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BIG - Basketball in Deutschland
„Die Gegner haben den Respekt vor Bamberg verloren“ – Nationalspieler Karsten Tadda im BIG-Interview Fotoduda

„Die Gegner haben den Respekt vor Bamberg verloren“ – Nationalspieler Karsten Tadda im BIG-Interview

— Jan Finken

Karsten Tadda ist im Jugendprogramm von Brose Bamberg groß geworden, hat mit den Franken Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert. Warum es richtig und wichtig war, seine Heimat zu verlassen und nach Stationen in Gießen und Ulm nun bei den EWE Baskets Oldenburg zu spielen, erläutert der Nationalspieler im BIG -Interview

Karsten, seit der Trennung von Bryon Allen im Dezember gibt es im Team eine neue Rollenverteilung – Profitierst Du davon?

Auf jeden Fall. Mit Allen im Team war ich vor allem Back-up für Rickey (Paulding, Anm. d. Red.) auf dem Flügel, inzwischen bin ich wieder mehr auf die Shooting-Guard-Position gerückt, wo ich mich definitiv wohler fühle. Ich komme nun besser ins Pick’n’Roll, habe mehr Möglichkeiten … Auf der Zwei fühle ich mich besser aufgehoben.

Du sagst, auf der Guard-Position hast du mehr Möglichkeiten. Viele sehen dich noch immer als reinen Three&D-Akteur …

(lacht) Ich weiß, aber darüber rege ich mich nicht mehr auf. Ich glaube, ich habe in den vergangenen Jahren bewiesen, dass ich mich weiterentwickelt habe. In Bamberg hatte ich nun einmal die Rolle, in der Defensive meist den besten Scorer des Gegners zu stoppen und vorn den offenen Dreier zu nehmen. Wäre ich dort geblieben, wäre ich dieser Typ Spieler wahrscheinlich auch heute noch. Inzwischen kreiere ich aus dem Pick’n’Roll heraus, ziehe mehr zum Korb – mein ganzes Spiel ist variabler geworden.

Das heißt, der Wechsel aus deiner Heimat Bamberg nach Gießen war die richtige Entscheidung.

Bamberg zu verlassen war das Beste, was ich in meiner damaligen Situation machen konnte. In Bamberg war ich auf meine Rolle, gerade als Eigengewächs, stark festgelegt. In Gießen habe ich große Spielanteile bekommen und mit Denis Wucherer einen Coach gehabt, der mir viele Freiheiten gegeben hat. Ähnliches gilt für Ulm, wo ich mich ebenfalls sehr wohlgefühlt habe und den Ball oft in der Hand hatte. Von den Erfahrungen, die ich in Gießen und Ulm gesammelt habe, profitiere ich nun bei den EWE Baskets.

Michael Schepp

Wo siehst du in dieser Spielzeit die Stärken Oldenburgs?

Definitiv auf den großen Positionen. Mit Rasid Mahalbasic haben wir einen dominanten Big Man in unseren Reihen, der allein durch seine Präsenz viel Aufmerksamkeit der gegnerischen Verteidigung auf sich zieht. Das schafft viele Freiräume, beispielsweise für unseren Distanzspezialisten Phil (Philipp Schwethelm, Anm. d. Red.), der, da er viel auf der Vier spielt, das Feld noch zusätzlich weiter macht. Auch unsere Guards Brad Loesing, Mickey McConnell und Frantz Massenat machen einen guten Job.

Fixpunkt in der Offensive der EWE Baskets ist aber nach wie vor Rickey Paulding. Der ist inzwischen 35 Jahre alt, erlebt aber gerade seinen x-ten Frühling und ist nach Mahalbasic bester Scorer bei euch. Was ist das Geheimnis seiner ewigen Jugend?

Wenn ich das herausgefunden habe, sage ich Bescheid … (lacht) Wahrscheinlich hat er irgendein Wundermittel zu Hause im Schrank, das ihn jünger werden lässt … Im Ernst: Rickey ist unglaublich, sowohl auf als auch neben dem Feld. Er ist ein echtes Vorbild für uns alle, menschlich und sportlich. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass er seit Jahren einer der beliebtesten Spieler der Liga ist und in Oldenburg Heldenstatus genießt. Und er kann in einer Partie immer noch den Unterschied machen. Als Gegner habe ich das oft genug erlebt, deswegen bin ich froh, nun mit ihm in einem Team zu stehen.

 

Es zeichnet sich ab, dass das Playoffrennen in diesem Jahr noch enger werden wird als in den Jahren zuvor. Nur Bayern München steht unangefochten an der Tabellenspitze. Lösen die Bayern Meister Bamberg ab?

Das wird sich zeigen. Zumindest ist Bayern München derzeit das Maß aller Dinge. Der Kader ist extrem stark, die Bank ist tief besetzt. So können die Münchener sogar einen Ausfall wie den von Vladimir Lucic (Bruch des Mittelfußknochens, Anm. d. Red.) ohne größere Probleme kompensieren. Dass die Bayern in dieser Saison beide Meisterschaftsspiele und im Pokal gegen Bamberg gewinnen konnten, sagt einiges aus.

Und Bamberg, dein Heimatklub?

Die Bamberger machen eine schwierige Phase durch. Es gab vergangenen Sommer einen Umbruch im Team, jetzt plagen sie sich mit langfristigen Verletzungen, etwa von Elias Harris, Luka Mitrovic und Bryce Taylor, herum. Was vielleicht noch schwerer wiegt: Die Gegner haben den Respekt vor Bamberg verloren. Inzwischen rechnet sich jeder eine Chance aus, den amtierenden Meister zu besiegen, das war in der vergangenen Saison undenkbar.

Hast du noch Kontakt zu den Bambergern?

Nur sporadisch. Ab und zu schreibe ich mit Lucca (Staiger, Anm. d. Red.) und Elias (Harris), aber das war es auch schon. Jeder hat genug mit sich selbst zu tun, und gerade Bamberg ist durch die EuroLeague viel unterwegs.

Meinst du, dass euch die körperliche und vielleicht auch mentale Belastung durch den internationalen Wettbewerb im Playoffrennen schadet?

Ich glaube nicht, dass dies jemand bei uns als Belastung empfindet, im Gegenteil. Die Reisestrapazen halten sich nach Ende der Gruppenphase in Grenzen, vielmehr kann man durch Erfolge auf europäischer Ebene Selbstbewusstsein für die Liga tanken. Ich glaube, dass grundsätzlich jeder Sportler in allen Wettbewerben so weit kommen will wie möglich. Auch noch so intensives Training kann Wettkampfpraxis nicht simulieren, insofern sind die Spiele auf internationaler Ebene die beste Vorbereitung auf die Playoffs.

Was wird Oldenburg im Kampf um die Playoffs zugutekommen?

Unsere extrem gute Teamchemie. Wir sind inzwischen eine eingeschworene Truppe, in der jeder für jeden kämpft. Rufen wir dann noch unser komplettes spielerisches Potenzial ab, können wir jeden schlagen.

FIBA

Bevor die Liga ins letzte Hauptrundendrittel startet, hast du mit der Nationalmannschaft gerade das zweite sogenannte Länderspielfenster absolviert. Du bist schon lange im Auswahlteam dabei; wie bewertest du die aktuelle Entwicklung?

Der DBB hat den richtigen Weg eingeschlagen. Die positiven Resultate bei der jüngsten Europameisterschaft und die Tatsache, dass viele junge Spieler nachkommen, sind das Ergebnis der Arbeit in den vergangenen Jahren. Wenn jetzt noch Spieler wie Dennis Schröder, Maxi Kleber, Daniel Theis, Paul Zipser und Jo Voigtmann zum Kader gehören, brauchen wir uns in Europa vor keinem zu verstecken.

Bei der EM im vergangenen Sommer warst du in allen sieben Spielen Starter und hast nicht nur defensiv, sondern auch in der Offensive überzeugt. War es dein bisher wichtigstes, weil bestes internationales Turnier?

Diese Frage habe ich mir selbst noch gar nicht gestellt, aber ich glaube ja. Ich persönlich war sehr zufrieden mit meinen Leistungen, mit denen der Mannschaft sowieso. Ich wusste, was Coach Chris Fleming von mir erwartete, und er wusste, was er von mir bekommt.

Statt Fleming ist nun Henrik Rödl Bundestrainer. Für dich eine große Umstellung?

Nein, denn beide sind sich von ihrer Spielphilosophie her ähnlich. Chris Fleming hat mir seinerzeit in Bamberg die Chance gegeben, in der 1. Liga Fuß zu fassen, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Es macht aber genauso viel Spaß, unter Henrik zu spielen: ein super Coach, sehr ehrgeizig und auch schon extrem erfahren.

Das komplette Interview mit Karsten Tadda gibt es in der neuen BIG, die ab sofort im Handel erhältlich ist! Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten! Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

Inhalt der Ausgabe:

BIG Ranking. Deutschlands beste Center und Power Forwards. Stärken, Schwächen, Stats und Prognosen

Svetislav Pesic. Der Altmeister spricht im großen BIG-Interview über die BBL, den wichtigsten Spieler seiner Karriere und die Rettungsmission beim FC Barcelona

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