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Kochs Nachschlag
Besser ausboxen, besser rebounden – und sonst? Die Albatrosse vor dem zweiten Eurocup-Finale

Besser ausboxen, besser rebounden – und sonst? Die Albatrosse vor dem zweiten Eurocup-Finale

— Stefan Koch

Das erste Finale des Eurocups verloren die Albatrosse – Favorit Valencia gewann verdient mit 89:75. Was kann und was muss ALBA BERLIN im zweiten Spiel am Freitag zu Hause besser und vielleicht sogar anders machen?

Das Hinspiel

Keine Frage, das Erreichen des Finales im Eurocup ist für die junge Mannschaft von ALBA BERLIN ein großer Erfolg. Nach den persönlichen Auszeichnungen für Coach Aíto (Trainer des Jahres) und Luke Sikma (MVP) soll als krönender Abschluss der Titel im zweitwichtigsten europäischen Vereinswettbewerb an die Spree geholt werden – zumal dem Eurocup-Sieger in der nächsten Saison ein Startplatz in der Euroleague zusteht.

In der ersten Partie der Best-of-Three-Serie am Dienstag (Video rechts) waren die Berliner bis zum 49:49 gut im Rennen, ehe ein 14:0-Lauf von Valencia Basket für klare Verhältnisse sorgte. Am Ende siegten die Gastgeber verdient mit 89:75. Was funktionierte für die Albatrosse, und wo können sie zulegen für die zweite Partie am Freitagabend in der Hauptstadt?

Zweite Chancen müssen minimiert werden!

16 Offensivrebounds Valencia, 15 Defensivrebounds Berlin! Die Spanier brachten den Ball also nach jedem zweiten Fehlwurf erneut in ihre Reihen. Vor dem Schlussabschnitt hatten die Mannen um Bojan Dubljevic schon 32 Abpraller eingesammelt, Berlin gerade einmal die Hälfte. Allein im ersten Viertel hatte der dreimalige Eurocupgewinner dank seiner starken Arbeit am offensiven Brett 21 Versuche aus dem Feld. Das sind ernüchternde Zahlen, die letztendlich untypisch für ein Aíto-Team sind. Ohne Defensiv-Rebound ist es schwer, ins Laufen zu kommen. Dies wäre aber wichtig für die Berliner, da Valencia solide im Halbfeld verteidigt und ein höheres Spieltempo eher ALBA zu Gute käme.

Problemfall Will Thomas

Will Thomas, der Power Forward von Valencia Basket bereitete Berlin besonders große Probleme. Seine Vielseitigkeit und Beweglichkeit waren sowohl für Luke Sikma als auch für Tim Schneider ein Problem. 22 Punkte (10/15 FG) steuerte der Linkshänder bei. Die Albatrosse benötigen definitiv eine Steigerung von Luke Sikma, der das Duell deutlich verlor, und müssen aber auch andere Matchups zumindest in Betracht ziehen. Niels Giffey kann, wie in der Schlussphase gesehen, das Anspiel erschweren. Aber wenn der Ball bei Thomas im Post ist, wird es für ihn im 1-1 (zu) schwer. Wäre Landry Nnoko eine Option als direkter Gegenspieler für Thomas? Der Center wirkte nach seiner in Crailsheim erlittenen Gehirnerschütterung noch nicht wieder ganz auf der Höhe. Zudem kommt er häufig in Foulprobleme. Dennoch wäre er ein Typ, der dem 32-Jährigen das Leben schwer machen könnte. Zu Ende gedacht hieße dies, dass Sikma und Schneider gegen Mike Tobey und Dubljevic verteidigen müssten.

Offensive Optionen

Die Berliner sahen immer gut aus, wenn sie ihre Flügelspieler über die Blöcke am Zonenrand schickten und aus diesen Turnouts Optionen kreierten. Insbesondere Rokas Giedraitis kann auf diese Art sehr gut eine Partie beeinflussen. Insgesamt kamen die Gäste aber nicht in ihren offensiven Flow. Valencia verstand es geschickt, Sikmas Kreise als Point Forward einzuengen. Das war ein Grund, warum ALBA mit nur 16 Assists deutlich unter seinem Schnitt lag. Mehr Penetration könnte sich als hilfreich erweisen, wobei diese in erster Linie von Peyton Siva, dem in Valencia besten Berliner, kommen müsste. Der Amerikaner traf fünf Dreier, hatte aber mit Sam van Rossom auch einen ebenbürtigen Kontrahenten, der ihn gerade auf dem Weg zum Korb gut vor sich hielt. Mehr Penetration von Siva zu fordern, birgt neben den Chancen also zweifellos auch ein Risiko.

Kochs Nachschlag

ALBA BERLIN will endlich etwas in den Händen halten. Nach zwei Niederlagen im Pokalendspiel und einer in der Finalserie um die Meisterschaft soll jetzt der erste Titel in der Ära Aíto (obwohl der Spanier erst seine zweite Saison mit den Hauptstädtern bestreitet, darf man getrost schon von einer Ära sprechen) gewonnen werden. Es wäre für die Berliner die zweite internationale Trophäe nach dem Erfolg im Korac-Cup 1995.

Ich traue es den Albatrossen zu, dass sie vor heimischem Publikum die Serie ausgleichen. Aber Valencia ist eine sehr homogene und erfahrene Mannschaft, die in dieser Saison noch kein Heimspiel im Eurocup verloren hat. Deshalb muss das Team von Jaume Ponsarnau weiterhin als Favorit auf den Gewinn des Eurocups 2019 gelten.

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ erscheint regelmäßig auf der Homepage der easyCredit BBL.

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