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Simon Says
Simon Says – Pokalduell der DBB-Einser: wilde Dreier oder wilde Drives - Münchens Heiko...

Simon Says – Pokalduell der DBB-Einser: wilde Dreier oder wilde Drives - Münchens Heiko...

Der eine ist beliebt wie kein zweiter Spieler unserer Liga, der andere stand seit dem vergangenen Sommer im Mittelpunkt wie kein zweiter. Beim Beko BBL TOP FOUR werden sie im direkten Duell aufeinander treffen …

In den kommenden Wochen werden wir Duelle aus den Halbfinal-Paarungen des Pokalwochenendes unters Mikroskop legen. Zum Auftakt gibt es gleich die härteste Nuss: Die beiden Point Guards der Nationalmannschaft im direkten Vergleich.

Der Blick auf die Statistiken (Stand 06.03.2014):

Per Günther: 11,3 PPG (45,2 FG), 4,3 APG, 1,6 RPG und 2,5 TOPG in 24:24 MPG

Per ist drittbester Scorer seines Teams, aber seine Starterrolle ist nicht mehr so in den Boxscore gemeißelt wie früher, zuletzt kam er hinter Eddy Sosa von der Bank.

Heiko Schaffartzik: 8,4 PPG (45,3 FG), 2,5 APG, 1,8 RPG und 1,3 TOPG in 21:17 MPG

Heikos Statline ist etwas magerer als Pers – allerdings spielt er auch in einem tiefer besetzten Team. Er kommt fast immer von der Bank als Backup für Malcolm Delaney, rutscht neben diesem aber in jedem Spiel auch für ein paar Minuten auf die Zwei.

Bemerkenswert: Per netzt 46,7 Prozent seiner Dreier ein (43/92), Heiko sogar 49,4 (42/85) – damit gehören beide zu den zehn sichersten Distanzschützen der Liga.

Position und Spielweise:

Per ist ein reiner Einser, bei dem aber weniger der Spielaufbau zuerst auffällt, sondern seine Fähigkeit zu punkten. Von den Jugendnationalmannschaften über seine Zweitligazeit in Hagen war er immer als aggressiver Angreifer bekannt, aber es wurde lange gezweifelt (jepp, auch von mir), ob er sich mit dieser Scorer-Mentalität auch in der Beko BBL wird durchsetzen können. Vor allem, da Speedy Günzalez in erster Linie über seinen ebenso schnellen wie furchtlosen Drive ins Land der Frontcourt-Riesen erfolgreich war. Aber die Zweifel sind verflogen, da er seine Penetration mittlerweile seit sechs Jahren erfolgreich in der Liga praktiziert und dabei mal 35 Punkte in einem Playoffspiel aufgelegt, sich den Dreier in den Werkzeugkasten gepackt und – Ernst beiseite - sogar über den MVP gestopft hat:

Heiko ist einer dieser Combo-Guards, denen vor einigen Jahren noch vorgehalten wurde, dass sie für die Eins zu eigensinnig und für die Zwei zu klein seien. In der Beko BBL (wo aktuell Einser wie Anton Gavel auf der Zwei und Dreier wie Larry Gordon auf der Vier spielen) hat sich diese Meinung die letzten Jahre gedreht: Spielertypen wie er werden nun für ihre variablen Einsatzmöglichkeiten gelobt. Neben seiner bissigen Defense sorgen bei Heiko vor allem zwei Stärken für erhöhte Endorphin-Ausschüttung bei den Fans: Seine wilden Dreier aus dem Dribbling mit Ansage ins Gesicht des Verteidigers und seine No-Look-Passbomben nach dem Pick-and-Roll auf den abgerollten Big Man wie hier bei der EM 2013 auf Maik Zirbes:

Ihre Karriere in der Beko BBL:

Per wechselte 2008 aus seiner Heimat Hagen nach Ulm, stand 2012 mit dem Klub im Finale und hat sich in Ulm in sechs Jahren Kultstatus erworben. Er wurde zwei Mal als beliebtester Spieler der Liga mit dem Pascal Roller Award ausgezeichnet und hat eine eigene Radiosendung. Nach seinem Aufstieg vom Backup-Einser zum Aushängeschild des Klubs ist es legitim, ihn als wichtigste Identifikationsfigur bei einem Bundesligisten zu bezeichnen – noch vor Oldenburgs ewigem Rickey Paulding.

In Heikos Vita sind unter dem Punkt „Stationen“ ein paar mehr Zeilen zu finden: Mit Berlin, Gießen, Nürnberg, Oldenburg, Ludwigsburg, Braunschweig und München lief er bereits für sieben Klubs unserer Liga auf, für Berlin und Gießen sogar zwei Mal. Da kommt schnell das negativ besetzte Wort vom Wandervogel in den Sinn, aber so einfach ist das nicht, denn nicht immer war der Wechsel seine Entscheidung (in der aktuellen Ausgabe der BIG erklärt er das im Interview sehr gut). Aber egal, wo er spielte, wurde er zumindest für die Zeit, die er dort war von den Klubanhängern geliebt – weil er eben immer für solch einen Moment gut ist:

Nationalteam:

Heiko hat 87 Länderspiele, eine Weltmeisterschaft und drei Europameisterschaften absolviert und ist aktuell DBB-Kapitän, Per hat 65 Länderspiele und je eine WM und EM in der Vita.

Per blieb bei der WM 2010 in der Türkei ohne Punkte, im Sommer 2013 in Slowenien kam er erst spät in Schwung und stritt mit Bastian Doreth um die Backup-Minuten, während Heiko fast doppelt so lange als er auf dem Parkett stand. Per ist im Nationalteam etabliert, hat die Evolution zum Leistungsträger aber bisher nicht vollzogen.

Heiko dagegen hat nach dem Umbruch nach den Olympischen Spielen 2008 als Anführer der DBB-Auswahl bereits einige große Spiele gezeigt. Da wäre sein perfekter Dreierregen gegen Griechenland und Kroatien (zehn von zehn) bei seinem Turnierdebüt bei der EM 2009 sowie die Gamewinner gegen Lettland von 2011 als Beispiele:

Seine Aktionen lassen dich jubeln oder treiben dich halt zur Verzweiflung. Als Beispiel für Letzteres wäre die Crunchtime gegen die Ukraine bei der EM 2013 zu nennen: eine Diskussion mit dem Schiri an der Mittellinie wegen eines nassen Balles und - daraus resultierend – ein Offensivfoul. Darüber kann mir mehr als ein halbes Jahr später immer noch der Blutdruck in den roten Bereich ballern, und ich muss mir dann ins Gedächtnis rufen, dass sich niemand mehr darüber geärgert hat als Heiko selbst.

Was sind das für Typen?:

Einfache Frage, einfache Antwort: Das sind zwei Typen, mit denen sich Basketball in Deutschland bewerben, voranbringen lässt! Zwei Anführer mit viel Charisma und wie im Vorspann erwähnt: Der eine ist beliebt wie kein zweiter Spieler, der andere stand nach seinem Wechsel und der EM im Mittelpunkt wie kein zweiter … und beides erzeugt halt Interesse bei den Fans und denen, die es werden sollen. Das ist wichtig! Das braucht der deutsche Basketball!

Per kann man nicht böse sein; er bringt Kritik an Dopingkontrollen so witzig rüber, dass selbst von Seiten der NADA zumindest kurz geschmunzelt werden kann und wirkt sogar sympathisch, während er ein Kind als „kleine Ratte“ bezeichnet:

Bei Heiko ist die Situation komplexer. Er ist anders als viele Profisportler, denn er hat eine Meinung und vertritt sie. Mit dieser aus diplomatischen Gründen hinter den Berg zu halten, mag er nicht, vielmehr hat er richtig Spaß daran, mal aus der Reihe zu treten, zu übertreiben und Sätze rauszuballern, bei denen er nicht sicher sein kann, ob sie als großes Lachen oder Shitstorm in der Basketball-Gemeinde enden.

Wenn er einem SPORT1-Reporter live erzählt, dass er nach der EM 2009 ein Angebot aus Spanien über eine Millionen Euro hatte und dabei so seriös schaut, dass Manfred Winter es glaubt und nachhakt, dann finde ich diesen Umgang mit den Medien nicht unpassend, sondern unterhaltsam. Aber natürlich polarisiert er dadurch. Deshalb ist es oft egal, was dieser „Querkopf“, wie die BIG im Herbst 2013 titelte, sagt oder tut: Es wird versucht, eine große Sache draus zu machen.

Bestes Beispiel dafür ist die von Medien und Basketball-Gemeinde gleichermaßen hochgejazzte „Menzgate“-Affäre bei der EM 2103: Der Kapitän bringt sich in einer Auszeit mit ein und schlägt einen anderen Spielzug vor als der Trainer, da dieser ihn auf einer falschen Position gesehen hatte. So etwas passiert immer mal wieder, behaupte ich, und war weder für Frank Menz noch für seinen Anführer eine große Sache, aber da es um Heiko ging, hieß es: „Der Schaffartzik wieder!“.

Heiko hat weder Twitter-Account noch Facebook-Profil, sagt aber Klares und Wahres - bei anderen Profisportlern ist es oft umgedreht. Da spricht mir Heikos Art eher zu, und auch wenn schon viel über ihn gesagt wurde, so doch eines noch nie: dass er langweilig sei …

Das Fazit:

In der Nationalmannschaft ist Heiko der Anführer, im Vereinsteam hat Per die größere Rolle. Heiko ist der bissigere Verteidiger, Per hat offensiv die besseren Stats. Heiko ist mit seinen dicken Eiern wie gemacht für die Crunchtime, wobei auch Per am Ende nicht verweigert. Heiko spielt seit Jahren, was er kann, bei Per fällt mir noch öfter etwas Neues auf wie zuletzt der sichere Distanzwurf. Zudem ist Per erst 26 Jahre, Heiko dagegen bereits 30.

Bleibt die Frage, welchen der beiden ich lieber im Team hätte?

Da werde ich mich nicht um eine Entscheidung drücken: Wenn ich aktuell einen Anführer für ein Team bräuchte, würde ich Heiko nehmen; wenn ich ein Team neu aufbauen würde, bekäme der vier Jahre jüngere Per den Vorzug.

Hah, da habe ich mich doch fein rausgewunden oder mit anderen Worten:

Alle Infos zum Beko BBL TOP FOUR 2014 gibt es hier.

Abschließend der Hinweis, dass diese Kolumne nicht die offizielle Meinung der Beko BBL darstellt, sondern Einschätzungen von mir als Mitarbeiter des Ligabüros in Köln sind. Wenn Ihr meine Meinung für einen geistigen Airball haltet, lade ich Euch auch zum Diskutieren auf die Pinnwand unserer Facebook-Seite ein (jeder der dort „Gefällt mir“ drückt, kommt übrigens in mein Buch der coolen Leute). Besten Dunk fürs Lesen!

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