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Simon Says
Simon Says – das Pokalduell der Dreierspezialisten: Mona Lisa vs. Ratatatata - Münchens Lucca...

Simon Says – das Pokalduell der Dreierspezialisten: Mona Lisa vs. Ratatatata - Münchens Lucca...

Der eine hat den schönsten Sprungwurf der Liga, der andere wird wegen eines Länderspiels gegen die Türkei für den Rest seiner Karriere mit dem gleichen Geräusch assoziiert werden. Beim Beko BBL TOP FOUR werden sie aufeinandertreffen …

Wir legen verschiedene Duelle aus den Halbfinal-Paarungen des Pokalwochenendes unters Mikroskop. Diesmal Lucca Staiger vom FC Bayern München und Philipp Schwethelm von ratiopharm ulm im direkten Vergleich.

Der Blick auf die Statistiken (Stand 12.03.2014):

Lucca Staiger: 5,4 PPG (41,5 FG), 1,1 APG, 1,6 RPG und 0,5 TOPG in 15:54 MPG

Philipp Schwethelm: 5,0 PPG (43,0 FG), 1,3 APG, 2,7 RPG und 0,9 TOPG in 17:60 MPG

Sehr ähnliche Statistiken. Der knapp ein Jahr jüngere Schwethelm spielt zwei Minuten mehr im Schnitt und greift einen Rebound mehr ab pro Spiel. Abgesehen davon: heimliche Stats-Zwillinge.

Position und Spielweise:

Pascal Roller ist raus, Brian Roberts ebenso: Die Könige sind tot, es lebe der König. Gemeint ist Luccas Wurf, der nun offiziell die Mona Lisa unter den Jumpshots unserer Liga ist!

Selten passte die Bezeichnung „unlimited range“ so gut wie bei Shooting Guard Lucca Staiger; der Mann ist bereits kurz nach der Mittellinie gefährlich. Das ist übertrieben, aber der Superlativ sei gestattet, da es immerhin darum geht, den besten Schützen zu beschreiben, den die Nationalmannschaft seit Mike Koch und seinem T-Shirt gehabt hat (Jörg Lütcke und Drazen Tomic reichen da nicht ran, der eingedeutschte Hurl Beechum zählt nicht). Der Bewegungsablauf bei Luccas Sprungwurf ist geeignet, jedem Shooting-Coach in unserem Basketball-Kosmos feuchte Träume zu bescheren. Egal, ob aus den Blöcken kommend oder aus dem Dribbling oder vom Parkplatz oder alles zusammen: Was seinen Bewegungsablauf angeht, ist Lucca eine Maschine; jeder Wurf eine Kopie des vorigen.

Und endlich hat er sich mit der Rolle angefreundet, die seiner Spielanlage zu Gute kommt. Wie bereits in der DBB-Auswahl hat Svetislav Pesic es in München geschafft, dass Lucca nicht mehr kompliziert seine Möglichkeiten abwägt, wenn er den Ball bekommt, sondern instinktiv handelt und das tut, was er nun Mal am besten kann: draufhalten. Auch seine angeblich so schlechte Defense war lange kein Thema mehr in der Basketball-Gemeinde, und in der Euroleague setzt Pesic ihn selbst auf Kaliber wie Rudy Fernandez und Vassilis Spanoulis an. Mehrmals ist mir diese Saison zudem aufgefallen, dass er vorne zum Rebound geht und einen weit abgesprungenen Fehlwurf nicht sichert, aber zumindest nach außen tippt und seinem Team so einen zweiten Angriff beschert.

Zuletzt war Lucca der Euroleague sogar ein eigenes Video-Portrait wert - bitte bei 01:32 den Stepback-Dreier gegen Euroleague-MVP Spanoulis beachten:

Philipp hängt die Bezeichnung des Dreier-Spezialisten nicht ganz so an wie Lucca, aber auch der Ulmer Swingman nimmt diese Saison zwei Drittel seiner Würfe aus dem Dreierland (54 von 79 Feldwürfen kamen von Downtown). Anders als Lucca ist Philipp mit seinen 2,02 Metern gelegentlich auch im Lowpost zu finden, um ein Mismatch auszunutzen. Seine durchschnittliche Athletik und übersichtliche Explosivität kompensierte er bereits in frühen Jahren ohne Probleme durch sein cleveres Stellungsspiel und seine gute Antizipation. Es gibt viele Spiele, in denen er nicht weiter auffällt. Aber er hat die Gabe, in einem Viertel heiß zu laufen und drei, vier Buckets in Folge zu machen und so ein Spiel zu drehen. In der Nationalmannschaft hat er solche Sequenzen bereits gezeigt, und vergangene Saison durfte Berlin das in der heimischen Sauerstoffwelt erfahren, wo er 18 Punkte einschenkte:

Ihre Karriere in der Beko BBL:

Philipp wurde als kölsche Jung bei den Köln 99ers ausgebildet (Und: Ja, er kriegt bei diesem Lied Pippi in die Augen) und profitierte davon, dass der Klub 2007 kein Geld mehr hatte und deshalb viele Minuten an zwei Jünglinge Namens Phil und Tibor verteilte. Leider führte das dazu, dass ich 2008 in der FIVE bezweifelte, dass Schwethelm sich auch außerhalb seines Kölner Biotops würde in der Liga durchsetzen können. Einen Job als Rollenspieler bei einem Mittelklasseteam traute ich ihm damals zu, so schrieb ich … Drei Jahre später war er Nationalspieler mit WM-Erfahrung und bester Mann Bremerhavens in der Viertelfinalserie gegen den Meister Bamberg (13,0 PPG bei 52,0 FG%, dazu 5,7 RPG und 2,0 APG bei 0,3 TOPG). Meinen Gang nach Canossa konnte ich abwenden, indem ich Phil anbot, in der FÜNF-Rubrik „Mit eigenen Worten“ eine Replik für alle Hater (lies: mich) zu verfassen. Er ließ sich drauf ein und blieb in seinen Sätzen fairer als ich zuvor …

2011 wechselte er vom Norden in den Süden, aber in München ging seine Einsatzzeit unter Dirk Bauermann um mehr als die Hälfte zurück, in den Playoffs gab es gar nur einen Kurzeinsatz von 21 Sekunden. In der folgenden Saison wurde er an Ulm ausgeliehen, fand zu alter Form zurück und verdiente sich seine erste Auszeichnung als ALLSTAR:

Lucca ist das Wunderkind, das in einem C-Jugendspiel 102 Punkte auflegte und mit 16 Jahren für Ehingen zusammen mit Bayreuths Nico Simon als startendes Guard-Duo für Furore in der zweiten Liga sorgte. 2007 der Wechsel ans College zu Iowa State, wo er zwar mal zehn Dreier versenkte, aber unglücklich war mit seiner Rolle als Distanzwurf-Spezialist, der in der Ecke geparkt wird und darauf wartet, dass sein Verteidiger absinkt.

In den zweieinhalb Jahren in Berlin kam er unter drei Trainern nie über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Dann folgte der Wechsel nach Ludwigsburg (lies: der Durchbruch). 80 Dreier, und damit die meisten aller Beko BBL-Profis, bester deutscher Scorer der Liga mit 12,1 Punkten im Schnitt, ein überraschender Traffic-Dunk über Braunschweigs Eric Boateng und viele Freiheiten standen am Ende auf der Habenseite, aber eben auch Abstiegskampf … verlorener Abstiegskampf.

Nun in München geht er in seiner Paraderolle auf: selbstbewusster Spezialist bei einem Team, das um Titel sowie im Europapokal spielt. Meine Meinung: Genau dies sollte die natürliche Umgebung für Nationalspieler seiner Güteklasse sein! Sie sollen täglich in einer Umgebung arbeiten, wo die Meisterschaft, mindestens aber ein tiefer Ritt in die Playoffs das Ziel sind. Nennt mich einen Träumer, aber ich hoffe leise, dass das aufs Nationalteam abfärbt und dort auch mal wieder für einen großen Erfolg (lies: für eine Medaille) sorgt.

Nationalteam:

Lucca hat 85 Länderspiele, eine Weltmeisterschaft und drei Europameisterschaften, Philipp nur 49 Länderspiele und je eine WM und EM in der Vita. Er kann aber für sich aber verbuchen, dass er dank Buschis übermäßigem Kaffeekonsum den bekanntesten YouTube-Moment der DBB-Auswahl seit Dirks Buzzerbeater gegen den spanischen Maskenmann 2005 und Jan Jaglas eingesprungenem Dreier gegen Serbien 2010 für sich beanspruchen kann:

Was sind das für Typen?:

Lucca war früher in Interviews die Definition von schüchtern, heute ist er lockerer im Umgang mit den Medien, aber trotz eines Auftritts als maskierter Dunker beim Beko BBL ALLSTAR Day 2013: Eine Rampensau wird er nie werden. Ich mag seine ruhige Art, und Fotografieren als Hobby passt auf schon fast surreale Art perfekt zu seinem Naturell.

Philipp wäre früher ja gerne Gangsta gewesen, wie diese Videoszene mit Tibor Pleiß zeigt (sie waren halt jung und konnten nicht wissen, dass gewissenlose Typen wie ich diese digitale Jugendsünde immer wieder hervorkramen würden), aber seit er 2009 aus Köln weggegangen ist, ist er reifer geworden. Da ich ihn nicht mehr jedes Wochenende in Köln spielen sah, fiel mir das erst richtig auf, als ich seine feinen Worte für Joe Lischka in diesem Video hörte (bei 01:00)

Das Fazit:

Bleibt die Frage, welchen der beiden ich lieber im Team hätte? Lucca wird im Sommer 26 Jahre alt, Philipp 25. Letzterer hat den größeren Aufstieg hinter sich, da er als Heranwachsender nicht als Wunderkind gehandelt wurde, aber beide haben den Zenit ihrer Karriere noch vor sich und können noch lange Leistungsträger der DBB-Auswahl sein. Auch wenn ich glaube, dass Phil im guten alten Eins-gegen-Eins bis elf um die Kiste Bier Lucca besiegen würde (Stichwort: Mit dem Hintern voran in den Lowpost vorarbeiten), so muss ich Philipp dennoch wieder enttäuschen. Er ist der bessere Allrounder, aber für eine Mannschaft ist der ansatzlose Distanzwurf von Lucca einfach zu wertvoll, um Räume unter dem Korb zu schaffen.

Alle Infos zum Beko BBL TOP FOUR 2014 gibt es hier.

Abschließend der Hinweis, dass diese Kolumne nicht die offizielle Meinung der Beko BBL darstellt, sondern Einschätzungen von mir als Mitarbeiter des Ligabüros in Köln sind. Wenn Ihr meine Meinung für einen geistigen Airball haltet, lade ich Euch auch zum Diskutieren auf die Pinnwand unserer Facebook-Seite ein (jeder der dort „Gefällt mir“ drückt, kommt übrigens in mein Buch der coolen Leute). Besten Dunk fürs Lesen!

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