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Simon Says
Simon Says: Bambergs Kapitän Casey Jacobsen beendet seine Profikarriere – Abschied von einem...

Simon Says: Bambergs Kapitän Casey Jacobsen beendet seine Profikarriere – Abschied von einem...

Casey Jacobsen beendet mit 33 Jahren seine Profikarriere. Damit verlässt uns ein Kapitän und Gentleman, der in sieben Jahren in Deutschland fünf Meisterschaften und vier Pokalsiege gefeiert hat und von 2008 bis 2012 das Aushängeschild der Beko BBL war … Zeit, für eine Würdigung:

Mit diesem Tweet verkündete Bambergs Kapitän Jacobsen am Donnerstagabend das Ende einer Profikarriere, die mit dem Wort „erfolgreich“ unzureichend beschrieben wäre. Deshalb nun ein wenig ausführlicher:

Erfolge in der Beko BBL:

Dass es eine große Karriere werden könnte, lässt sich bereits am Anfang erahnen: Nach seinem ersten Jahr in der Beko BBL ist Jacobsen Meister, Finals-MVP und bester Offensivspieler der Liga. Nach der Saison 2006/07 folgen ab 2008 bis heute vier weitere Meisterschaften und vier Pokalsiege. Neben 2007 wird er auch 2010 zum MVP der Finals gewählt. Als Kapitän schafft er mit den Brose Baskets den in der Geschichte der Liga einzigartigen doppelten Threepeat (Meister und Pokalsieger von 2010, 2011 und 2012). Seine Gamewinner für Bamberg sind zahlreich, deshalb hier nur sein letzter aus dieser Saison in der Euroleague gegen Efes Istanbul.

Mit insgesamt neun Titeln in der Beko BBL schwebt Jacobsen auf Augenhöhe mit Bundesliga-Ikonen wie Henning Harnisch (zusammen 14 Meisterschaften und Pokalsiege), Henrik Rödl und Marko Pesic (jeweils 11), Norbert Thimm und Mike Koch (jeweils 10) und Chris Welp, Gunther Behncke, Wendell Alexis und Mithat Demirel (jeweils 9). Was es abseits der Trophäen über Jacobsen zu sagen gibt, bringt Münchens Bryce Taylor auf den Punkt:

Weitere Erfolge:

Goldmedaille bei den Weltjugendspielen 1998 in Moskau / Silbermedaille mit den US-Junioren bei der U18-WM 1999 in Portugal / 2000-01: NCAA First Team All-America (Associated Press) / 22. Pick der NBA-Draft von 2002 / In 287 NBA-Spielen für Phoenix, New Orleans und Memphis 5,2 Punkte im Schnitt in durchschnittlich 18,5 Minuten / Spanischer Pokalsieger 2006 mit Tau Vitoria / Dritter Platz Final Four der Euroleague 2006 mit Tau Vitoria

In den USA ist er vor allem für seine Erfolge als Heranwachsender bekannt. 1999 legt er beim Hoop Summit 31 Zähler auf und wird in den drei Jahren an der Stanford Universität eine der größten Nummern des Collegebasketballs. In seinem zweiten Jahr trifft er einen Gamewinner gegen die Duke Blue Devils mit ihren fünf späteren NBA-Profis Chris Duhon, Jason Williams, Mike Dunleavy, Shane Battier und Carlos Boozer. Dabei jubeln ihm unter den 20.000 Fans auch der frühere Stanford-Student Tiger Woods und die spätere US-Außenministerin Condoleezza Rice als damalige Hochschulleiterin zu.

Auch sein damaliger Teamkollege Jason Collins (aktuell bei den Brooklyn Nets) gratulierte ihm am Donnerstag zu seiner Karriere:

Diese ESPN-Dokumentation über Jacobsen (Anschaubefehl!) vermittelt einen Eindruck, welch eine großartige College-Karriere Jacobsen hatte:

Jacobsen tat sich in den Jahren in Bamberg und Berlin in der Öffentlichkeit nie als Lautsprecher hervor, aber das bedeutete nicht, dass er nichts beizutragen gehabt hätte. Nachdem er 2010 mit Bamberg das erste Double von Meisterschaft und Pokalsieg eingesackt hatte, traf ich ihn in Bamberg für ein Interview. Das Gespräch wurde unter der Überschrift „Ich war besessen von Basketball!“ in der FIVE über sechs Seiten abgedruckt. Darin sprach er über seinen Verzicht auf eine Freundin als Jugendlicher, den beleuchteten Freiplatz im Garten der Eltern, Trashtalk mit Michael Jordan und LeBron James und die besondere Teamchemie bei den Brose Baskets - Hier einige Auszüge aus dem Gespräch, die verdeutlichen wie der Anführer der Bamberger Meistermannschaft tickt:


Hast Du mal direkt gegen Dein Idol Michael Jordan gespielt?

Ja. Ich habe mit anderen Collegespielern bei seinem Camp von der Michael Jordan Flight School als Trainer gearbeitet und wenn die Camper abends im Bett waren, haben wir alle noch gezockt. MJ war zwar schon zwei Jahre nicht mehr aktiv in der NBA, hat aber abends mitgespielt. Ich war noch nie so aufgeregt wegen eines Trainingsspiels. Eigentlich habe ich ihn nicht gedeckt, aber in einer Szene mussten wir switchen und er hatte oben an der Birne den Ball gegen mich. „Mach dich bloß nicht lächerlich vor deinem Vorbild“, habe ich noch gedacht, da nahm MJ den Ball mit einer Hand hoch über den Kopf, wie er es immer tat, schaute mich an und sagte: „Du weißt schon, dass noch kein weißer Junge mich stoppen konnte?“ Ich konnte es gar nicht glauben … MJ laberte mich voll! Ich unterdrückte ein Lächeln und bevor ich einen weiteren Gedanken fassen konnte, zog er nach links und nahm einen Jumper. Ich gab alles, um dran zu bleiben und glücklicherweise traf er nicht. Ein paar Jahre später postete mich Lebron James mal auf und von der Cavs-Bank hörte ich nur, „take that white boy to the hole!“. Da fühlte ich mich an die Szene mit MJ erinnert und musste grinsen. Als das Doppeln kam, hat Lebron den Ball wieder raus gepasst, also hat er auch nicht gegen mich gescort. Zwei der besten Basketballer aller Zeiten und ich habe beide erfolgreich verteidigt … zumindest ist das die Geschichte, wie ich sie meinem Kindern mal erzählen werde.

Warum macht es uns so glücklich, einen dummen Ball in einen dummen Korb zu werfen?

Es ist kein dummer Ball und es ist kein dummer Korb, aber ich verstehe deinen Punkt. Ein entscheidender Aspekt beim Basketball ist, dass du es alleine spielen kannst. Du brauchst keinen Rückschläger oder einen Torwart, es reicht ein Ball und ein Korb. Trotzdem wird es nicht langweilig. Das können meine unzähligen Siege bei uns zu Hause gegen MJ bezeugen.

Lieber bei einem mittelmäßigen Team auf höchstem Niveau spielen, wie damals bei den Grizzlies in der NBA oder für weniger Geld ein Level tiefer bei einem Titelanwärter in der Bundesliga?

Ich mag es, viel Geld zu verdienen. Gebe ich offen zu. Wenn jemand etwas anderes behauptet, sind Zweifel angebracht. Aber ich habe in meiner Karriere auch gelernt, dass Geld nicht der wichtigste Punkt ist. Wenn doch, wirst du nie wirklich Spaß haben am Spiel. Teil eines Teams zu sein, zusammen Erfolg zu haben, das sind die Dinge, die in Erinnerung bleiben. Geld geht und kommt. Ich gebe es für die Familie aus, für meine Kinder, für alles Mögliche. Es verschwindet irgendwie, aber ich werde niemals die Meisterschaften vergessen, die ich hier mit den Brose Baskets gewonnen habe. Ich hätte dieses Jahr woanders für mehr Geld spielen können, aber ich möchte, dass die Aufbauarbeit, die wir mit diesem Team geleistet haben, jetzt weitergeht. Der Fortschritt als Team ist doch mit das schönste am Mannschaftssport. Was wäre das außerdem für eine Lektion für meine Töchter, wenn ich der Jagd nach dem Geld alles andere unterordnen würde?

Wie wichtig sind persönliche Abstriche für den Erfolg des Teams?

Bestes Beispiel dafür ist Pau Gasol. Bei uns in Memphis war er der Go-to-guy, aber unzufrieden weil kein Erfolg da war. Jetzt gibt er bei den Lakers die zweite Geige für Kobe Bryant, ist zweifacher Meister und wesentlich glücklicher. Bei uns macht Peja Suput gute zehn Punkte im Schnitt. Könnte er bei einem Team aus dem Mittelfeld zwanzig machen und MVP werden? Natürlich, aber er würde auch nicht um den Titel mitspielen. Ich bin stolz darauf, dass die Leute bei uns in Bamberg eine kleinere Rolle akzeptieren, weil es gut für den Teamerfolg ist. Ich mache das auch und ich mache es gerne. Das ist die Essenz von Mannschaftssport und der wichtigste Aspekt, wenn es um Erfolg als Team geht. Wichtig ist dabei, dass der Trainer und die Mitspieler, demjenigen zeigen, dass sie es wertschätzen, dass er persönliche Abstriche macht. Als Team können wir die Schwächen eines jeden Spielers kaschieren und die Stärken hervorheben. Ein Spruch, den jeder kennt, der aber nur selten umgesetzt wird. Bei uns in Bamberg wird er von jedem Spieler berücksichtigt.


Nach 269 Spielen in der Beko BBL mit 558 Dreiern und insgesamt 3240 Punkten beendet Casey Jacobsen nun also seine Profikarriere. Hier gibt es die letzte Rede von ihm an die Fans von Freakcity - bitte Taschentücher bereit legen. In der Brose Arena wird sowohl sein als auch das Trikot von John Goldsberry von nun an an der Hallendecke hängen und seine Nummer 23 nicht mehr vergeben werden. Zum Ende nun noch zwei frühere Bamberger Teamkollegen über ihren ehemaligen Kapitän:


Abschließend der Hinweis, dass diese Kolumne nicht die offizielle Meinung der Beko BBL darstellt, sondern Einschätzungen von mir als Mitarbeiter des Ligabüros in Köln sind. Wenn Ihr meine Meinung für einen geistigen Airball haltet, lade ich Euch auch zum Diskutieren auf die Pinnwand unserer Facebook-Seite ein (jeder der dort „Gefällt mir“ drückt, kommt übrigens in mein Buch der coolen Leute). Besten Dunk fürs Lesen!

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