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Simon Says
Simon Says – Meister Bamberg gegen Pokalsieger Berlin: Wer gewinnt den Klassiker – Der...

Simon Says – Meister Bamberg gegen Pokalsieger Berlin: Wer gewinnt den Klassiker – Der...

Die Tagesform entscheidet – eine abgenudelte Phrase, die für dieses Duell aber passt wie die flache Flugkurve zu Anton Gavel. Zwar sieht die Personalliste des Meistertrainers Chris Fleming stärker aus, aber Pokalsieger Sasa Obradovic holte in den wichtigen Spielen der Saison aus seinem Kader mehr raus (fotoduda.de):

Point Guards:

Bamberg: Jared Jordan, John Goldsberry, Daniel Schmidt
Berlin: Clifford Hammonds, Bar Timor, Ismet Akpinar

Zuerst die wichtigste Personalie: Fünf Spiele hat Jared Jordan vor dem Pokalhalbfinale mit den Brose Baskets absolviert. Fünf Spiele für den besten Assistgeber der Liga, um das Playbook einzuatmen und die Vorlieben der neuen Kollegen abzuspeichern. Backup Goldsberry hat weniger Funk im Spiel als Jordan, ist aber auch ein hervorragender Floor General, der auf dem Parkett jede Situation bereits erlebt hat. Übrigens wurden vier der Spiele mit Jordan gewonnen, die einzige Niederlage setzte es in … Berlin. Dort regiert Clifford Hammonds auf der Eins. Die Defense des Linkshänders ist so herausragend, dass er für die Auszeichnung als bester Verteidiger der Liga in Frage kommt. Allerdings ist er auch der einzige echte Point Guard in der Berliner Rotation: Bar Timor ist wegen seiner Arthroskopie am Hüftgelenk ins heimischen Israel gereist, Ismet Akpinar kommt aktuell nur in der Garbage Time aufs Parkett. Dieser Punkt geht an die Bamberger.

Shooting Guards:
Bamberg: Anton Gavel, Jamar Smith, Karsten Tadda
Berlin: David Logan, Vojdan Stojanovski, Akeem Vargas

Bei beiden Klubs die Position, die am tiefsten besetzt ist. Das Duell zwischen Gavel und Logan wurde bereits seziert, konzentrieren wir uns auf die Ersatzleute. Bamberg hat mit Jamar Smith einen Shooter, der noch keinen Wurf gesehen hat, der ihm nicht gefiel und eben wegen seiner Wurfauswahl zeitweilig nicht im Zwölferkader stand, aber zuletzt vorne wieder guten Output lieferte. Für die Berliner dagegen kommt mit Vojdan Stojanovski ein Meister des Midrange-Games von der Bank, der von allem ein bisschen liefert. Mit Tadda und Vargas haben zudem beide Teams, zwei deutsche Spieler im Kader, deren Job mit dem Wort „Kettenhund“ passend beschrieben ist.

Small Forwards:
Bamberg: Casey Jacobsen, Rakim Sanders
Berlin: Alex King, Reggie Redding

Auf der Drei haben beide Teams zwei unterschiedliche Spielertypen im Kader. Bamberg zum einen den ewigen Casey Jacobsen, der zwar sichtbar älter wird, aber immer noch solche Gamewinner in sich trägt. Der zweite Mann für die Drei ist Combo-Forward Rakim Sanders, der nach seiner Leistungssteigerung in den vergangenen Wochen mittlerweile ein wenig an P.J. Tucker erinnert.

Berlin startet aktuell mit Alex King auf der Drei. Der spätberufene Nationalspieler definiert sich über seinen Einsatz, hat aber in den Jahren in Bonn und Würzburg gelernt, bei offenen Würfen und guten Situationen generell weniger abzuwägen, sondern sie einfach zu nutzen. Reggie Redding ist nicht nur eierlegende Wollmilchsau und MVP-Kandidat, sondern de facto auch der zweite Aufbau Berlins – was der Grund sein könnte, warum er mittlerweile von der Bank kommt. Und er ist natürlich der Grund, warum die Albatrosse überhaupt nach Ulm reisen dürfen:

Power Forwards und Center:
Bamberg: Elias Harris, Maik Zirbes, Sharrod Ford, D’Or Fischer
Berlin: Levon Kendall, Leon Radosevic, Jan Jagla, Jonas Wohlfarth-Bottermann, Sven Schultze

Bei diesem Duell ist es sinnvoll die großen Positionen in einem Abwasch zu bewerten, denn beide Teams haben dort Formationen, die vor allem defensiv sehr beeindruckend sind. Wenn Berlin Leon Radosevic und Levon Kendall zusammen in die Zone packt, geht laut Jannes Schäfer „gar nichts mehr“ mehr im Angriff des Gegners. Bei Bamberg dagegen starten die deutschen Nationalspieler Elias Harris und Maik Zirbes, aber was in der Defense passiert, wenn Sharrod Ford und D’Or Fischer (bester Shotblocker der Liga) am eigenen Korb patrouillieren, war zuletzt in der zweiten Halbzeit gegen Ulm zu beobachten. Da räumte eben dieses Duo vier Würfe ab und flößte den Ulmern sichtbar Respekt ein beim Drive in die Zone.


Bisherige Duelle dieser Saison:

Drei Mal traten diese beiden Teams diese Saison gegeneinander an, jedes Mal siegte der Gastgeber. Im Dezember gewann der Meister das Hinspiel der regulären Saison mit 73:69, den Beko BBL Champions Cup sowie das Spiel vor zwei Wochen in der o2 World entschieden die Albatrosse für sich – letzteres wäre auch am ehesten ein Maßstab fürs Pokalhalbfinale, da beide Teams dort mit der aktuellen Formation antraten:

Große Spiele der Saison:

Berlin hat den Beko BBL Champions Cup gewonnen sowie die Heimspiele gegen Bayern, Bamberg, Ulm und Oldenburg. Im Eurocup gab es eine 16:4-Bilanz und im Achtelfinale wurde Sassari besiegt. Die Pokal-Qualifikation gegen Bonn war … nun gut, Reddings Zauberwurf war bereits oben zu sehen – am Ende zählte nur, dass der Zettel rosa war. Zusammengefasst hat sich die neuformierte Truppe Berlins in wichtigen Spielen gut präsentiert, aber auch einige Male gezeigt, dass mit einigen jungen Profis Einbrüche immer möglich sind (79:85 gegen die Gäste aus Bremerhaven oder das 77:89 in Ludwigsburg).

Bei den Brose Baskets war in den vergangenen Jahren auf eins Verlass: Wenn ein wichtiges Spiel ansteht, sind Casey, Anton & Co bereit, ihren besten Basketball ins Schaufenster zu packen. Diese Saison ist das nicht so. Im letzten Euroleague-Auftritt konnte in eigener Halle die nächste Runde erreicht werden, aber es setzte ein 80:84 gegen Kaunas. Ein paar Wochen später ein ähnliches Bild im Eurocup: Mit einem Sieg gegen Sassari hätte die K.o.-Runde klar gemacht werden können, aber der Deutsche Meister flog mit einer 84:102-Niederlage wieder über den Brenner. In der Beko BBL wurden zudem die Prestigeduelle in München und Berlin und sogar in Ulm verloren. Lediglich in der Pokal-Quali in Oldenburg gab es einen soliden 90:83-Sieg. Die Brose Baskets suchen weiter den einen Erfolg, das Turnaround-Game, welches ihre Saison zurück auf den Erfolgsweg der vergangenen Jahre bringt. Wenn das an diesem Wochenende mit einem Pokalsieg in Ulm passiert, würde es die Mannschaft von Chris Fleming wieder zum uneingeschränkten Favoriten auf die Meisterschaft machen.

Wie voll ist der Akku?

Bamberg hat seit dem Ausscheiden aus dem Eurocup keine englischen Wochen mehr. Am Mittwoch reichte im Heimspiel gegen Ulm in der zweiten Halbzeit ein Tritt aufs Gaspedal, um einen lockeren Sieg einzufahren. Berlins Eurocup-Heimsieg am Dienstag gegen Valencia war nach der Niederlage mit 31 Punkten im Hinspiel eine bedeutungslose Partie. Zusammengefasst: Beide Teams kommen mit vergleichbarem Akkustand zum Pokalwochenende.

Wer hat Druck?

In Berlin und Bamberg gibt es immer den Druck, Titel zu gewinnen. Nach dem Berliner Umbruch und dem Aufbau einer jungen Mannschaft, liegt der Druck diesmal aber eher bei den Brose Baskets, die im Laufe der Saison den Kader mehrfach verstärkt haben, um den Angriff der Bayern abzuwehren. Natürlich sagen die Berliner Profis, dass sie den Titel verteidigen wollen, aber wenn es nicht reicht, wird weder das Management noch die Boulevardpresse der Hauptstadt zum großen Kehraus ansetzen.

Die Taktik:

Wie oben erwähnt fehlt Berlin der zweite Aufbau, weswegen Redding von der Bank kommend den Organisator der Halbfeld-Offense gibt. Ansonsten wird es von den Albatrossen wieder viel Defense übers ganze Feld und Hustle satt geben. Bei Bamberg stellt sich die Frage, welcher der sieben ausländischen Spieler aussetzt. Schwer vorzustellen, dass Fleming erneut Kapitän Jacobsen auf die Tribüne setzt und einen weiteren Versuch mit den drei Guards Jordan, Goldsberry und Gavel in der Startformation wagt – das war in Berlin nämlich ein Reinfall.

Das Fazit:

Wer gewinnt? Ganz im Ernst gibt es auch nach dem Gegenüberstellen der Kader und dem Abwägen der weichen Faktoren keine andere Erkenntnis als oben im Vorspann genannt: Es kommt auf die Tagesform an! Wenn Bamberg es schafft, über 40 Minuten die gleiche Intensität wie Berlin aufs Parkett zu bringen, sehe ich den Meister im Vorteil.

Und übrigens: Bamberg gegen Berlin ist nicht „die Mutter aller Spiele“, wie es dieser Tage ein paar Mal zu lesen war; diese Formulierung ist seit Jahren für das Duell zwischen Berlin und Bonn reserviert. Bamberg gegen Berlin würde ich eher als den Klassiker der Bundesliga betiteln – das ist zulässig, da es den eigentlichen Klassiker Berlin gegen Leverkusen seit dem Abschied des Rekordmeisters 2008 nicht mehr gibt. Und wer noch mehr Infos zur größten Rivalität der Neuzeit braucht, dem sei dieser Text empfohlen.

Alle Infos zum Beko BBL TOP FOUR 2014 gibt es hier.

Abschließend der Hinweis, dass diese Kolumne nicht die offizielle Meinung der Beko BBL darstellt, sondern Einschätzungen von mir als Mitarbeiter des Ligabüros in Köln sind. Wenn Ihr meine Meinung für einen geistigen Airball haltet, lade ich Euch auch zum Diskutieren auf die Pinnwand unserer Facebook-Seite ein (jeder der dort „Gefällt mir“ drückt, kommt übrigens in mein Buch der coolen Leute). Besten Dunk fürs Lesen!

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