FB Twitter Instagram YouTube Google+
Kochs Nachschlag
Stärker, schwächer, anders: Welche Teamkader haben sich in welcher Weise verändert?

Stärker, schwächer, anders: Welche Teamkader haben sich in welcher Weise verändert?

— Stefan Koch

Welches sind die beiden Teams, die am ehesten stärker als vergangene Saison erscheinen? Welches die beiden, die am ehesten schwächer aussehen? Und bei welchen zwei Mannschaften deuten die Kaderveränderungen am ehesten auf eine generell anderes Spielsystem hin?

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ erscheint regelmäßig auf der Homepage der easyCredit BBL.

Kontinuität – dieser Begriff hat fast schon den Status des Mystischen erlangt. Wer es schafft, möglichst viele Spieler einer erfolgreichen Saison zu halten, gilt für die neue Spielzeit als gut aufgestellt. Fest steht aber auch, dass ohne personelle Veränderungen nur begrenzt Verbesserung möglich ist. Entsprechend drehen einige Vereine im Sommer stärker an der Wechselschraube, während andere die Mutter nur unmerklich lösen wollen. Neben dieser Grundsatzfrage spielen natürlich auch monetäre Faktoren eine entscheidende Rolle. Es ist eine Regel des Geschäfts, dass Spieler, die Leistung gezeigt haben, häufig von besser betuchten Clubs umworben werden. Deshalb sind manche Teams zu größeren Umbrüchen gezwungen als ihnen lieb ist. „Alles neu macht der Mai“ ist ein beliebtes Volkslied. „Alles neu macht der Sommer“ ist eine Weise, in welche die meisten Sportdirektoren und Coaches nur ungern einstimmen.

Grundsätzlich war es in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie extrem schwer, ein Upgrade zu schaffen. Dennoch ist das bei der einen oder anderen Mannschaft gelungen. Ich habe sechs Teams ausgewählt, zwei für jede Kategorie: Stärker, schwächer, anders. Verglichen wird dabei nicht mit den Aufstellungen beim Finalturnier in München, sondern den Kadern zum Saisonstart 2019/2020.

Stärker

Oldenburg: Auch wenn die beiden neuen Amerikaner Phil Pressey und Keith Hornsby nicht wie erhofft einschlagen sollten, sehe ich den Pokalfinalisten stärker besetzt, weil mit Sebastian Herrera und Martin Breunig (Video rechts) auf den deutschen Positionen viel Qualität hinzugewonnen wurde. Kevin McClain fasste nie wirklich Fuß an der Hunte, und Robin Amaize war mit 16 Minuten pro Spiel hinter dem gesetzten Dauerbrenner Rickey Paulding kein Megafaktor. Herrera hat in Crailsheim eine tolle Entwicklung genommen, ist 22 Jahre jung, ehrgeizig und kann alle drei Außenpositionen spielen. Breunig übernimmt auf Starterniveau die Backup-Rolle von Rasid Mahalbasic und befreit Nathan Boothe von Minuten auf der Centerposition. Auf dem Papier haben nur Berlin und München mehr zu bieten.

Hamburg: Als Tabellenletzter beim Saisonabbruch sollte es nicht allzu schwer sein, sich zu verbessern. Insbesondere dann, wenn man über eine solide finanzielle Ausstattung verfügt. In der vergangenen Spielzeit musste viel nachjustiert werden, weil die ursprüngliche Qualität nicht ausreichte. Das ist jetzt anders. Mit Max DiLeo (Video rechts) konnte Coach Pedro Calles seinen defensiven Anführer aus Vechta mitbringen. Kameron Taylor und Terry Allen haben solide BBL-Spielzeiten abgeliefert, Bryce Taylor bringt Unmengen an Erfahrung, Hans Brase ist eine deutsche Verstärkung. Auch das neue Guard-Duo TJ Shorts und Jordan Swing dürfte den Aufgaben gewachsen sein. Die Towers können vielleicht mit einem Auge Richtung Playoffs schielen.

Schwächer

Crailsheim: Der Verlust von Herrera wiegt schwer. Aber auch auf den Ausländerpositionen waren die Hohenloher in der letzten Saison mit tollen Spielern ausgestattet. Mit dem aktuell leider verletzten Javontae Hawkins (Ludwigsburg) blieb nur einer dieser interessanten Akteuren in Deutschland. Ich werde vor allem Point Guard DeWayne Russell vermissen, aber auch Jan Span, Jeremy Morgan, Quincy Ford und Aaron Jones. Diese Spieler haben individuell und als Gruppe Spaß gemacht. Mit dem Ex-Frankfurter Trae Bell-Haynes (Video rechts) verfügt nur einer der Neuen über Europaerfahrung auf entsprechendem Niveau. Nach einer großartigen Saison zeigt der Richtungspfeil bei den Merlins gen Süden.

Würzburg: Head Coach Denis Wucherer steht vor einer ähnlichen Situation wie sein Crailsheimer Kollege Tuomas Iisalo. Mit Johannes Richter verlor er einen deutschen Rotationsspieler – Ersatz Fehlanzeige. Mit Center Luke Fischer und vor allem dem spielbestimmenden Guard-Trio Cameron Wells, Skyler Bowlin und Jordan Hulls gingen alle zweistelligen Scorer von Bord. Bei allem Respekt vor den Neuzugängen: Das sieht zunächst einmal nach weniger aus als in der Vorsaison. Der geringere Etat spiegelt sich in der Teamzusammenstellung wider. Die Nachverpflichtung von Micah Downs zeigt aber, dass man zumindest in der Lage ist, auf Verletzungen zu reagieren.

Anders

München: Mit Andrea Trinchieri sitzt erstmals seit 2012 kein Trainer aus dem früheren Jugoslawien auf dem Chefsessel bei den Bayern. Das spricht dafür, dass die enttäuschende Saison 2019/2020 nicht nur aufgearbeitet wurde, sondern auch ein neuer Weg eingeschlagen werden soll. Nachdem in den vergangenen beiden Spielzeiten mit Derrick Williams und Greg Monroe ganz große Namen mit beachtlicher NBA-Vergangenheit in München aufliefen, fehlt im aktuellen Kader ein Spieler mit solcher Reputation. Auf den deutschen Positionen verloren die Bayern mit Maodo Lo und Kapitän Danilo Barthel zwei Leistungsträger, denen nur Rückkehrer Robin Amaize gegenübersteht. In einer Zeit, in der viele Teams extrem auf den Dreipunktewurf fokussiert sind, gaben die Münchner mit Petteri Koponen ihren besten Schützen ab und setzen stattdessen stark auf Athletik, was sich in der Verpflichtung der fünf US-Profis Wade Baldwin, Nick Weiler-Babb, Malcolm Thomas, JaJuan Johnson und Jalen Reynolds zeigt. Die neuformierte Truppe sorgte in der Euroleague bereits für Aufsehen mit einem Sieg bei Fenerbahce (Video rechts) und wird national mit Berlin um die Meisterschaft spielen.

Bamberg: Neuanfang und Paradigmenwechsel. Wie oft haben wir in den vergangenen beiden Jahren diese Begriffe von oder über Brose Bamberg gehört? Seit der Trennung von Andrea Trinchieri im Februar 2018 haben es Luca Banchi, Ainars Bagatskis, Federico Perego und Roel Moors vergeblich versucht, das Schiff wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Johan Roijakkers ist jetzt der fünfte Kandidat für diese Aufgabe und kann im Pflichtspieldebüt auf einen Sieg gegen Ulm zurückblicken (Video rechts). Mit Christian Sengfelder ist nur ein einziger Stammspieler der Vorsaison geblieben. Der neue Coach hat bereits darauf hingewiesen, dass weniger Geld zur Verfügung steht als in der Vergangenheit. Bamberg möchte gerne ins Halbfinale, aber dafür werden sich die Franken strecken müssen. Roijakkers ist ein Arbeitstier und morgens teilweise schon vor sieben Uhr im Büro. Dies ist ein Teil der „Göttinger Kultur“, die er in der Domstadt etablieren möchte.

Kochs Nachschlag

Am Freitag, dem 23. Oktober, dem Veröffentlichungstag dieses Beitrags, feiert eine Liga-Ikone Geburtstag. Es ist der älteste Spieler der Liga, aber er ist kein Oldie, sondern ein echtes Evergreen. Bei seinem Verein, den EWE Baskets Oldenburg, ist er längst eine lebende Legende. In fremden Hallen ist er ein gerngesehener und hochrespektierter Gast, der nicht nur wegen seiner herausragenden basketballerischen Fähigkeiten geschätzt wird. Sein freundliches und bescheidenes Auftreten hat ihn zu einem großen Sympathieträger werden lassen. Happy Birthday, Rickey Paulding, alles Gute zum 38. Geburtstag!

Auch interessant:

easyCredit BARMER Telekom Spalding GYMPER Sportwetten