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BIG - Basketball in Deutschland
„Ohne Basketball hätte ich viel Ärger“ – Berlins Reggie Redding im großen BIG-Interview fotoduda.de

„Ohne Basketball hätte ich viel Ärger“ – Berlins Reggie Redding im großen BIG-Interview

— Frank Weiss, BIG

Reggie Redding wuchs in einem Problem-Bezirk von Philadelphia auf. Seine Familie lebt dort nach wie vor. Warum sich Albas Star-Forward oft Sorgen macht, weshalb er froh ist, in Berlin zu sein – und warum Sasa Obradovic noch härter ist als seine Vergangenheit, sagt Redding im BIG-Interview.

In meinem ersten Vertrag standen 20.000 Dollar für die Saison auf Zypern. Aber ich habe weitergemacht, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun könnte. Basketball war immer mein Leben. Ich hatte nie einen anderen Job.

Reggie Redding

Reggie Redding, in Ihrer Karriere ging es immer bergauf. Sie begannen Ihre Profi-Laufbahn auf Zypern, dann kam Tübingen. Und nun sind Sie ein Schlüsselspieler eines Euroleague-Teams. Haben Sie einen Karriere-Plan?

Als nach dem College klar war, dass ich keine Chance auf die NBA habe und nach Europa gehe, wollte ich hier so hochklassig wie möglich, vor allem auch einmal in der Euroleague spielen. Es ist toll, dass ich das jetzt mit Alba geschafft habe. Die NBA ist natürlich für jeden amerikanischen Profi-Basketballer ein großes Ziel, doch in Europa auf Top-Niveau zu spielen, ist auch eine riesige Herausforderung.

Letzte Saison standen Sie mit Alba im Finale. Auch wenn es nicht ganz gereicht hat, dieser Schritt nach Berlin muss eine große Befriedigung gewesen sein.

Natürlich. Insbesondere wenn man bedenkt, wo ich herkomme. Ich habe auf Zypern begonnen. Das war eine Zeit, in der ich Basketball beinahe aufgegeben hätte. Doch ich wusste, ich kann mehr. Dann habe ich die Chance in Tübingen bekommen und gezeigt, was ich kann. Letzte Saison war für mich und Alba ebenfalls gut. Ich denke, es gibt nun mehr Leute die mich kennen und wissen, was ich kann. Jetzt spiele ich meine erste Eurolague-Saison und will zeigen, dass ich dort bestehen kann. Der beste Weg ist, mit dem Team Spiele zu gewinnen und auf dem Parkett ein Anführer zu sein.

Was war auf Zypern so schwer? Sie haben dort mit Anthony King von den Artland Dragons zusammengespielt.

Ja, das war das Beste an der ganzen Sache. (lacht) Er hat mir das Leben sehr erleichtert. Wir verstehen uns noch immer gut und telefonieren oft. Ohne ihn hätte ich dieses erste Profi-Jahr nicht überstanden. Ich war das erste Mal von zu Hause weg. Ich bin ja auch zum College nahe meiner Heimatstadt Philadelphia gegangen. Auf Zypern waren der Basketball und die Liga nicht gut. Das Team war toll, da hatte ich Glück. Doch es war einfach nichts, was ich von den großen College-Spielen gewohnt war. Dort spielte ich auf einem unteren Level in Europa. Ich war am Anfang einfach nicht glücklich. Doch Anthony war schon das zweite Jahr dort und er kannte alles. Er hat mir sehr geholfen. Wir wohnten auch zusammen. Das hat es sehr viel einfacher gemacht.

Und Sie haben das erste Geld verdient. War das Gehalt in Ordnung?

Das hängt davon ab, was Sie als in Ordnung definieren. (lacht)

Wie viel war es?

Ich glaube, in meinem Vertrag standen 20 000 Dollar netto für die Saison. Dazu gab es noch Prämien. Es war also am Ende etwas mehr.

Was würden Sie tun, wenn Sie kein Profi wären? Sie sagten, während Ihrer Zeit auf Zypern hätten Sie fast aufgegeben.

Ich habe weitergemacht, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun könnte. Basketball war immer mein Leben, ist alles, was ich kenne. Ich bin aufs College gegangen, um Basketball zu spielen. Ich hatte in meinem ganzen Leben nie einen anderen Job. Wahrscheinlich hätte ich jetzt einige Probleme, wenn ich nicht Profi geworden wäre. Daher hoffe ich, dass ich noch lange spielen und genug Geld verdienen kann, um mir dann nach meiner Karriere in Ruhe Gedanken machen zu können, was dann kommt.

Haben Sie haben einen College-Abschluss?

Ja, einen Bachelor in Business Administration. Ich habe das Zeugnis bekommen, das war dann auch genug Schule für mich.

Sie haben das College nicht gemocht?

Nein, überhaupt nicht. Dabei hatte ich immer ganz gute Noten. Schule gehörte einfach nicht zu den Dingen, die ich gerne machte.

Am College hatten Sie Ärger. Es wurde in Ihrem Auto eine kleine Menge Marihuana gefunden. Sie wurden daraufhin gesperrt.

Ich glaube, wenn ich nicht Basketball spielen würde, wenn ich zu Hause wäre, hätte ich noch viel mehr Ärger. Basketball hat mich davon ferngehalten.

Was für Ärger meinen Sie?

Einfach nichts Gutes, sagen wir es so. Alle meine Freunde spielen entweder Basketball oder stecken in Schwierigkeiten. Ich bin froh, dass ich Profi-Sportler bin und nicht zu der anderen Gruppe gehöre.

Es war hart in dem Bezirk von Philadelphia, in dem Sie aufwuchsen?

Es ist Philly, das spricht für sich selbst. Man muss nur die Nachrichten sehen. Ich komme nicht von außerhalb oder aus den Vororten. Ich wuchs mittendrin auf. Aber ich will gar nicht so viel darüber sprechen. Es gibt nichts, mit dem man angeben könnte. Da komme ich her (er rappt grinsend Will Smiths „Fresh Prince“): In West Philadelphia born and raised. On the playground is where I spent most of my days.

Sie haben einen Song getweetet, der „My city needs someting“ heißt.

Es scheint, als ob es immer schlimmer wird. Den Menschen ist alles egal. Heute sieht man kleine Kinder, die getötet werden. Als ich aufwuchs, passierte nicht so extrem viel, wenn Kinder dabei waren. Heute ist es egal. Es wird immer schlimmer. Irgendetwas muss passieren.

Warum wird es schlimmer?

Das ist die Welt, die Kultur, die Musik, der Lifestyle, den Kids im Fernsehen sehen. Sie glauben, darum geht es, das ist cool oder was auch immer. Das beginnt heute immer früher. Du sieht 13- oder 14-jährige Jungs rumlaufen, die diese irren Dinge tun. Das ist wirklich verrückt. Ich höre jeden Tag irgendwas, das in meiner Heimatstadt passiert. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Ich bin einfach froh, dass ich nicht Teil davon bin. Doch meine Familie lebt noch dort, daher mache ich mir natürlich Sorgen.

Waren Sie der Erste aus der Familie, der zum College gehen konnte?

Ja, aus meiner näheren Familie bin ich der Erste, der diese Chance hatte und einen Abschluss gemacht hat. Ohne Basketball wäre das nicht möglich gewesen. Ich bin dem Sport sehr dankbar.

Reggie Redding im ersten Finalspiel 2014:

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es Dienstag, den 25. November im Handel gibt (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

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