FC Bayern München Basketball logo
ratiopharm ulm logo
MLP Academics Heidelberg logo
Fitness First Würzburg Baskets logo
Basketball Löwen Braunschweig logo
NINERS Chemnitz logo
ALBA BERLIN logo
SYNTAINICS MBC logo
EWE Baskets Oldenburg logo
ROSTOCK SEAWOLVES logo
MHP RIESEN Ludwigsburg logo
RASTA Vechta logo
Veolia Towers Hamburg logo
Telekom Baskets Bonn logo
BMA365 Bamberg Baskets logo
SKYLINERS logo
VET-CONCEPT Gladiators Trier logo
Science City Jena logo
Home/Newscenter/Zwei Mal unentschieden im Viertelfinale: Vechta und Würzburg müssen gierig bleiben

Kochs NachschlagZwei Mal unentschieden im Viertelfinale: Vechta und Würzburg müssen gierig bleiben

21. Mai 2026

In den Viertelfinalserien sind jeweils die ersten beiden Begegnungen absolviert. Die Bayern führen 2:0 gegen den Überraschungsaufsteiger aus Trier, der darauf hofft, vor heimischer Kulisse zumindest ein Spiel zu gewinnen. Angesichts der Kräfteverhältnisse schätze ich die Wahrscheinlichkeit dafür aber gering ein. Auch Bamberg hat beide Heimpartien gewonnen, dürfte allerdings angesichts der knappen Siege in Ulm vor deutlich höheren Hürden stehen. Die Duelle des Pokalsiegers mit dem Vizemeister waren aus meiner Sicht die intensivsten und physischsten. Ulm hat mich positiv überrascht und nach einer durchwachsenen Saison starke Leistungen gezeigt. Der Teamspirit, den ich nicht immer bei den „Uuulmern“ wahrnehmen konnte, war spürbar, die Verteidigung phasenweise exzellent – und offensiv präsentierte der Hauptrundensechste interessante Ansätze wie die Rolle von Chris Sengfelder, der als Stretch-Fünf EJ Onu als besten Shotblocker der Saison aus der Zone ziehen soll.

Aber die ganz heißen Vergleiche sind die beiden, in denen das schlechter platzierte Team ein Auswärtsspiel gewinnen konnte. Würzburg schaffte dies in Bonn und Vechta in Berlin. Die Erfolge gelangen jeweils in der Auftaktpartie, und beide Sieger hätten aus meiner Sicht im zweiten Duell nachlegen können, um mit einem komfortablen 2:0-Serienstand in die Heimbegegnungen zu gehen. Warum hat es nicht funktioniert? Mir hat etwas gefehlt, was ich ganz am Ende im Nachschlag ansprechen werde. Zunächst aber analysiere ich, was bisher geschah.

ALBA BERLIN – RASTA Vechta (1:1)

Beim 103:89-Sieg Vechtas im ersten Spiel in Berlin lief der Motor der Gäste auf allen Zylindern. Wenn Lloyd Pandi, der eigentlich für defensive Aufgaben zuständig ist, 18 Punkte ohne Fehlwurf aus dem Feld erzielt, Tevin Brown 30 Zähler auflegt und RASTA 16 Dreier mit einer 50-Prozent-Quote trifft, stehen am Ende über 100 Punkte auf der Anzeigentafel. Das Berliner Konzept, alle Blocks mit J’wan Roberts zu switchen, um dem Underdog 1-1-Optionen anstelle von Ballbewegung anzubieten, ging nicht auf, weil Vechta viele schwere Würfe im 1-1 gegen ihn traf.

Beim 90:85 für Berlin im zweiten Spiel rauschte Vechtas Quote aber nach unten, sodass die Niedersachsen im Verlauf der Serie auch andere Lösungsansätze finden müssen. Die Berliner selbst setzen offensiv auf Größe und spielen aufgrund der Nachverpflichtung von Michael Rathaj mittlerweile Moses Wood primär als Small Forward. Das Aufposten von Außenspielern ist ein beliebtes Mittel bei den Hauptstädtern, wird sie aber kaum über die kompletten Playoffs tragen können.

Telekom Baskets Bonn – Fitness First Würzburg Baskets (1:1)

Die Würzburger gewannen die erste Partie am Rhein mit 69:54, weil einer ihrer starken 1-1-Spieler ein wichtiger Unterschiedsfaktor war. Davion Mintz sorgte für 19 Punkte und war damit Topscorer in einer Partie, in der die Gäste ähnlich schwache Quoten warfen wie die Bonner (Bonn 22 Prozent Dreier, Würzburg 23 Prozent; Bonn 37 Prozent Feldwürfe, Würzburg 38 Prozent). So gab die höhere Zahl der Ballbesitze den Ausschlag zugunsten der Unterfranken.

Daran schraubten die Bonner im zweiten Duell, indem sie besser zum Offensiv-Rebound gingen, ihre Ballverluste reduzierten und deshalb 88:81 gewannen. Dass sie das Possession Game deutlicher zu ihren Gunsten gestalten als jede andere Mannschaft der Liga, ist der Grund, warum die Telekom Baskets trotz katastrophaler Dreier- und Freiwurfquoten Hauptrundenvierter wurden. In Würzburg müssen sie das in einer Halle schaffen, in der den Gastgebern (genauso wie in Vechta) unglaublich viel Energie über die Fans zuströmt.

Kochs Nachschlag

Also, was hat mir bei den Würzburgern und den Vechtaern im zweiten Spiel gefehlt? Es war die Gier! Ich hatte den Eindruck, dass man nach dem ersten Sieg ein gesetztes Ziel schon erreicht hatte, nämlich einen Sieg auf fremdem Terrain zu erringen. So sind beide Teams ohne den letzten (wie es so schön auf Neudeutsch heißt) sense of urgency aufgetreten und haben damit eine große Chance liegengelassen. Vor allem bei Vechta schlich sich nach dem großartigen ersten Spiel und dem Wahnsinnsauftakt von Tevin Brown im ersten Viertel am Dienstag eine zu große Lockerheit ein. Teilweise wurde nicht mit letzter Konsequenz und höchstem Fokus agiert, was sich in der Entscheidungsfindung niederschlug. So kam laut Christian Held ein „okayes Spiel“ heraus, was eine punktgenaue Einschätzung ist. Was möglich gewesen wäre, unterstrich der Auftritt im letzten Viertel, als Vechta einen Rückstand von 17 Punkten um ein Haar noch gedreht hätte.

Würzburg führte in Bonn zur Pause des zweiten Spiels mit 43:41, obwohl in Johnathan Stove nur einziger Akteur an seinem Limit kratzte. Zwar gerieten die Schützlinge von Sasa Filipovski nie so weit in Rückstand wie Vechta, aber Bonn drückte in der zweiten Halbzeit stärker auf das Tempo und zeigte insgesamt mehr Dringlichkeit, was eine Rebound-Quote am offensiven Brett von 47 Prozent unterstreicht. Die Würzburger schenkten die Partie nicht ab, aber letztendlich zeigten die Gastgeber das größere Maß an Galligkeit, das den Ausschlag gab.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".