Wenn am Sonntag der SYNTAINICS MBC und die SKYLINERS die Klingen kreuzen, treffen sie im Spitzenspiel des achten Spieltags aufeinander. Das hätte vor der Saison wohl kaum jemand erwartet. Die Weißenfelser sind mit fünf Siegen und zwei Niederlagen Dritter der Tabelle, während die Frankfurter zwei Begegnungen weniger bestritten haben und auf der Verlustseite mit nur einer Niederlage genauso dastehen wie das Spitzenduo aus München und Trier. Zuletzt gewannen die Kontrahenten vier Partien in Folge. Eine Serie muss also reißen.
Besonders bemerkenswert ist, dass beide Mannschaften in der easyCredit BBL diesen guten Saisonstart hingelegt haben, obwohl sie mit Doppelbelastung unterwegs sind. Als 13. und 15. der Vorsaison waren sie zwar für keinen der europäischen Wettbewerbe qualifiziert, fanden aber trotzdem ihren Weg ins internationale Geschäft. Die Weißenfelser nehmen erneut an der European North Basketball League (ENBL) teil, die weder von der FIBA noch von der ULEB organisiert wird, sondern von einer privatwirtschaftlichen Organisation mit Sitz in Riga. Am Mittwoch verteidigte der MBC seine Tabellenführung mit einem Sieg im österreichischen Kapfenberg. Allerdings muss man einräumen, dass das sportliche Niveau mit Teams aus der Schweiz oder aus Island überschaubar ist. Die SKYLINERS treten im Eurocup an, für den sie vor dieser Saison eine Mehrjahreslizenz erhalten haben.
Stärken und gemeinsame Charakteristika
Die beiden Überraschungsteams verfügen über Gemeinsamkeiten. Zunächst einmal wissen beide Mannschaften, wo der Korb hängt. Frankfurt erzielt die drittmeisten Punkte der Liga, der MBC die sechstmeisten, hat aber das bessere Offensiv-Rating mit 121,9 Punkten pro einhundert Ballbesitze, weil die Weißenfelser die niedrigste Pace spielen.
Beide Mannschaften kommen häufiger an die Linie als die gesamte Konkurrenz. Der MBC führt diese Statistik mit 23,7 Versuchen an, gefolgt von den Skyliners mit 23,0. Da die Frankfurter mit einer Quote von 82,6 Prozent überragend treffen, generieren sie viele Punkte über Freiwürfe, während die Weißenfelser sich viele Extrazähler über ihr starkes Offensiv-Rebounding sichern. Besonders auffällig ist, dass die starken offensiven Ausbeuten mit ganz schwachen Assistwerten zustande kommen. Die Frankfurter Rate liegt bei 52,6 Prozent der erzielten Körbe, die Weißenfelser bei 53,5 Prozent. Damit liegen sie auf dem letzten und vorletzten Platz. Beim MBC führt der Verzicht auf viele (riskante) Pässe dazu, dass die Ballverlustquote mit 13,8 Prozent Ligabestwert darstellt.
Defensiv sind beide Teams solide (oder anders formuliert: gehobenes Mittelfeld), wobei die Frankfurter aggressiver in den Passwegen agieren und auch über mehr Shotblocking verfügen, weshalb ich ihnen an diesem Ende des Feldes einen minimalen Vorteil zuschreiben würde.
Die Schlüsselspieler des SYNTAINICS MBC
Die Mannschaft des neuen Headcoaches Vladimir Jovanovic stellt mit Spencer Reaves den besten Scorer und effektivsten Spieler der Liga! Der Deutsch-Amerikaner hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert und bezüglich der Weiterentwicklung seines Spiels einen ähnlichen Weg wie Andreas Obst beschritten. Mittlerweile ist der Linkshänder in der Lage, über die Blocks zu kommen und auch ein Play zu machen, wenn sein Wurf nicht frei ist, weil er den Ball in diesen Situationen viel schneller weiterbewegt als in der Vergangenheit. 54,8 Prozent von Downtown bei fast acht Versuchen pro Partie sind eine Ansage! Seine wichtigsten Sidekicks sind Spielmacher DeLonnie Hunt und Center Jure Planinic. Hunt ist zwar ein Wackelkandidat von der Dreipunktelinie, zeichnet aber zusammen mit Reaves für mehr als 63 Prozent der Assists verantwortlich. Planinic greift 4,7 Offensiv-Rebounds ab – das ist Ligabestwert. Große Unterstützung erhält er in diesem Bereich von Small Forward Anthony Gaines. Nach dem Abgang von Kris Clyburn stehen nur noch fünf Ausländer im Kader, aber das sollte der MBC durch die Verlängerung von Kostja Mushidis Dreimonatsvertrag bis zum Saisonende auffangen können.
Die Schlüsselspieler der SKYLINERS
Die SKYLINERS, die von Klubinstitution Klaus Perwas gecoacht werden, setzen bezüglich des Scorings in Judah Mintz (18,2 Punkte) und Isaiah Swope (14,5 Punkte) auf zwei balldominante Guards, von denen vor allem Mintz mit starken Quoten und vielen Trips an die Freiwurflinie brilliert. Dagegen hatte ich mir von Ryan Arcidiacono aufgrund seiner großartigen College-Karriere und seiner 257 NBA-Spiele mehr versprochen. Die Amerikaner auf den Flügelpositionen, Nahiem Alleyne und Will Christmas, beackern ein breites Feld inklusive defensiver Aufgaben. Mit Kapitän Till Pape und dem aus Polen gekommenen Race Thompson verfügen die Frankfurter über zwei Bigs, die sowohl innen als auch außen effektiv agieren können, was die Offensive nur schwer ausrechenbar macht. Thomas Klepeisz bringt Meisterschaftsehren mit und ist mit seiner Erfahrung so etwas wie ein überlegter und regulierender Faktor. Auffällig und interessant ist, wie Perwas die Nachwuchshoffnung Jamie Edoka einsetzt. Während der 18-Jährige im nationalen Wettbewerb kaum Spielzeit erhält, ist er im Eurocup mit zehn Minuten pro Begegnung ein fester Bestandteil der Rotation.
Kochs Nachschlag
Schaut man auf das bisherige Programm, dann fällt auf, dass der MBC gegen stärkere Konkurrenten gespielt hat. Die Frankfurter Erfolge kamen gegen vier der fünf Mannschaften vom Tabellenende. Aus dem Start beider Teams eine Prognose für den Rest der Saison zu erstellen, wäre äußerst gewagt. Ich erinnere nur an die vergangene Spielzeit, als die Weißenfelser mit fünf Siegen begannen und von der Tabellenspitze grüßten. Nach 14 Niederlagen in Serie zwischen dem 21. Dezember und 15. März gerieten sie noch in massive Abstiegsgefahr.
Deshalb blicke ich auf die mittelfristigen Perspektiven, die besser einschätzbar sind. Der MBC hat sich längst in der Liga etabliert und mit dem Pokalsieg 2025 ein wundervolles Kapitel Liga- und Vereinsgeschichte geschrieben. Aber die Gegebenheiten am Standort erlauben keine großen Sprünge.
Das ist in Frankfurt anders. Die Teilnahme am Eurocup ist nicht in erster Linie auf das größere Teilnehmerfeld von 32 Mannschaften zurückzuführen. Stattdessen sind die SKYLINERS auf die kontinentale Bühne zurückgekehrt, weil die geplante neue Arena großes Marktpotenzial bietet, das letztendlich auch für die europäischen Pläne der NBA interessant werden kann.

Unser Kolumnist
Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".















