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BIG - Basketball in Deutschland
„NBA-Spieler sind sehr gut bezahlte Zirkusbären“ - Bayerns Dusko Savanovic im großen BIG-Interview Camera 4

„NBA-Spieler sind sehr gut bezahlte Zirkusbären“ - Bayerns Dusko Savanovic im großen BIG-Interview

— Julian Galinski, BIG

Dusko Savanovic kam als Star zu Bayern München. Doch der will der Forward gar nicht sein. Ein Gespräch über Statussymbole, Basketball als Show, die verschiedenen Spielstile in Europa und darüber, warum er gerne einfach ein durchschnittlicher Typ ist.

In den anderen europäischen Ligen hatte ich Spiele, da wussten wir: Die verlieren wir niemals! Hier ist das anders, wie wir gegen Göttingen gesehen haben: Du darfst dich für keinen Moment zurücklehnen!

Dusko Savanovic

Bei Dienstantritt in München haben Sie Ihre Spielweise wie folgt beschrieben: hässlich, langsam, keine Sprungkraft. Verraten Sie uns, wie Sie auch in scheinbarer Ermangelung einiger grundlegender Fähigkeiten als Basketballer innerhalb weniger Monate zum Publikumsliebling wurden, Herr Savanovic!

Puh, schwer zu sagen. Ich inszeniere mich ja nicht absichtlich bei den Fans. Dafür hätte ich eine Schauspielausbildung gebraucht, die habe ich nicht. Vielleicht mögen mich die Menschen, weil ich so ein durchschnittlicher Typ bin. Die Fans kommen zu uns, weil sie unterhalten werden wollen. Und da ist dann einer, der fliegt nicht zum Korb, der sieht nicht besonders gut aus, der gehört da auf den ersten Blick gar nicht hin. Und trotzdem hält er ganz gut mit. Ich glaube, das gefällt den Fans, vielleicht erkennen sie sich selbst ein bisschen in mir wieder. Als den einfachen Typ von der Straße.

Jetzt mal langsam: Sie sind mit Ihrer Vita ein europäischer Star, ein Spieler von gehobenem Euroleague-Format. Fühlen Sie sich kein bisschen wie einer?

Ein Star, was bedeutet das schon? Vielleicht bin ich auf dem Basketballfeld ein Star. Aber ich kann Ihnen versichern: Wenn ich nach Hause komme, bin ich kein Star mehr. Im Gegenteil. Ich bin so einfach, so durchschnittlich. Autos, Mode, Schmuck interessieren mich nicht. Es gibt Basketballer, die geben ihr Geld für Statussymbole aus. Was soll ich damit? Ich bin immer noch derselbe Kerl wie damals, als ich mit 16 Jahren begonnen habe, Basketball zu spielen.

Es gefällt Ihnen aber schon, mit Ihrem Image zu spielen, oder?

Ja, schon. Sehen Sie, wie sich der Profisport in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat: Es ist das pure Geschäft. Es geht um Marken, es geht um Werbung, es geht darum, dass du gut aussiehst, auf dem Parkett und abseits davon. Speziell in der NBA, das ist doch Zirkus! Tattoos, Schuhe, Frisuren, tausend Kameras auf dich gerichtet. Das ist doch alles nicht mehr echt, alles wird total glorifiziert. Die Spieler sind Zirkusbären. Sehr gut bezahlte Zirkusbären, okay. Und in dieser Welt genieße ich es, einfach ganz normal zu sein. Ja, ich bin sogar ein bisschen stolz, dass ich so normal bin. Dass ich kein Teil dieser ganzen Big-Brother-Show bin.

Spielt Basketball bei Ihnen zu Hause auch eine Rolle?

Profi bist du nicht nur von sieben in der Früh bis fünf Uhr am Nachmittag, also, ja, natürlich bringe ich meinen Beruf dann auch mit nach Hause. Ich durchlebe die Emotionen, die der Basketball mit sich bringt – und die Menschen um mich herum dann zwangsläufig auch.

Tun Ihnen Niederlagen sehr weh?

Ich habe gelernt, damit klarzukommen. Was das betrifft, hilft einem ein schlechtes Gedächtnis, egal ob du gewonnen oder verloren hast: Am besten vergisst du das vergangene Spiel ganz schnell. Mein Motto ist: Das Leben ist nie so grandios – oder auch so schlimm, wie es scheint. Wenn du denkst, du bist ganz oben: Dann bist du das sicher nicht. Das gilt auch für die vermeintlichen Tiefpunkte. Diese extremen Höhen und Tiefen zu zeichnen, bei einer Profimannschaft, dafür seid ihr Leute von den Medien da.

Sie haben zuvor bei Spitzenvereinen in vier verschiedenen europäischen Ligen gespielt – was sind die Unterschiede im Vergleich zum FC Bayern?

Die guten Vereine an sich unterscheiden sich gar nicht so drastisch in der Art und Weise, wie sie funktionieren. Aber die Ligen selbst sind höchst verschieden. Fangen wir in Serbien an, wo ich ab 2004 erst eine Saison bei Cacak und dann eine in Belgrad gespielt habe: Ich liebe den serbischen Basketball, weil er meiner Meinung nach der intelligenteste in Europa ist. Dort geht es vor allem darum, cleverer als dein Gegenspieler zu sein. Vielleicht bist du nicht der beste Athlet – macht nichts, solange du den anderen auf dem Feld austricksen kannst! Du beobachtest deinen Gegner ganz genau: Wo ist der Schwachpunkt – und dann nutzt du das konsequent aus. Dann kam Russland – und ein ganz anderer Stil. Langsam, die Mannschaften waren um zwei, drei Stars herum aufgebaut. Die anderen haben ihnen eher zugearbeitet. Ich habe in der Blütezeit des russischen Basketballs dort gespielt, als ZSKA Moskau 2006 und 2008 zweimal die Euroleague gewann. Mit Kasan waren wir die Nummer zwei im Land.

Weiter ging’s nach Spanien, erst von 2008 bis 2010 nach Sevilla, dann noch eine Spielzeit in Valencia.

Die spanische Liga ist die beste in Europa. Dort geht alles wahnsinnig schnell – zack, zack, zack. Aber das physische Spiel ist nicht besonders ausgeprägt. Da gab es Spitzenspieler, die waren 2,15 Meter groß und haben 70 Kilo gewogen – Strichmännchen! Dafür ist dir jeder um die Ohren geflogen und hat die Dunks reingehauen. Es ging vor allem um Tempo. Wieder ganz anders sah das dann während meiner drei Jahre bei Efes Istanbul aus, von 2011 bis 2014.

Inwiefern?

In der türkischen Liga wird langsam und körperlich gespielt, an der Grenze zur Prügelei. Da sind echte Knochenbrecher unterwegs, richtige harte Kerle und oft auch schon älter. In Tübingen spielt Sasa Nadjfeji, er gilt mit seinen 38 Jahren in der BBL als Veteran. 38 Jahre, das ist in der Türkei der Altersdurchschnitt! Da war ich mit 30 noch einer der Jungen in der Mannschaft.

Dusko Savanovic im Euroleague-Portrait:

Und jetzt, in Deutschland?

Die BBL ist eine Mischung aus den anderen europäischen Ligen. Einen Stil, den alle Mannschaften verfolgen, sehe ich nicht. Die einen spielen sehr schnell, die anderen besonders hart. Und alle aggressiv, das haben sie gemeinsam. Die BBL ist definitiv eine anspruchsvolle, ausgeglichene Liga. Alles kann passieren. Ich muss zugeben: In den anderen Ligen hatte ich Spiele, da wussten wir schon zuvor: Die verlieren wir niemals! Hier in Deutschland ist das ganz anders. Wie wir gegen Göttingen gesehen haben. Die haben uns zu Hause geschlagen, in unserer eigenen Halle! Du darfst dich wirklich für keinen Moment zurücklehnen.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es Dienstag, den 25. November im Handel gibt (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

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