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Home/Newscenter/Volle Dröhnung erschwert Training und Hierarchie: Das Mammutprogramm der Bayern

Kochs NachschlagVolle Dröhnung erschwert Training und Hierarchie: Das Mammutprogramm der Bayern

29. Oktober 2026

Am Dienstagabend unterlagen die Basketballer des FC Bayern mit 84:88 gegen den FC Barcelona. Es war die vierte Niederlage im vierten EuroLeague-Heimspiel. Die nächste Chance, den ersten Königsklassensieg vor heimischem Publikum einzufahren, eröffnet sich in drei Wochen, wenn Baskonia Vitoria in der bayrischen Landeshauptstadt gastiert. Bis dahin stehen allerdings noch vier Auswärtspartien in der EuroLeague (die nächste bereits am heutigen Donnerstag bei Roter Stern Belgrad) und vier Begegnungen in der easyCredit BBL auf dem Programm.

Vom Saisonstart am 20. September bis zum 22. November absolvieren die Bayern insgesamt 24 Spiele. Aktuell befinden sie sich in einer Phase, in der acht Partien in 17 Tagen auf dem Programm stehen. Das ist ein echtes Brett! Wie geht man damit um, und wie ist diese Belastung im Vergleich mit anderen BBL-Teams einzuordnen? Diesen Fragen möchte ich nachgehen.

Was ist möglich in solchen Phasen?

Im europäischen Geschäft herrscht Waffengleichheit. Der rigorose Spielplan stellt alle Teams vor die gleichen großen Herausforderungen. Entsprechend haben andere Mannschaften auch kaum Zeit zu trainieren. Aber die Münchner haben Übungseinheiten nötiger als die Konkurrenz, weil sie mit einem neuen Trainer, der ein komplexes defensives System etablieren möchte, und vielen neuen Spielern antreten, die sich ihre Automatismen als Team noch erarbeiten müssen. Stattdessen kann man kaum über mehr als Spielvorbereitung, Spielnachbereitung und Regeneration nachdenken. „Wir möchten wenig Training aber grundsätzlich nie als Rechtfertigung für schwache Performances nutzen“, sagt Sportdirektor Thorsten Leibenath, der auch darauf hinweist, dass es trotz der vielen Partien möglich ist, dass die Spieler individuell zugeschnittene Programme absolvieren, die von der Medizin und Athletikabteilung betreut und gesteuert werden.

Welt- und Europameister Johannes Thiemann (links) ist einer der Profis, die Sportdirektor Thorsten Leibenath nach München geholt hat. (Foto: Christina Pahnke)

Die Tiefe des Kaders

Diese weiteren Impulse können gesetzt werden, weil alle Akteure des 15-Mann-Kaders gesund sind. Die Breite des Aufgebots erlaubt es auf jeden Fall, mit den Kräften der Akteure verantwortungsvoll umzugehen und das Verletzungsrisiko durch Überbelastung zu reduzieren. Dass viele Spiele und nur wenig Training anstehen würden, war den Verantwortlichen im Vorfeld bewusst. „Erfahrene Spieler können damit besser umgehen, aber wir sind diesen Weg nur bedingt gegangen. Bei jüngeren Spielern ist die Lernkurve steiler, und wir möchten in den Playoffs unseren besten Basketball spielen“, sagt Leibenath.

Allerdings haben sich in diesem tiefen Kader noch keine klaren Rollen und keine Hierarchie herauskristallisiert. Das liegt nach Einschätzung von Leibenath auch daran, dass „sich bislang noch keiner so in den Vordergrund gespielt hat, dass er unverzichtbar ist“. Genauso wenig habe sich ein Spieler so schwach präsentiert, dass man nicht auf ihn zählen könne. Das war erwartbar gewesen, weil die Leistungsunterschiede der 15 Profis überschaubar sind, und ist Vor- und Nachteil zugleich. Einerseits freut sich Leibenath darüber, dass alle Leistung abliefern, was vor allem für die Bundesliga hilfreich ist. Andererseits weiß auch er, dass es nachteilig sein kann, wenn nicht absehbar ist, welche Spieler in einer knappen Partie am Ende auf dem Parkett stehen. Deshalb fordert er insbesondere mit Blick auf die EuroLeague „im Saisonverlauf eine stärkere Orientierung zu einer Hierarchie“.

Es ist klar, dass die Kadertiefe nicht unbedingt dabei hilft, sich einzuspielen. Bei einer Zehn-Mann-Rotation stehen immer die gleichen Spieler auf dem Parkett, was eine schnellere Identitätsfindung ermöglicht. Dennoch sind die 15 Profis angesichts des Spielplans fast schon alternativlos, auch wenn das Risiko besteht, dass sich mit Rolle und Spielzeit Unzufriedene mental verabschieden.

Europameister Oscar da Silva (rechts) ist einer der Bayern-Profis, dessen Rolle von Spiel zu Spiel sehr unterschiedlich sein kann. (Foto: Christina Pahnke)

Kochs Nachschlag

Doch wie groß ist die Belastung verglichen mit den anderen Bundesligisten? Die Bayern bestreiten im (noch) aktuellen EuroLeague-Format 38 Hauptrundenpartien. Inklusive der 34 BBL-Begegnungen und des einen obligatorischen Pokalspiels landen sie bei einem Minimum von 73 Pflichtspielen. Sollten sie in allen Wettbewerben mit der maximalen Anzahl der Spiele ins Finale gehen, wären es 102 Auftritte! Das ist eine unfassbare Zahl! Ein BBL-Team, das nicht international antritt, bestreitet zwischen 35 und 52 Partien. Die deutschen Mannschaften aus dem Eurocup und der Champions League, die man am ehesten als Münchner Konkurrenten einstufen kann, liegen zwischen 49 und 64 (Eurocup) bzw. 41 und 58 Begegnungen (Champions League), wobei hier im Falle einer zuvor erfolgreichen Qualifikation noch vier Spiele hinzukämen. Diese Zahlen belegen, wie einzigartig der Belastungsumfang der Bayern und wie schwer damit die Aufgabe für Anton Gavel und seinen Trainerstab ist.

Unser Kolumnist

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".