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Home/Newscenter/Viertelfinale gegen die Griechen: Die taktischen Möglichkeiten im Duell mit Giannis Antetokounmpo

Kochs NachschlagViertelfinale gegen die Griechen: Die taktischen Möglichkeiten im Duell mit Giannis Antetokounmpo

13. September 2022
Im Viertelfinale am Dienstag trifft die deutsche Mannschaft mit Griechenland auf das einzige noch ungeschlagene Team im Turnier. Aber die Hellenen kommen nicht nur mit einer blütenweißen Weste, sondern auch mit Giannis Antetokounmpo, dem gegenwärtig dominantesten Athleten auf dem Basketballfeld. Der zweimalige MVP der NBA ist der beste Scorer der EuroBasket 2022 und legt im Schnitt 29 Zähler auf.

Im Viertelfinale am Dienstag trifft die deutsche Mannschaft mit Griechenland auf das einzige noch ungeschlagene Team im Turnier. Aber die Hellenen kommen nicht nur mit einer blütenweißen Weste, sondern auch mit Giannis Antetokounmpo, dem gegenwärtig dominantesten Athleten auf dem Basketballfeld. Der zweimalige MVP der NBA ist der beste Scorer der EuroBasket 2022 und legt im Schnitt 29 Zähler auf.

Allerdings tat er sich mit seiner Mannschaft im Achtelfinale gegen die Tschechische Republik sehr schwer. Das lag einerseits daran, dass bei Tschechien sowohl die Stars Tomas Satoransky und Jan Vesely genauso an Leistungslimit kratzten wie die Rollenspieler, aber auch an klugen defensiven Schachzügen, die die deutsche Mannschaft durchaus kopieren sollte.

Das Thema Zonenverteidigung dürfte in den Plänen von Gordie Herbert allerdings keine Rolle spielen. Seit zwei Jahrzehnten sehe ich seine Mannschaften, und ich kann mich nicht daran erinnern, dass der Kanadier jemals zu dieser Variante gegriffen hätte. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, Giannis und Co. das Leben schwer zu machen.

Keine leichten Punkte im Umschaltspiel

Transition-Defense dürfte ein Begriff sein, der in der Vorbesprechung der deutschen Mannschaft einen großen Raum einnehmen sollte. Im Zweifelsfall gilt es, in der Rückwärtsbewegung ein Foul zu nehmen, um Griechenland am Fast Break zu hindern. Aber das geht nur dosiert und nur dann, wenn die Teamfoulgrenze noch nicht erreicht ist. Mit Nick Calathes steht einer der kreativsten Passgeber des Kontinents im Team von Dimitris Itoudis. Seine Anspiele machen Giannis Antetokounmpo zu einem noch gefährlicheren Finisher, als es dieser ohnehin schon ist. Wenn der 27-jährige NBA-Star selbst den Ball vordribbelt, herrscht ebenfalls Alarmstufe rot, denn er überquert das Feld mit wenigen Schritten und mutiert zu einem nicht aufzuhaltenden Hochgeschwindigkeitszug.

Nach defensiven Rebounds kann man rennen, nach geblockten Würfen geht es noch besser, und am allerbesten funktioniert es nach Ballgewinnen. Und Griechenland sendet die meisten Versuche an den Absender zurück und führt das Turnier auch bei den Steals an. Das bedeutet, dass die DBB-Korbjäger gut auf den Ball aufpassen müssen.

Die Mauer aufbauen

Die Versuche, seine Penetration-Lines dicht zu machen, kennt Antetokounmpo aus der NBA. Aber der Umgang damit ist für ihn in Europa deutlich schwerer als auf der anderen Seite des Atlantiks. Gründe dafür sind das kleinere Feld in den FIBA-Wettbewerben, das ihm weniger Raum gibt, und das Fehlen einer Illegal-Defense-Regel. Prinzipiell ist es möglich, den Weg zum Korb mit allen fünf Verteidigern zu verstellen, also im Prinzip eine Mauer zu bauen (eine Begrifflichkeit, mit der ich mich vor einem Spiel in Berlin eher unwohl fühle).

Dabei kann man zum Start durchaus die „Ein-Mann-Mauer“ ausprobieren, sprich den Verteidiger von Giannis soweit absinken lassen, dass dieser als einzige Option den Wurf hat. Der fiel gegen Tschechien erst in der Endphase der Partie. Zwischenzeitlich war das Vertrauen in den Distanzwurf so niedrig (seine Dreierquote im Turnier liegt bei exakt 20 Prozent) und das Frustrationslevel des Stars so hoch, dass er unkontrolliert zum Ring zog und von Glück sagen konnte, dass ihm in zwei Situationen kein Offensivfoul gepfiffen wurde. Wenn sein Wurf nicht fällt, wird er auch gegen eine absinkende Verteidigung den Weg zum Korb suchen und irgendwann so nah am Ziel sein, dass man seinem direkten Gegenspieler gegen den Überathleten helfen muss, denn das Foul ist keine Lösung: Antetokounmpo wirft die meisten Freiwürfe im Wettbewerb und hat zumindest diesen Teil seines Shootings deutlich aufpoliert (starke 82,5 Prozent). Diese Hilfe darf nicht zu spät kommen, denn am Brett schließt er auch gegen mehrere Verteidiger ab.

Wenn er dann, sobald er die Freiwurflinie erreicht hat (das wäre mein definierter Punkt), gezwungen wird, den Ball weiterzureichen, muss klar sein, wie der Passempfänger als Werfer einzustufen ist und dementsprechend die Härte der Close Outs dosiert werden. Mit Georgios Papagiannis auf der Bank und als nomineller Fünfer ist der Star der Milwaukee Bucks in diesem Kontext deutlich effektiver.

Kochs Nachschlag

Ich würde empfehlen, keine Topverteidiger gegen Giannis Antetokounmpo zu stellen. Er ist im 1-1 nicht zu verteidigen und um Abstand zu lassen, muss ich nicht meine besten Defensivkräfte „verschwenden“. Ich würde die guten Verteidiger in Duellen gegen die wichtigsten Teile der Supporting Cast nutzen, um sicherzustellen, dass es keine weiteren Matchups gibt, in denen Hilfe und Rotationen benötigt werden. Zudem müssen diese Verteidiger gegen Giannis helfen und dann wieder kontrolliert ihre Gegenspieler aufnehmen. Für diese schweren und elementar wichtigen Aufgaben würde ich mein bestes defensives Personal abstellen.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.