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Kochs Nachschlag
Weidemann, Jones und Wainright – Drei Zugänge, die besser als erwartet eingeschlagen haben

Weidemann, Jones und Wainright – Drei Zugänge, die besser als erwartet eingeschlagen haben

— Stefan Koch

Nach den ersten neun Spieltagen schaue ich auf die Spieler, die neu zu einem Team gekommen sind, und diese drei haben die Erwartungen deutlich übertroffen: Nelson Weidemann bei Bamberg, Lamont Jones bei Frankfurt und vor allem Ishmail Wainright bei Vechta.

Wenn ein Spieler im Sommer den Verein wechselt (was wieder einige taten, wie die Wechselbörse hier zeigt), dann ist das in der Regel mit der Hoffnung oder der Erwartung verbunden, im neuen Team eine größere Rolle auszufüllen. Das stärkt das Selbstwertgefühl und darüber hinaus auch häufig den Marktwert. Die folgenden drei Profis haben anscheinend eine gute Wahl getroffen.

Nelson Weidemann (Brose Bamberg)

Nelson Weidemann spielt in Bamberg als Leihgabe des Deutschen Meisters Bayern München seine erste echte Saison im Oberhaus (vergangene Saison hatte er drei Erstligaeinsätze). Die Idee, ihn auszuleihen, stammt vom Münchner Sportdirektor Daniele Baiesi, der einerseits den Guard aufgrund seines großen Potenzials nicht verlieren wollte, andererseits aber auch sah, dass es in München keine passende Mannschaft für Weidemann gab. Bei Dejan Radonjic war angesichts des proppenvollen und hochklassigen Kaders noch kein Platz, ein weiteres Jahr ProB wäre entwicklungshemmend gewesen.

Deshalb wurde er nach Bamberg ausgeliehen, wo er eher Spielzeit bekommen würde, so der Plan. Aber nur wenige Experten hatten erwartet, dass der 20-Jährige dermaßen gut einschlagen würde in Freak City. Bei Head Coach Roel Moors spielt der Youngster jetzt in der Startformation, wo er mit Athletik, Energie und 190 Zentimetern in erster Linie defensive Akzente setzen soll, aber auch beeindruckende offensive Fähigkeiten zeigt und in bisher durchschnittlich gut elf Minuten 6,1 Punkte liefert. Bei den Siegen in Bonn (106:81) und Frankfurt (87:72) im November gelangen ihm jeweils 14 Zähler und Highlights wie der Dunk in Frankfurt, der auch im Video zu sehen ist. Zudem ist zu sehen, wie konstant er von außen trifft (11/20 Dreier, 55,0 Prozent).

Der gebürtige Berliner gehörte 2016 zu der deutschen U18-Auswahl, die nach 58 Jahren bei der 28. Auflage zum ersten Mal das Albert-Schweitzer-Turnier gewinnen konnte (hier ein paar Highlights von ihm) und holte 2018 bei der U20-Europameisterschaft in Chemnitz mit Deutschland Bronze. Aber in diesem Sommer verzichtete er auf die U20-EM in Israel, um seinem Körper eine Pause zu geben und Kraft für die Saison zu sammeln. Das ist ihm hervorragend gelungen.

Lamont Jones (FRAPORT SKYLINERS)

Ob in Weißenfels (2017/18), Ludwigsburg (2018/19) oder jetzt in Frankfurt, eines war bei allen seinen Stationen in der Bundesliga klar: Lamont Jones ist ein Scorer; einer den Puristen eher als Shooting Guard denn als Point Guard sehen. Aber in Frankfurt verbindet er wieder beide Rollen miteinander, indem er als scorender Spielmacher agiert: Mit 18,9 Zählern ist er zweitbester Punktesammler der Liga, dazu legt er gute 5,4 Assists pro Begegnung auf. Wie schon vor zwei Jahren beim MBC nimmt „MoMo“ wieder die meisten Würfe der Liga, aber legt dabei jetzt deutlich bessere Werte auf als in der vergangenen Spielzeit in Ludwigsburg. Er selbst begründet das mit mehr Vertrauen des Trainerteams in ihn, woraus mehr Selbstvertrauen bei ihm resultiere.

Das ist nicht zu übersehen, wenn man den 29-Jährigen beobachtet: Seine Körpersprache auf dem Feld ist eindeutig auf Alphatier gepolt: Er vermittelt den Eindruck, dass er jeden Wurf treffen und jeden Drive finishen kann. Passend dazu sieht er sich als herausragender Trashtalker – wie er mir vor der Partie gegen Bamberg bei MagentaSport ins Mikrofon plauderte (hier im Re-Stream ab 08:50 Minuten). Aber Jones ist auch ein Arbeiter, der sehr akribisch an allen seinen Bewegungen feilt. Und das ist auch nötig, denn die Frankfurter Offense hängt an seinem Tropf, da die Scoring-Optionen und das Kreativpotenzial der Skyliners dieses Jahr begrenzt sind.

Ishmail Wainright (RASTA Vechta)

Scott Eatherton, Rasid Mahalbasic und John Bryant sind die üblichen Verdächtigen, wenn es um die effektivsten Spieler der Liga geht, aber neben Oldenburgs Nachverpflichtung Tyler Larson (der aufgrund seiner erst drei bestrittenen Partien seinen Rang aber noch untermauern muss) brilliert in der Kategorie auch ein Spieler, den vor dieser Saison kaum jemand auf dem Schirm hatte: Ishmail Wainright.

Der Combo-Forward von RASTA Vechta wäre mit seinen 110 Kilogramm, die er auf 1,96 Metern verteilt, um ein Haar beim Football gelandet: Im Frühjahr 2018 hatte er ein Probetraining bei den Buffalo Bills aus der NFL. Vor diesem Hintergrund bedarf es eigentlich keiner großen Erwähnung, dass harte Arbeit, Physis, Energie und Einsatz zu den großen Stärken des 25-Jährigen zählen. Doch „Ish“ verfügt auch über ein ordentliches Skillset, welches es Pedro Calles erlaubt, ihn je nach Matchup innen oder außen einzusetzen.

Seine Vielseitigkeit zeigt sich bisher in 13,6 Punkten bei einer Wurfquote von 59,8 Prozent aus dem Feld (49/82) und 81,0 Prozent von der Linie (17/21) sowie 5,7 Rebounds, 2,5 Assists und 2,4 Steals in durchschnittlich gut 28 Minuten. Auf jeden Fall hat das Kraftpaket auch Ballettelemente im Repertoire, was sein 360-Grad-Korbleger in Gießen unterstreicht (der im Video noch mal zu bestaunen ist). Nach einem Zweitligajahr in Nürnberg steigert er jetzt in Vechta seinen Marktwert erheblich; die Herren Bray (jetzt München), Hollins (St. Petersburg) und Hinrichs (Ulm) lassen grüßen!

Kochs Nachschlag

Bennet Hundt, Kostja Mushidi und Karim Jallow hätten es auch verdient gehabt, in dieser Kolumne aufzutauchen, aber ich habe darauf verzichtet, da ich sie bereits im Fragenhagel der Fans analysiert hatte. Daneben gibt es sicherlich auch noch andere Namen, die hier eine Rolle hätten spielen können, aber ich habe mich für Weidemann, Jones und Wainright entschieden.

Bei Nelson Weidemann gefällt mir auch die Persönlichkeitsentwicklung, die er derzeit nimmt. Dazu ist es beeindruckend, wie er als junger deutscher Spieler den Sprung von der ProB in ein europäisch agierendes Team geschafft hat. Ishmail Wainright ist eine echte Cinderella-Story. Fast wäre er uns an den Football verloren gegangen, und jetzt ist er nach einem Jahr im Unterhaus Topscorer und Toprebounder in Vechta und spielt genauso wie Weidemann in der Champions League. Lamont Jones muss aktuell als wichtigster Vorbereiter und Punktesammler der zweitschwächsten Offense der Liga viel stemmen. 25 Prozent der Frankfurter Zähler gehen auf sein persönliches Punktekonto. Zum Vergleich: Bei den Bayern markiert der Topscorer 15,3 Prozent der Zähler, in Berlin 15,0 Prozent!

Eines aber haben alle drei Spieler gemeinsam: Den unbedingten Willen, sich über Arbeit zu verbessern!

Zur Person

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ erscheint regelmäßig auf der Homepage der easyCredit BBL.

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