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Kochs Nachschlag
Meine beiden Wochenenden im MagentaSport BBL Pokal: Plexiglas, Masken und Couch statt Arena

Meine beiden Wochenenden im MagentaSport BBL Pokal: Plexiglas, Masken und Couch statt Arena

— Stefan Koch

In den vergangenen zwei Wochen fanden die ersten Spiele unter den neuen Hygienekonzepten statt. Aber es wurden auch die ersten Spiele abgesagt. Ein Erfahrungsbericht aus der Arena und von der Couch.

Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, wie sehr ich mich gefreut hatte, bei den beiden Vorrundenwochenenden um den MagentaSport BBL Pokal endlich wieder als Kommentator vor Ort sein zu dürfen …

Zuvor war ich das letzte Mal am 7. März in einer Halle, um ein Basketballspiel zu kommentieren. Beim damaligen Auftritt der Hamburg Towers in Göttingen sprach ich vor der Partie mit Johan Roijakkers, der sich Sorgen machte, dass möglicherweise bald nicht mehr gespielt werden könnte und „dieses Virus unseren guten Lauf kaputt macht“. Mit Manager Frank Meinertshagen tauschte ich mich noch darüber aus, ob man ab sofort auf das Händeschütteln verzichten sollte.

Mein nächster geplanter Einsatz in der darauffolgenden Woche fiel schon dem Infektionsgeschehen zum Opfer. Was seitdem geschehen ist, wisst Ihr alle …

Die erste Absage

Aber jetzt, nach mehr als sieben Monaten Wartezeit, sollte es für mich am Sonntag, den 18. Oktober endlich wieder auf Sendung gehen. Auf dem Programm stand eine Pokalpartie der Gruppe A in Bonn, ne richtig gute Nummer zum Comeback am Mikro: Double-Sieger Berlin gegen die jungen Löwen aus Braunschweig!

Meine Vorbereitung auf diese Begegnung verlief wie üblich. In der Woche vor dem Spiel studierte ich täglich den Pressespiegel bezüglich der Berichterstattung über beide Teams. Die war natürlich für Berlin aufgrund der Euroleague-Partien deutlich umfangreicher. Grundsätzlich ist die Vorbereitung auf das erste Spiel einer Mannschaft immer die aufwendigste, da man sich mit dem neuformierten Kader vertraut machen muss. Also recherchierte ich wie üblich über die Zugänge, warf noch einen Blick auf die Webseiten der beteiligten Vereine und ließ die Informationen einfließen, die wir wie immer aus Holzkirchen, der Zentrale unserer Produktionsfirma thinXpool, erhielten. In einem längeren Telefonat mit unserem Sendungsredakteur Olli Dütschke besprach ich am Freitag die Interviewgäste und damit stand die Sendung. Ich notierte mir die Fragen für Coach Aíto und die anderen Gesprächspartner – und freute mich wie Bolle auf das Spiel.

Dann kam der Sonntag. Eine gute Stunde bevor ich losfahren wollte, klingelte mein Telefon: Olli Dütschke. Es ist nichts Außergewöhnliches, dass ein Redakteur am Spieltag noch einmal anruft. Meistens geht es um kurzfristige Änderungen im Ablaufplan, weil beispielweise ein geplanter Interviewgast doch nicht zur Verfügung steht. Entsprechend dachte ich mir nichts, als ich sah, dass Olli mich zu erreichen versuchte, seine ersten Worte aber sorgten für Ernüchterung: „Das Spiel fällt wegen eines positiven Corona-Tests bei Berlin aus.“ Ich hörte mich ein Wort aus der Fäkalsprache zischen, blieb zu Hause, lauschte von der Couch aus meinen Kollegen bei den anderen drei Partien des Tages und sah wie Bayreuth München abfertigte.

Der erste Einsatz

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ erscheint regelmäßig auf der Homepage der easyCredit BBL.

Nächstes Wochenende, neues Glück! Meine Ansetzungen diesmal: Am Samstag Oldenburg gegen Braunschweig und am Sonntag Bonn gegen Braunschweig. Während ich für die Vorbereitung auf Oldenburg und Bonn wieder den großen Rahmen ziehen musste, genügte für die Braunschweiger glücklicherweise ein Update.

Zwei Spiele hieß auch zwei Vorbesprechungen mit den Redakteuren, mit Frederik Voss für Samstag und dem bereits erwähnten Olli D. für Sonntag. Als ich mich am Samstag ins Auto setzte, hatte ich ein mulmiges Gefühl, aber Frederik rief nicht an. Na also, endlich wieder Hallen- und Arbeitsluft schnuppern!

Die Situation am und im Telekom Dome schon surreal: Spender mit Desinfektionsmittel an jedem Eingang, leere Ränge, viele Plexiglaswände und unsere Redaktionsbesprechung findet im Freien statt, mit Abstand und Masken, aber egal – es ist weder kalt, noch regnet es und ich will endlich wieder den besten Hallensport der Welt kommentieren.

In der Halle muss ich mich penibel an die Hygienevorschriften halten. Außerhalb meines „Aquariums“ bin ich nur mit Maske unterwegs. Das Parkett ist für mich verbotene Zone, ich darf es auch mit Maske nicht betreten. Liebend gerne würde ich einmal rüber zu den Bänken gehen und mich wie sonst mit den Spielern austauschen, aber das ist nicht erlaubt. Der Weg dorthin ist abgesperrt.

Bis zur Halbzeit ist die Übertragung „business as usual“, aber dann wird die Macht des Virus wieder deutlich. Oliver Braun, der Braunschweiger Geschäftsführer, war eigentlich zu Beginn des Pausenprogramms vorgesehen, telefoniert aber. Frederik gibt mir aufs Ohr, dass ich den Beitrag mit Hygieneexperte Dr. Florian Kainzinger zur Situation bei den Berlinern vorziehen soll. Das mache ich. Braun hat mit Jens Staudenmayer, dem Sportlichen Leiter der Liga gesprochen, der ihn über einen positiven Test bei Bonn, dem nächsten Kontrahenten der Löwen informiert hat. Das darf Braun im Interview aber nicht sagen, da die offizielle Bekanntgabe noch aussteht. Entsprechend weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon.

Kochs Nachschlag

Nach dem Spiel muss ich die Highlights vom überraschenden Braunschweiger Sieg anders als sonst in der Halle vertonen. Das Hygienekonzept verbietet es mir, den draußen stehenden Ü-Wagen mit meinen Kollegen zu betreten. Mittlerweile ist durchgesickert, dass ein Bonner Spieler mit dem Virus infiziert sein soll. Deshalb kommt nach der Vertonung Frederik auf mich zu: „Jetzt ist es offiziell. Zieh dein Sakko nochmal an und sprich den Sachstand in die Kamera.“ Kochs Nachschlag also quasi zur Abwechslung mal mündlich und nicht schriftlich …

Auf dem Nachhauseweg ruft mich Olli Dütschke an, der genauso frustriert ist wie ich, dass „unser Spiel“ am Sonntag ausfällt. Am Montag erfahre ich dann, dass das Testergebnis des Bonner Spielers „falsch positiv“ war, man also hätte spielen können. Ich schüttle den Kopf. Verrückte Zeiten!

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