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Home/Newscenter/Drittes WM-Qualifikationsfenster: Schröder und Voigtmann im Blickpunkt

Kochs NachschlagDrittes WM-Qualifikationsfenster: Schröder und Voigtmann im Blickpunkt

30. Juni 2022

Der 1. September ist für Freunde des einzig wahren Hallensports ein Termin, den sie sich längst rot in ihren Kalendern markiert haben. Denn dann beginnt die Basketball-Europameisterschaft, die gleich aus zwei Gründen einen besonderen Stellenwert hat. Einerseits ist es eine Heim-EM für die deutsche Mannschaft, die ihre Vorrundenpartien in Köln austrägt und danach hoffentlich zur Endrunde nach Berlin reisen wird. Und andererseits freuen sich die Fans in diesem Zusammenhang auf die qualitativ am besten besetzte DBB-Auswahl aller Zeiten, was mit einer hohen Erwartungshaltung einhergeht. 

Weil dieses Ereignis seine Schatten vorauswirft, hat die breite Öffentlichkeit die jetzt anstehenden WM-Qualifikationsspiele in Estland und gegen Polen nur sehr verschwommen auf dem Schirm. Dabei sind diese Partien keinesfalls ein Selbstläufer für die deutsche Mannschaft. Dennoch müsste schon Murphys Gesetz massiv Einfluss auf die Ergebnisse des Qualifikationsfensters nehmen, um die Schützlinge von Gordon Herbert vorzeitig aus dem Wettbewerb zu kicken. Vor den letzten beiden Begegnungen führt das Team die Gruppe D mit drei Siegen und einer Niederlage an. Die ersten drei Mannschaften erreichen die Zwischenrunde, aber wie eng die Teams bislang beieinander lagen, belegt das Korbverhältnis des Spitzenreiters, das „nur“ +8 lautet. Wie unangenehm die Esten sein können, bewiesen sie beim Einstand des neuen Bundestrainers, als sie überraschend die Punkte aus Nürnberg mitnahmen. Worauf gilt es in diesen beiden Spielen zu achten?

Wer aus dem aktuellen Kader schafft es zur EM?

Die ersten Fenster der WM-Qualifikation wurden während der NBA- und Euroleague-Saison ausgetragen, was es vielen Teams faktisch unmöglich machte, ihre besten Spieler zum Einsatz zu bringen. Immerhin stießen zum Heimspiel gegen Israel mit Maodo Lo, Johannes Thiemann und Andreas Obst drei Akteure aus der europäischen Königsklasse zur deutschen Mannschaft, ohne die der wichtige 84:80-Erfolg sehr wahrscheinlich nicht zustande gekommen wäre. Jetzt finden die Partien in einer Zeit statt, in der jeder andere Spielbetrieb ruht. Wer aber vermutet, dass das Team aufgrund dieser Voraussetzung in Bestbesetzung auflaufen würde, unterliegt einem Trugschluss. Viele Topakteure benötigen nach den extrem hohen Belastungen eine Pause. Deshalb sehe ich aus der Mannschaft, die jetzt gegen Estland und Polen antreten wird, nur Dennis Schröder und Johannes Voigtmann für die EuroBasket 2022 als gesetzt. Daneben verfügen Justus Hollatz und Isaac Bonga über gute Chancen.

Rhythmus und Selbstvertrauen

Es sind viele Spieler dabei, deren letzter Pflichtauftritt schon länger zurückliegt. Damit geht es auch darum, zunächst Rhythmus zu generieren und darüber Selbstvertrauen. Entsprechend hat Gordie Herbert anfänglich die Offensive und viele Spielformen in den Mittelpunkt des Trainings gerückt. Gerade Johannes Voigtmann, den der Bundestrainer aus gemeinsamen Frankfurter Tagen kennt, dürfte dies guttun. Der 29-jährige hatte ZSKA Moskau Anfang März nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verlassen. Seitdem ist der Big Man ohne Verein. Wer Voigtmann kennt, weiß um seine hervorragende Arbeitseinstellung. Er hat sicherlich viel gearbeitet, aber Wettkampfsport kann man nur sehr bedingt simulieren. Bei Isaac Bonga gab es keinen radikalen Schnitt wie bei Voigtmann, aber angesichts einer überschaubaren Zahl an Spielen in der abgelaufenen Saison dürfte auch für ihn das Fenster hilfreich sein.

Die Rückkehr von Dennis Schröder

Seit der verkorksten Weltmeisterschaft in China 2019 hat Dennis Schröder das Nationalmannschafttrikot nicht mehr übergestreift. Wie sehr ihm das Auswahlteam aber am Herzen liegt, machten seine Auftritte bei der Olympia-Qualifikation in Split deutlich, wo er aufgrund seiner unklaren Vertragssituation genauso wenig eingreifen konnte wie dann später in Tokio. Der beste deutsche Basketballer sorgte in Kroatien als Edel-Fan für eine besondere Atmosphäre. Für den Spielmacher sind die Begegnungen mit Estland und Polen eine gute Gelegenheit, sich nach fast drei Jahren Abstinenz wieder an den internationalen Basketball zu gewöhnen, der auf dem Feld (aber auch außerhalb) teilweise anderen Gesetzen gehorcht als das Spiel in der NBA. Natürlich werden viele Fachleute ihr Augenmerk auch auf andere Spieler richten, aber der 28Jährige wird im Mittelpunkt des Interesses stehen, in der breiten Öffentlichkeit noch stärker als in der basketballaffinen.

Kochs Nachschlag

Die Spiele in Estland und gegen Polen haben nicht zuletzt auch deshalb eine Bedeutung, weil Ergebnisse aus der Vorrunde mit in die Zwischenrunde übernommen werden, wo sich dann aus vier Sechsergruppen die jeweils drei besten Teams für die WM qualifizieren. Die DBB-Korbjäger wollen ihre siebte WM-Teilnahme seit 1986 eintüten. So lautet das klare Ziel. Aber dass die EuroBasket im eigenen Land über eine größere Strahlkraft verfügt, kann man exemplarisch an Robin Benzing verdeutlichen. Der 33-jährige Kapitän stand in den letzten 13 Sommern immer vorbildlich der Nationalmannschaft zur Verfügung. Jetzt gönnt er sich erstmals eine verdiente Auszeit, um dann mit Vollgas in die EM-Vorbereitung starten zu können.

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.