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Home/Newscenter/Playoff-Vorschau, erster Teil: Ein Klassiker und das Duell der Dreierkönige

Kochs NachschlagPlayoff-Vorschau, erster Teil: Ein Klassiker und das Duell der Dreierkönige

12. Mai 2022

Corona ließ es sich auch in dieser Saison nicht nehmen, den Spielplan ordentlich durcheinanderzuwirbeln. Dazu kamen die Anpassungen an den europäischen Kalender, die in der Schlussphase der regulären Saison viel Flexibilität erforderten, da die Bayern dem Euroleague-Favoriten Barcelona in einer Serie über fünf Spiele alles abverlangten und die Ludwigsburger ins Final Four der Champions League einzogen. Die Liga meisterte diese Herausforderungen, so dass wir uns ab Freitag auf die Playoffs freuen können. Ich beginne meine Vorschau mit den Serien Berlin gegen Bamberg und Bonn gegen Hamburg.

ALBA BERLIN (1) – Brose Bamberg (8)

Die Ausgangslage: Die Berliner haben ihren Nachholspielmarathon souverän und mit spielerischer Leichtigkeit absolviert, so dass sie von der Pole Position in die Postseason starten. Bamberg schien lange abgehängt im Playoff-Rennen, schaffte es aber mit neun Siegen aus den letzten elf Partien doch noch. Vorhang auf zum Klassiker: Der zehnmalige Deutsche Meister aus der Hauptstadt gegen das erfolgreichste Team dieses Jahrtausends.

Die Serie aus Berliner Sicht: Der Titelverteidiger dürfte in dieser Serie stark auf seinen tiefen Kader setzen. Einerseits können die Berliner darüber ihre Verteidigung etablieren, die in dieser Saison die klar beste der Liga war. Darüber hinaus gibt diese Breite beim spielenden Personal auch die Möglichkeit, jetzt die Minuten des einen oder anderen Topspielers ein wenig zu reduzieren, um mit den Ressourcen in dieser kräftezehrenden Spielzeit zu haushalten. Bei Bamberg hat Justin Robinson das Zeug zum X-Faktor. Dies stellte er am Sonntag gegen Hamburg eindrucksvoll unter Beweis, als er unmittelbar nach seiner Einwechslung drei Dreier eintütete. Berlin kann mit Jonas Mattiseck und Malte Delow zwei gute Verteidiger mit klaren Längenvorteilen gegen den nur 1,73 Meter großen Amerikaner stellen. Die Albatrosse werden ihre Offensive so gestalten, wie wir es kennen: viel Tempo beim Umschalten von Abwehr auf Angriff, dazu viel Bewegung abseits des Balles in der Halbfeld-Offense.

Die Serie aus Bamberger Sicht: Genau hier müssen die Bamberger ansetzen, wenn sie dem Favoriten ein Bein stellen wollen. Die Transition-Defense war hierbei zuletzt ein wenig anfälliger als die Halbfeldverteidigung. Letztere hat sich zwar in den vergangenen Wochen leicht verbessert, war aber nicht beständig auf dem Niveau, das jetzt benötigt wird. Gegen Berlin sollten die Oberfranken alles daransetzen, mit Zustellen von Passwegen und Körperlichkeit die Ballzirkulation des Meisters zu beeinträchtigen. Hier und da einmal eine Zonenverteidigung einzustreuen, dürfte für die Bamberger kein probates Mittel sein, weil Luke Sikma herausragend gut die Schnittstellen identifiziert und von dort aus den Ball weiterleitet. Ein entscheidender Faktor wird für Bamberg die Zahl der Würfe. Deshalb müssen Chris Sengfelder und Co. gegen das beste Rebound-Team der Liga eine ausgeglichene Bilanz schaffen. Zudem gilt es, die Ballverlustquote niedrig zu halten.

Telekom Baskets Bonn (2) – Hamburg Towers (7)

Die Ausgangslage: Die Telekom Baskets Bonn haben unter Tuomas Iisalo eine neue Euphorie am Hardtberg entfacht. Entsprechend dürfte der Dome bei der Playoff-Rückkehr nach zweijähriger Abstinenz beben. Während Bonn deutlich besser als erwartet performt hat, liegt das Hamburger Abschneiden im Rahmen des Erwarteten. Allerdings muss man bedenken, dass die Towers mit der Eurocup-Teilnahme doppelbelastet waren.

Die Serie aus Bonner Sicht: Parker Jackson-Cartwright hat aufgrund eines Trauerfalls fünf Spiele versäumt. In welcher Verfassung wird sich der MVP nach seiner Rückkehr präsentieren? Bonn gewann zwar vier der Partien ohne ihn, hatte aber phasenweise Probleme und verlor das letzte Hauptrundenspiel in Chemnitz deutlich. Zudem fehlte zum Ende der Hauptrunde mit Jeremy Morgan der zweiteffektivste Spieler verletzungsbedingt. Aber die Rheinländer kamen ohne eine einzige Spielverlegung durch die Saison und haben dadurch in der Vorbereitung der Serie Vorteile gegenüber den Hamburgern. Defensiv wird sehr viel auf die Pick-and-Roll-Verteidigung ankommen. Maik Kotsar bildet hier sowohl mit Caleb Homesley als auch mit Justus Hollatz ein herausragendes Tandem. Daneben geht es für die Bonner um Transition-Defense. Sie müssen sowohl die Hamburger Rebounder unter Druck setzen, die exzellente Outlet-Pässe spielen, als auch einen Spieler zur Sicherung des Rückfeldes abstellen. Aber die beste Fast-Break-Verteidigung ist es, sich selbst den Offensiv-Rebound zu angeln. Und diesbezüglich sind die Bonner über die Saison hinweg das beste Team der Liga!

Die Serie aus Hamburger Sicht: Aber seit Februar greifen die Towers die meisten Fehlwürfe am offensiven Brett weg, womit wir bei den Gemeinsamkeiten beider Teams angekommen sind. Es wird also für beide Mannschaften extrem wichtig, den Defensiv-Rebound zu kontrollieren. Eine weitere Analogie ist der Trend zum Distanzwurf. Bei den Versuchen und Treffern aus dem Dreierbereich liegen Bonn (1.) und Hamburg (2.) ganz vorne, während die Quoten (Bonn 12., Hamburg 14.) überschaubar sind. Die Bonner Offense ist insgesamt aber effektiver, die beste der Liga. In der Transition-Defense heißt die Herausforderung für die Schützlinge von Pedro Calles, PJC vor sich zu halten. Dies ist gleichzeitig auch die wichtigste Aufgabe im Halbfeld. Die Hanseaten sollten wechselnd mit Bissigkeit (Max DiLeo) und Größe (Hollatz) gegen den Baskets-Spielmacher agieren. Es ist aber auch gut möglich, dass Hamburg versuchen wird, durch frühes Doppeln den Ball aus seinen Händen zu nehmen. Am anderen Ende des Feldes wird Iisalo versuchen, Jackson-Cartwright zu verstecken. Das geht aber nur gegen DiLeo, in allen anderen Duellen dürfte Hamburg ihn attackieren.

Kochs Nachschlag

Pedro Calles hat bekanntgegeben, dass er Hamburg nach dieser Saison verlassen wird. Für amerikanische Präsidenten, die noch im Amt sind, aber die Wahl verloren haben bzw. nicht zur Wiederwahl antreten, wurde der Begriff „Lame Duck“ geprägt, weil sie insbesondere innenpolitisch als handlungsunfähig galten. Ist Calles nun eine „lahme Ente“, oder legt sich sein Team noch einmal besonders ins Zeug? Das ist eine der spannendsten Fragen der ersten Playoff-Runde.

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.