiner Hustle-Einstellung zum besten Verteidiger der Beko BBL gewählt worden.

In der Offense ist er aktuell auch bester Assistgeber Bambergs, aber das wird sich mit der Ankunft von Jared Jordan ändern: Von nun an muss Gavel sich nicht mehr um die Orga auf der Eins kümmern, sondern kann sich vorne wieder voll auf den Job als Vollstrecker auf der Zwei konzentrieren. Eine seiner Stärken ist dabei sein Drive vom rechten Flügel über die Mitte zum hoch angesetzten Linkskorbleger – Mittlerweise weiß jeder, dass er den Move gerne anbringt, aber zu stoppen ist trotzdem nur schwer. Zudem hat Gavel mit der flachen Flugkurve seines Dreiers Stephen Hawkings Theorie vom gekrümmten Raum bewiesen; wie sonst kann es sein, dass ein Ball reingeht, der nie in vollem Umfang über Ringniveau war?

Wenn Gavel über das Wort „Hustle“ definiert wird, ist für Logan „Flow“ der passende Basketball-Anglizismus. Es sieht einfach einfach aus, wenn er Basketball spielt. Seine Bewegungen sind geschmeidig, bei ihm entsteht alles aus dem Fluss des Spieles.

Mit seinen 1,85 Metern, seiner schmalen Statur und einer Athletik, die explosiver ist als auf den ersten Blick zu erwarten (360-Dunk am Start!), könnte er leicht für einen Einser gehalten werden. Aber von der Spielanlage her ist er ein Shooting Guard; und das im wahren Sinne des Wortes: Der Mann hält gerne drauf!

Dabei kommt aber nie das Gefühl auf, dass er es übertreibt. Er zwingt es nicht, ist geduldig, obwohl er bezüglich des Distanzwurfes jede Variante am Start hat: Aus dem Block heraus kommend, aus der Not heraus von ganz weit draußen oder aus dem Dribbling heraus per Stepback-Hüpfer. Wenn er aus seinem angetäuschten Crossover zum Dreier hoch geht, gibt es keine Chance für einen Verteidiger, diesen Wurf zu verhindern. Dafür kriegt Logan die Pille einfach zu fix aus den Fingern. Die Schnelligkeit seines Wurfes erinnert an Brian Roberts, nur dass bei Bambergs ehemaligen Aufbau der Wurf nicht nur schnell, sondern als Gesamtkunstwerk eine Mona Lisa war; bei Logan dagegen steht der linke Ellenbogen weit ab, oft ist der Körper nach links verdreht und das rechte Bein wirft er gerne nach vorne – schön ist anders, aber in dem Fall egal, denn: Wer trifft, hat Recht … und nicht nur im Eurocup gegen Straßburg hatte Logan meistens Recht:

Ihre Karriere in der Beko BBL:

Der im vergangenen Jahr eingedeutschte Gavel (Nein, er kann nicht irgendwann für die DBB-Auswahl spielen) hat in seiner Karriere einen beachtlichen Aufstieg hingelegt. 2000 kam der gebürtige Slowake zur BG Karlsruhe in die Bundesliga und wechselte 2004 zu den Gießen 46ers, mit denen er 2005 bis ins Halbfinale kam. Danach folgten Auslandsstationen im spanischen Murcia und bei Aris Thessaloniki. So weit, so unscheinbar …

Dann aber plagten Bambergs neuen Trainer Chris Fleming Verletzungssorgen im Backcourt. Gavel wurde als Kurzzeitaushilfe verpflichtet und der Rest ist bekannt: vier Meisterschaften, drei Pokalsiege sowie die Auszeichnung als Finals-MVP im vergangenen Sommer:

Da Logan das erste Jahr in unserer Liga spielt, schauen wir stattdessen kurz auf seinen Weg zu uns. Über ein US-College aus der zweiten Division und ein paar Spiele in der zweiten italienischen Liga arbeitete er sich in die erste polnische Liga hoch. Dort spielte er in vier Jahren für drei Klubs, war 2008 Liga-MVP und lief dank eines polnischen Pass bei der EM 2009 auf (15,5 Punkte und 4,5 Assists in sechs Spielen).

Von 2010 an ging es schnell und steil in seiner Karriere, die letzten drei Klubs vor dem Wechsel nach Berlin waren die Basketball-Großmächte Tau Vitoria, Panathinaikos Athen und Maccabi Tel Aviv. Mit dem griechischen Klub erreichte er das Final Four der Euroleague, war außerdem 2009 und 2010 polnischer Meister sowie Pokalsieger in Griechenland (2012) und Israel (2013). Ähnlich wie Gavel hat Logan sich also auch hochgearbeitet. Hier einige Highlights von ihm aus dem vergangenen Jahr in Tel Aviv:

Was sind das für Typen?:

Beide sind die Anführer ihres Teams. Gavel hat diesen Posten Schritt für Schritt vom bald 33-jährigen Casey Jacobsen übernommen, und die Frage, ob er nach der Saison in Bamberg bleibt, wird den Sommer über die deutsche Basketball-Gemeinde beschäftigen. Gavel wird im Oktober 30 Jahre alt, ist auf dem Zenit seines Könnens und lebt seinen Mitspielern jeden Tag vor, wie ein Profisportler zu leben hat. Um so einen Spieler lässt sich eine Mannschaft aufbauen. Über sein Leben außerhalb der Halle lässt sich nicht viel sagen, denn das Arbeitstier verlässt ja kaum mal die Halle, was der Grund sein wird, warum er die perfekte 30/30-Runde um die Welt beherrscht.

Der ruhig wirkende Logan ist quasi per Dekret von oben zum Anführer der jungen Albatrosse berufen worden. Und dass dies richtig war, zeigte er gleich zum Auftakt im Beko BBL Champions Cup gegen Bamberg per feinem Gamewinner:

Das Fazit - Wen hätte ich lieber im Team?:

Maccabi, Panathinaikos und auch Vitoria als aktueller Klub von Tibor Pleiß – drei große europäische Vereine, keine Frage, und Logan war dort auch keineswegs nur Bankwärmer, aber das ist alles egal, denn ich kann nicht objektiv sein, da ich in den vergangenen vier Jahren zu viele Playoffspiele von den Brose Baskets erlebt habe. Ich habe zu oft gesehen, wie Gavel gegen den besten Scorer der anderen Mannschaft nur durch seinen Willen genau diesen einen Stop erzwang, der nötig war, um die Partie zu drehen. Zu oft habe ich ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn er einem gegnerischen Team erst einen Dolch ins Herz und anschließend den letzten Nagel in den Sargdeckel trieb. Der Mann war mit 25,9 Punkten im Schnitt Topscorer der EM-Quali, noch vor NBA-Spielern wie Mirza Teletovic, Marcin Gortat, Jonas Jerebko und Omri Casspi!

Ich bin mir sicher, wenn man die 18 Headcoaches unserer Liga fragt, ob sie sich ein kleines Tattoo machen lassen würden, wenn im Gegenzug Gavel zu ihnen kommt, stimmen 19 zu! Und ich würde für die Aussicht, Gavel zu meiner BG Köln in die Landesliga zu kriegen, sogar kurz über ein Gesichtstattoo nachdenken … Hey Tono, Deal oder was?

Alle Infos zum Beko BBL TOP FOUR 2014 gibt es hier.


Diese Kolumne stellt nicht die offizielle Meinung der Beko BBL dar, sondern sind Einschätzungen von mir als Mitarbeiter des Ligabüros in Köln. Wenn Ihr meine Meinung für einen geistigen Airball haltet, lade ich Euch auch zum Diskutieren auf die Pinnwand unserer Facebook-Seite ein (jeder der dort „Gefällt mir“ drückt, kommt übrigens in mein Buch der coolen Leute). Besten Dunk fürs Lesen!

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