FB Twitter Instagram YouTube Google+
Nachwuchs
Swen Pförtner

"Nächstes Jahr erwarten wir einen weiteren deutlichen Schub" - Jens Staudenmayer über das Miniturnier

— Swen Pförtner

Stammgast beim Mini-Turnier der BG Göttingen ist seit vielen Jahren Jens Staudenmayer. Auch bei der 39. Auflage war der 50-Jährige mit von der Partie. Im folgenden Interview spricht der Kaufmännische und Sportliche Leiter der easyCredit BBL über die aktuelle Situation im Minibereich in Deutschland und über den Vorteil, den neue Vorgaben mit sich bringen werden.

Nach vielen Jahren als Trainer des TuS Mondorf haben Sie in diesem Jahr keine Mannschaft gecoacht. Wie war es, das Mini-Turnier der BG Göttingen als Zuschauer zu besuchen?

Staudenmayer: Vergangenes Jahr bin ich 50 geworden und habe mir gedacht, dass dies ein guter Zeitpunkt ist, in die vorläufige „Trainerrente“ zu gehen. Meine Kinder sind dem Mini-Alter entwachsen, meine Tochter spielt bei der BG Bonn, mein Sohn bei Bayer Leverkusen, zwei Vereinen, in denen traditionell gute Jugendarbeit geleistet wird. Da bin ich mit Fahrdiensten als Elternteil voll ausgelastet. Aber gerade im Minibereich gibt es inzwischen eine Vielzahl an Vereinen, die sehr gute Arbeit leisten und Kindern Freude am Basketball vermitteln.

Sind die zahlreich eingeführten Grundschulligen ein Grund für den Anstieg in Qualität und Quantität im Minibereich?

Staudenmayer: Generell ist das Wachstum in diesen Altersstufen stetig. Im vergangenen Jahr sind wir bundesweit erneut von 23.000 auf 25.000 Minis gewachsen. Dazu kommen allein an den BBL-Standorten rund 10.000 Kinder, die wir über die Schulligen erreichen, die aber nicht in der Statistik auftauchen. Das macht sich positiv bemerkbar.

Hat mittlerweile jeder easyCredit BBL-Standort eine eigene Schulliga?

Staudenmayer: Fast jeder. Zumindest gibt es überall ein großes Abschlussturnier. Vorreiter ist hier sicherlich ALBA BERLIN, das seit Jahren auch sehr viel in die Breite investiert.

Gibt es Auffälligkeiten beim aktuellen Mini-Turnier?

Staudenmayer: Erfreulicherweise konnten die Organisatoren in Göttingen die Teilnehmerzahl nochmals deutlich erhöhen – es präsentieren sich hier Spieler aus der ersten und zweiten Reihe. Nächstes Jahr erwarten wir dann einen weiteren deutlichen Schub im Minibereich, da der DBB nationale Miniregeln eingeführt hat.

Welche Vorteile bieten die neuen Regeln, die unter anderem niedrigere Körbe und einen leichteren Ball vorsehen?

Staudenmayer: Das Ziel, also der Korb, sollte dadurch auch für ganz Kleine einfacher zu treffen sein. Wir bekommen mehr Werfer in frühem Alter! Das sorgt für mehr Erfolgserlebnisse und erhöht die Motivation dranzubleiben. Und wenn ein größerer Mini auf die tieferen Körbe mal einen Dunking schafft, schadet das bestimmt nicht. Wir dürfen es mit der Reglementierung in diesem Alter aber nicht übertreiben. Entscheidend ist, dass das Spielerische immer im Vordergrund steht und wir möglichst viele Kinder für Basketball interessieren.

Wo bestehen noch Potenziale im Nachwuchsbereich?

Staudenmayer: Die Trainerqualität ist ein wichtiger Ansatzpunkt. Durch die geschaffene dreijährige nationale Trainerausbildung und die Minitrainer-Offensive sind bereits erste Ergebnisse zu sehen, die uns positiv stimmen. Es muss aber noch häufiger gelingen, den Übergang von der U12 und U14 zur JBBL ordentlich zu bewältigen. Der Trainermarkt wird sich weiterentwickeln, dazu ist ab und an auch Expertise von außen nötig. Im Vergleich zu Südeuropa sind wir aber gerade im Minibereich noch nicht so gut aufgestellt – dies betrifft die Bereiche „Spielerische Kreativität“, als auch die Breite und die generelle „Talentsichtung“.

Die Aufstockung des Mini-Turniers auf ein Rekordniveau ist 2018 gelungen. Sollte ein weiteres Wachstum angestrebt werden?

Staudenmayer: Die Koordination dieses Jahr hat sehr gut funktioniert. Allerdings muss das Turnier beherrschbar bleiben. Uns als Liga und dem DBB ist wichtig, dass das Mini-Turnier seinen familiären Charakter bewahrt.

Ist der Termin Mitte Juni nicht problematisch, da in vielen Vereinen die Teams bereits auf die neue Saison umgestellt worden sind?

Staudenmayer: Das passt schon - weil es ein guter Saisonabschluss ist, dem die Kinder entgegenfiebern. Und wer bereits umgestellt hat, kommt eben mit den jüngeren Jahrgängen her.

Was plant die easyCredit BBL außerhalb des Nachwuchsbereichs in naher Zukunft?

Staudenmayer: Wir haben jetzt erstmal die Etaterhöhung auf drei Millionen Euro sowie ein positives Eigenkapital in Höhe von 250.000 Euro Eigenkapital beschlossen. Damit stärken wir die Entwicklung für Wachstum und wirtschaftliche Stabilität. Mit dem TV-Vertrag verfügen wir in den kommenden fünf Jahren über perfekte Bedingungen. Eine weitere wichtige Herausforderung wird sein, wie wir noch besser mit den Nationalmannschaftsfenstern und dem extrem eng getakteten internationalen Spielplan umgehen.

Gibt es im Streit zwischen der Euroleague und der FIBA Hoffnung auf Schlichtung?

Staudenmayer: Derzeit sieht es nicht danach aus. Fakt ist, dass dieser Konflikt auf dem Rücken der Spieler ausgetragen wird. Sie sind in ihrer Entscheidung nicht frei und absolvieren ein ungesundes Pensum an Spielen. Selbst ein Team wie Ludwigsburg hat in der aktuellen Saison mehr als 70 Pflichtspiele ausgetragen.

Wie sehr sind Sie als ehemaliger Top-Schiedsrichter mit den Leistungen der Referees in dieser Saison zufrieden?

Staudenmayer: In dieser Spielzeit sind wir mit einem eher kleinen und vor allem sehr jungen Schiedsrichter-Kader angetreten. Das Durchschnittsalter betrug 34 Jahre, der älteste Schiedsrichter ist 41. Alle verfügen jedoch bereits über reichlich BBL-Erfahrung. Ich bin optimistisch, dass wir in den kommenden Jahren weitere Verbesserungen erzielen werden und auch mehr Nachwuchsschiedsrichter an den BBL-Kader werden heranführen können.

Wo steht die Liga in drei Jahren?

Staudenmayer: Die Lücke zu den führenden europäischen Nationen wird sowohl in den Klub-Wettbewerben als auch bei der A- und den U-Nationalmannschaften weiter geschlossen werden. Ich denke, die Anzahl einheimischer Leistungsträger wird größer und das Spiel ein Stück weit europäischer sein.

Das könnte dich auch interessieren:

easyCredit BARMER Telekom Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport