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Simon Says
Simon Says: Die beiden schwierigsten Entscheidungen dieser Saison – Fünf Headcoaches mit Chancen,...

Simon Says: Die beiden schwierigsten Entscheidungen dieser Saison – Fünf Headcoaches mit Chancen,...

Aktuell werden die individuellen Auszeichnungen in der Beko BBL vergeben. Beim Trainer des Jahres ist die Entscheidung diese Saison schwer, beim MVP keine verlässliche Prognose möglich.

Most Valuable Player 2013/14:

Es war so einfach die vergangenen zwei Jahre. Mit John Bryant gab es einen Spieler, der die Individual-Statistiken dominierte, mit Abstand der effektivste Profi unserer Liga war. Zudem spielte er in einem Team, das weit oben in der Tabelle stand. Und er war das Zentralgestirn dieser Mannschaft. Damit waren drei wichtige Forderungen an einen MVP erfüllt: 1) dominant in den Statistiken, 2) erfolgreich mit dem Team und 3) nicht zu ersetzen für dieses. In dieser Saison dagegen sehe ich kaum Kandidaten, und schon gar keinen Favoriten, der diese drei Kriterien erfüllt.

In der Liste der effektivsten Spieler der Saison stehen folgende Spieler auf den ersten elf Plätzen: Angelo Caloiaro (MBC), Larry Gordon (Hagen), Jamel McLean (Bonn), Anthony King (Artland), Darius Adams (Bremerhaven), Brian Qvale (Bayreuth), Lawrence Hill (Artland), Kyle Visser (Braunschweig), Kyle Weems (Bayreuth), Richie Williams (Vechta) und Isaiah Swann (Braunschweig).

Alle diese Spieler legen beeindruckende Stats auf, aber keiner von ihnen steht mit seinem Team derzeit auf einem der ersten vier Plätze, acht davon nicht mal in den Playoffs. Und für mein Drehbuch wird für Hauptrolle niemand engagiert, der seinem Team nicht mal Heimrecht in der ersten Runde verschaffen konnte. Deshalb scannen wir jetzt die vier besten Teams auf der Suche nach einem berechtigten MVP:

Oldenburg:

Julius Jenkins ist effektivster Spieler des Vizemeisters und wie erwähnt im Text zum besten Offensivspieler: Auch in großen Spielen drehte er dieses Jahr auf, was Pluspunkte bei der MVP-Wahl gibt. Dazu kommt: Ein MVP, der von der Bank kommt, hätte natürlich was. Richtig überzeugt bin ich aber nicht - trotz eines immer noch zauberschönen Sprungwurfs:

Berlin:

Zu Anfang der Saison wurde Berlins Topscorer David Logan zumeist als MVP-Kandidat der Albatrosse genannt. Später trat Allrounder und Backup-Einser Reggie Redding (in der Liste der effektivsten Spieler der Liga an zwölfter Stelle der erste von den führenden vier Klubs) an diese Stelle. Und zuletzt fiel auch der Name Cliff Hammonds immer öfter. Der beste Verteidiger der Liga wütet seit seinem starken Auftritt im Pokalfinale auf einem konstant hohen Niveau. Er ist der Spiritus Rector einer Truppe, die sich über ihre Defense definiert … aber auch das, was wir uns unter einem MVP vorstellen?

Bamberg:

D’Or Fischer ist Bambergs effektivster Akteur, aber erst zur Saisonmitte gekommen, was für mich ein Ausschlusskriterium für den MVP-Award ist. Rakim Sanders war zuletzt besser, lernt langsam, seine Punkte aus dem Flow der Offense heraus zu erzielen und sein persönlicher 7:0-Run in der Crunchtime, mit dem er Bamberg gegen München wieder in Schlagdistanz brachte, versprühte MVP-Flair. Aber er wirkt ein wenig wie ein Papiertiger verglichen mit P.J. Tucker, dem letzten Combo-Forward Bambergs, der in unserer Liga MVP-Ehren abgriff (2012 Finals-MVP).

Kurzer Einschub zu Jared Jordan: Wäre er in Bonn geblieben, wäre er einer meiner MVP-Anwärter gewesen, auch wenn seine Bonner es nicht unter die oberen vier Teams geschafft hätten. Aber nun ist das hinfällig, denn zum einen hat es Bonn auch ohne ihn sicher in die Playoffs geschafft (so unersetzbar scheint er dort nicht gewesen zu sein), zum anderen ist er in Bamberg bei weitem nicht so effektiv wie zuvor bei den Telekom Baskets (Effektivität von 16,4 auf 11,1 gesunken).

Wenn ich für einen Bamberger Profi stimmen müsste, dann für Anton Gavel. Aber statistisch gesehen war seine Saison aus dem Vorjahr besser, und sein Team war in den vergangenen zwei Jahren dominanter, deshalb wäre eine Auszeichnung von ihm wohl auch eine Art Lifetime-Award, quasi eine Anerkennung seiner Leistung in den vergangenen vier Jahren. Für seine Bamberger Zeit gebührt ihm auch so viel Lob wie möglich, aber die MVP-Trophäe ist dafür einfach nicht gedacht.

München:

John Bryant ist der effektivste Spieler der Bayern, aber es wäre natürlich fragwürdig, wenn JB mit einer wesentlich schwächeren Saison als in den beiden Jahren zuvor, erneut MVP werden würde. Wer käme sonst in Frage? Münchens Topscorer Nihad Djedovic, Bryce Taylor und auch Deon Thompson haben starke Partien hingelegt, aber MVP der Beko BBL? Nicht wirklich!

Dann schon eher Malcolm Delaney. Der Aufbau der Bayern ist neben Djedovic der Go-to-Guy der Bayern und in der Defense mit seinen langen Armen sehr bissig. Er ist im Eins-gegen-eins einer der besten Spieler der Liga, zeigt immer wieder Phasen grandioser Dominanz und wurde diese Saison auch schon als MVP ausgezeichnet – wie unten zu sehen im Euroleague-Video nach dem Sieg über Real Madrid. Ich habe den Eindruck, dass er in der ersten Saisonhälfte noch stärker war, aber er hat von allen Bayern-Profis national und in der Euroleague auch die meisten Minuten abgerissen. Bei dem tiefen Kader der Bayern stellt sich natürlich die Frage nach dem dritten Kriterium von oben für MVP-Kandidaten: Sie sollten unersetzbar für ihr Team sein. Mit Heiko Schaffartzik und Steffen Hamann hinter Delaney ist die Eins natürlich besser besetzt als bei jedem anderen Team, Bayern könnte einen Ausfall also am ehesten kompensieren, aber trotzdem: Wenn ich für einen Bayern-Akteur stimmen müsste, wäre Delaney meine Wahl.

Zusammengefasst: Bei jedem der hier erwähnten Profis gibt es für den Status als uneingeschränkter MVP-Favorit Zweifel entweder beim ersten oder beim dritten der oben aufgeführten Kriterien. Kein Spieler von den oberen vier Teams ist derart dominant wie Bryant die vergangenen zwei Jahre. Und die oberen Teams dieser Saison sind derart ausgeglichen bestückt, dass sie jeden Ausfall zumindest über einen kurzen Zeitraum anständig kompensieren können. Das verdeutlicht zwar die steigende Professionalität der deutschen Spitzenmannschaften im europäischen Vergleich, macht die nationale MVP-Wahl aber schwieriger. Die Situation erinnert an 2008/09, als am Ende Oldenburgs Jason Gardner MVP wurde, obwohl der Point Guard in seinem Team weder bester Scorer noch effektivster Spieler war. Deshalb: Was bin ich froh, dass ich nicht mehr wählen darf …


Trainer des Jahres 2013/14:

Für den Trainer des Jahres gibt es mehrere Kandidaten, die sich berechtigt Hoffnung machen dürfen – hier meine Handvoll:

John Patrick (Ludwigsburg) und Silvano Poropat (MBC):

Einer von beiden wird mit seinem Team in die Playoffs kommen und wer es auch sein wird: Es ist die Überraschung der Saison! Wobei ich hier als Fan des deutschen Nachwuchses erwähnen muss, dass ich es schade finde, dass John Patrick zur Erfüllung der 6-6-Quote gerne auf eingedeutschte Spieler wie aktuell Adam Waleskowski und Patrick Flomo setzt anstatt auf heimische Talente. Hey JP, in Ludwigsburg gibt es mit der Porsche Basketball-Akademie ein großartiges Nachwuchs-Programm …

Gordon Herbert (Frankfurt):

Nach den Sätzen von eben ist natürlich klar, dass mir Gordon Herberts Taktik gegen die Verletzungsseuche der Frankfurter besonders viel Freude bereitete. Auf die Abgänge/Ausfälle von Aufbau Dawan Robinson, Topscorer Andy Rautins sowie der Veteranen Quantez Robertson, Jacob Burtschi und Dane Watts reagierte Herbie simpel wie erfolgreich: Er übertrug dem jungen deutschen Quartett Konstantin Klein, Kevin Bright, Danilo Barthel und Johannes Voigtmann mehr Verantwortung … und schnupperte damit zeitweilig an der Postseason. Zum Vergleich: Das war auch das Ziel der Teams aus Bayreuth, Braunschweig, Bremerhaven und Würzburg, aber trotz stärkeren Kaders gab es zumindest bei dreien davon stattdessen Abstiegskampf. Es war in Frankfurt diese Saison wieder Mal nicht zu übersehen: Bei Herbert ist das Team immer besser als die Summer der Einzelteile (Okay, das eine Jahr in Berlin klammern wir aus).

Svetislav Pesic (München):

Für Svetislav Pesic gibt es in der regulären Saison nichts zu gewinnen. Landet er als Headcoach des FC Bayern München nicht auf dem ersten Platz, wird in weiten Teilen der Basketball-Gemeinde die Schadenfreude regieren, ist er nach dem 34. Spieltag Tabellenführer, wird es heißen: Kein Wunder bei dem Kader. Wie geschrieben: Es gibt nichts zu gewinnen für Pesic … außer natürlich der Auszeichnung als Trainer des Jahres.

Schauen wir, wie er die Einsatzzeiten in seiner Zwölfer-Rotation (plus Paul Zipser neuerdings) ausbalanciert, so stellen wir fest: Jeder der etablierten Profis spielt weniger als in der vergangenen Saison, dennoch werden die Rollen akzeptiert, die individuellen Ziele werden denen des Teams untergeordnet. An solche einer Aufgabe sind schon ähnlich berühmte Trainer gescheitert. Außerdem hat Pesic Profis in wichtigen Bereichen ihres Spiels voran gebracht: Nihad Djedovic trifft jetzt Dreier und Lucca Staiger verteidigt gut und lebt auf in der Rolle des Distanzspezialisten (woran er in Berlin noch gescheitert war). Und dann wäre da ja auch noch der vor einigen Wochen aus dem Nichts in der Rotation aufgetauchte Paul Zipser …

Die Liste der Talente, die Pesic geformt hat, ist lang, geht von seinen jugoslawischen Junioren von 1987 (Vlade Divac, Dino Radja und Toni Kukoc) über Berliner Nationalspieler (Henrik Rödl, Jörg Lütcke und Drazen Tomic) bis hin zu Marc Gasol in Barcelona und Girona, und seit dieser Saison ist der 20-jährige Zipser das neue Nachwuchsprojekt des Altmeisters. Mehr als beeindruckend, wie Pesic im letzten Viertels des entscheidenden Euroleaguespiels gegen Tel Aviv Zipser und dessen schnellen ersten Schritt gegen die Nicht-Defense von David Blu gesetzt hat.

Trotz tiefen Kaders und der öffentlichen Erwartung, dass die Bayern Tabellenführer der regulären Saison werden müssen: Svetislav Pesic als Trainer des Jahres auszuzeichnen, wäre mehr als berechtigt.

Sasa Obradovic (Berlin):

Meine Stimme geht diesmal aber mit Sasa Obradovic an den Headcoach, der die beste Verteidigung der Liga orchestriert. Der Berliner Trainer hatte vor der Saison versprochen, weniger jähzornig zu sein. Ob er sich wirklich geändert hat? Wayne Interessierts! Sein Team hat sich nach einem Neuaufbau bereits in dieser Saison und damit schneller als vom Klub gefordert an die eigene Leistungsgrenze herangeackert, hat Bamberg und München zu Hause gedemütigt und bei einem Wochenende in Ulm mit zwei überragenden Siegen den Pokal verteidigt. Fazit: Die Mannschaft von Obradovic liegt deutlich über dem Plansoll und dafür ist der Mann mit den tausend Gesichtsausdrücken mein Trainer des Jahres.

Bei @ALBABERLIN findet das ganz große Kino auch abseits des P... on Twitpic

Abschließend der Hinweis, dass diese Kolumne nicht die offizielle Meinung der Beko BBL darstellt, sondern Einschätzungen von mir als Mitarbeiter des Ligabüros in Köln sind. Wenn Ihr meine Meinung für einen geistigen Airball haltet, lade ich Euch auch zum Diskutieren auf die Pinnwand unserer Facebook-Seite ein (jeder der dort „Gefällt mir“ drückt, kommt übrigens in mein Buch der coolen Leute). Besten Dunk fürs Lesen!

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