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Home/Newscenter/Vom hauptberuflichen Uni-Professor zum Vollzeittrainer – Die Historie der deutschen und amerikanischen Coaches in der Liga

Kochs NachschlagVom hauptberuflichen Uni-Professor zum Vollzeittrainer – Die Historie der deutschen und amerikanischen Coaches in der Liga

23. Oktober 2026
Das Achtelfinale des Netto BBL Pokals liegt hinter uns, aber ich möchte in diesem und dem folgenden Nachschlag nicht die Ergebnisse einordnen, sondern stattdessen die Duelle der Coaches zum Anlass nehmen, um unterschiedlichen Trainerschulen in der Geschichte der easyCredit BBL zu beleuchten. In dieser Ausgabe befasse ich mich mit den deutschen und nordamerikanischen Coaches. In Frankfurt trafen zwei deutsche Trainer aufeinander, mit Klaus Perwas (55) der älteste und mit Jacques Schneider (34) der jüngste. Inklusive des eingebürgerten Anton Gavel gibt es derzeit fünf deutsche Headcoaches in der Liga. Mit Ty Harrelson (USA) und Chris Harris (Kanada) standen sich in Ulm zwei der drei nordamerikanischen Cheftrainer gegenüber. Dazu kommen jeweils vier Übungsleiter aus Spanien und dem ehemaligen Jugoslawien. Mit Rodrigo Pastore (Argentinien/Italien) und Przemyslaw Frasunkiewicz (Polen) gibt es lediglich zwei Trainer, die man nicht diesen vier Blöcken zuordnen kann.

Das Achtelfinale des Netto BBL Pokals liegt hinter uns, aber ich möchte in diesem und dem folgenden Nachschlag nicht die Ergebnisse einordnen, sondern stattdessen die Duelle der Coaches zum Anlass nehmen, um unterschiedliche Trainerschulen in der Geschichte der easyCredit BBL zu beleuchten. In dieser Ausgabe befasse ich mich mit den deutschen und nordamerikanischen Coaches. In Frankfurt trafen zwei deutsche Trainer aufeinander, mit Klaus Perwas (55) der älteste und mit Jacques Schneider (34) der jüngste. Inklusive des eingebürgerten Anton Gavel gibt es derzeit fünf deutsche Headcoaches in der Liga. Mit Ty Harrelson (USA) und Chris Harris (Kanada) standen sich in Ulm zwei der drei nordamerikanischen Cheftrainer gegenüber. Dazu kommen jeweils vier Übungsleiter aus Spanien und dem ehemaligen Jugoslawien. Mit Rodrigo Pastore (Argentinien/Italien) und Przemyslaw Frasunkiewicz (Polen) gibt es lediglich zwei Trainer, die man nicht diesen vier Blöcken zuordnen kann.

Die deutschen Trainer

Als Pioniere wie Günter Hagedorn (von 1970 bis 1972 Deutscher Meister mit dem TuS 04 Leverkusen) und Hannes Neumann (Deutscher Meister 1978 mit dem MTV 1846 Gießen) Ende der 1960er Jahre an der Seitenlinie starteten, war noch nicht daran zu denken, dass Trainer in der Basketball-Bundesliga ein Beruf werden könnte, der den Lebensunterhalt einer Familie sichert. Die beiden Professoren verdienten ihr Geld in allererster Linie an ihren Universitäten. Auch Theodor „Torry“ Schober (1981 und 1982 Deutscher Meister mit dem BSC Saturn Köln) arbeitete hauptberuflich als Hochschullehrer. Als das Gießener Urgestein Bernd Röder 1975 in Leverkusen unterschrieb und auf Anhieb die Meisterschaft errang, war auch er kein Vollzeit-Coach, sondern bei den Bayer-Werken angestellt. Dort arbeitete er in Vollzeit, bevor er abends zum Training in die Halle ging. Lediglich für Europapokal- und Auswärtsspiele durfte er früher Schluss machen. Der heute 84-Jährige wechselte danach zum DBB, wo er sich große Verdienste um die Entwicklung des Jugendprogramms erwarb.

Universitäts-Professor und Deutscher Meister: Günter Hagedorn. (Foto: DBB)

Der erste deutsche Coach, der als Vollprofi wahrgenommen wurde, war dann zu Beginn der 1990er Jahre Dirk Bauermann. Er studierte in den Achtzigern drei Jahre an der Fresno State University und wurde anschließend erst Co-Trainer in Leverkusen und nach einem Jahr mit 31 Jahren Headcoach. Mit neun Meisterschaften (sieben mit Leverkusen, zwei mit Bamberg) ist er der erfolgreichste Trainer der Ligageschichte. Der „Man in Black“, der die Nationalmannschaft 2005 zur Vize-Europameisterschaft führte, wurde für viele junge deutsche Coaches zum Vorbild, die es sich auch vorstellen konnten, komplett auf den Trainerberuf zu setzen (hier das Bauermann-Portrait auf der Historien-Seite der Liga).

Die nordamerikanischen Trainer

Für die 1970er Jahre sind die ersten Einflüsse amerikanischer Trainer in Deutschland belegt, als unter anderem der ehemalige Spieler Ernie Butler beim USC München auf der Kommandobrücke stand. 1973 gewann Dick Stewart mit dem USC Heidelberg als erster amerikanischer Coach die Deutsche Meisterschaft. Er arbeitete hauptberuflich als Lehrer an der High School, leitete die Trainingseinheiten komplett in englischer Sprache, stellte die Konditionsarbeit in den Vordergrund und nutzte ausgiebig sein Taktikboard. Nach nur einem Jahr kehrte Stewart in die Vereinigten Staaten zurück, bevor er 1974 seine zweite Amtszeit am Neckar begann. Diese war aber nur von kurzer Dauer, weil er Trainingsumfänge einforderte, die von den berufstätigen Spielern nicht zu bewältigen waren. 1975 und 1977 gewann er mit der US-Auswahl das Albert-Schweitzer-Turnier.

Jubel, wem Jubel gebührt: Terry Schofield in Göttingen. (Foto: Rolf Schmalzgrübler)

Zur Saison 1977/78 übernahm Terry Schofield nach vier erfolgreichen Jahren als Spieler das Traineramt in Göttingen. Außerdem trat er eine Stelle als Lektor für Englische Philologie an der Universität an. Der Absolvent der UCLA, mit der er unter dem legendären Coach John Wooden drei College-Titel gewonnen hatte, führte die Göttinger Studententruppe in den 1980er Jahren zu drei Meisterschaften und coachte danach noch in Bamberg (hier die Story über Göttingen und ein Interview mit Schofield auf der Historien-Seite der Liga).

In Leverkusen war 1979 Lorin Miller, der später als Assistant Coach in der NBA arbeitete, Cheftrainer. Auf ihn folgte Chris Lee, bevor nach einem kurzen Intermezzo Jim Kelly die Riesen vom Rhein coachte und zu zwei Deutschen Meisterschaften führte. Seine spätere Tätigkeit als NBA-Scout kam mir später als Headcoach häufig zugute, weil ich mich bei Spielerverpflichtungen stets auf sein kompetentes Urteil verlassen konnte.

Tony DiLeo (ganz links) feiert mit dem BSC Saturn Köln die Deutsche Meisterschaft von 1988. (Foto: Archiv)

1986 wechselte der erfolgreiche Damentrainer Tony DiLeo in den Herrenbereich, wo er mit dem BSC Saturn Köln auf Anhieb zwei Deutsche Meisterschaften gewann. Dabei setzte er unter anderem auf eine Run-and-Jump-Verteidigung und ungewöhnlich hohes Tempo (hier die Story über den BSC Saturn Köln auf der Historien-Seite der Liga). Auch er fand danach seinen Weg in die NBA, wo er in unterschiedlichen Funktionen tätig war. Seine Söhne T.J. und Max spielten in der Bundesliga und arbeiten jetzt als Trainer. T.J. ist Assistant Coach bei den Philadelphia 76ers und Max bei den EWE Baskets Oldenburg.

1987 verpflichtete Steiner Bayreuth Les Habegger. Der zu diesem Zeitpunkt bereits 62-Jährige brachte geballte NBA-Erfahrung mit und errang 1989 mit den Oberfranken die Meisterschaft. Ich hatte die Gelegenheit, bei ihm hospitieren zu dürfen. Vor allem in Bezug auf Spacing und die daraus resultierenden Passwinkel und -optionen konnte ich viel von ihm lernen.

Lieber Chris, kannst du uns bitte auf die Sprünge helfen: Wie viele Meisterschaften hast Du mit Bamberg noch mal geholt? (Foto: Archiv)

Kommen wir zu den wichtigsten Trainerkollegen der Neuzeit. Da muss man ohne Frage Gordon Herbert nennen. Der Kanadier coachte die SKYLINERS 2004 zu ihrer bislang einzigen Deutschen Meisterschaft und den deutschen Basketball zu seinem größten Erfolg, dem Weltmeistertitel 2023. Außerdem gewann er mit dem FC Bayern München Basketball 2025 seine zweite Deutsche Meisterschaft. Aktuell arbeitet der 67-Jährige in Neuseeland. Auch Chris Fleming ist ein absoluter No-Brainer. Der Amerikaner führte die Artland Dragons ins Oberhaus und gewann danach in Freak City vier Meisterschaften, bevor ihn sein Weg über mehrere NBA-Stationen ans College führte. John Patrick kann zwar keine nationalen Titel in Deutschland vorweisen, aber sein intensiver Spielstil mit Betonung des defensiven Drucks und des Reboundings sorgte dafür, dass seine Teams besser abschnitten, als es die Papierform vermuten ließ. 2006 wurde „JP“ Meister in Japan, 2010 gewann er mit Göttingen die EuroChallenge. Der mittlerweile wieder in Japan arbeitende Basketballlehrer wurde drei Mal als „Trainer des Jahres“ in der BBL ausgezeichnet.

Kochs Nachschlag …

… folgt nach der zweiten Folge zur Historie der Coaches aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Spanien.

Unser Kolumnist

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".