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Kochs NachschlagThe „Best of the Rest“: Warum Bonn und Ludwigsburg den Titelfavoriten aus Berlin und München gefährlich werden können

25. November 2022
Am Samstag empfangen die MHP RIESEN Ludwigsburg die Telekom Baskets Bonn. Und damit spielen genau die beiden Teams gegeneinander, denen es am ehesten zuzutrauen ist, Berlin oder München auch in einer Serie zu besiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass es bei den beiden Clubs einige Parallelen gibt.

Am Samstag empfangen die MHP RIESEN Ludwigsburg die Telekom Baskets Bonn. Und damit spielen genau die beiden Teams gegeneinander, denen es am ehesten zuzutrauen ist, Berlin oder München auch in einer Serie zu besiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass es bei den beiden Clubs einige Parallelen gibt.

In der Fußball-Bundesliga hat der FC Bayern München zehn Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft gewonnen und kaum jemand bezweifelt, dass 2023 der elfte Titel in Serie gefeiert werden darf. Im Basketball sind wir von solchen Zuständen immer noch weit entfernt – oder vielleicht doch nicht so weit? Die totale Dominanz eines Clubs steht zwar kurzfristig nicht zu befürchten, aber die finanziellen und damit auch die sportlichen Möglichkeiten der beiden Euroleague-Teilnehmer aus Berlin und München sind einfach deutlich höher als die des Rests der Liga. Dazu kommt, dass der neunfache Meister Bamberg nach signifikanten Etatkürzungen als „drittes großes B“ und gesetzter Titelkandidat ausgeschieden ist. Mit Ausnahme des Finalturniers 2020, das aufgrund der Pandemie mit geändertem Modus ausgetragen wurde, standen sich seit 2018 immer ALBA BERLIN und der FC Bayern München in der Finalserie der Playoffs gegenüber. 

Auch in dieser Saison spricht wieder Vieles dafür, dass wir erneut dieses Finale erleben werden. Aber wer folgt hinter den beiden Platzhirschen, welche Teams können die Favoriten am ehesten herausfordern? Die Saison ist noch jung, aber bislang haben sich die Telekom Baskets Bonn und die MHP RIESEN Ludwigsburg als die ersten Kandidaten herauskristallisiert – genau jene Teams, die auch in der vergangenen Spielzeit das Halbfinale erreichten. Am Samstag treffen die beiden Herausforderer in Ludwigsburg aufeinander. Grund genug, die Situationen der beiden Klubs einmal miteinander zu vergleichen.

Heilsbringer kommen und gehen

An beiden Standorten gab es in der jüngeren Vergangenheit einen Trainerwechsel und überspitzt ließe sich behaupten, dass in Bonn 2021 der Heilsbringer kam und in Ludwigsburg 2022 der Heilsbringer ging. 

Bei den Telekom Baskets Bonn führte Tuomas Iisalo ein zu diesem Zeitpunkt dahindümpelndes Programm wieder nach oben. Wir erinnern uns: In den ersten fünf Jahren in der Liga drei Mal im Finale (1997, 1999, 2001), dazu bis 2012 weitere zwei Male Vizemeister und drei Mal im Pokalfinale, seitdem aber maximal die erste Runde der Playoffs erreicht und drei Mal erst gar nicht für die Postseason qualifiziert. Unter Iisalo aber ging es 2022 bis ins fünfte Halbfinale und aktuell ist Bonn national ungeschlagen Tabellenführer und überzeugt auch in der Champions League mit drei Siegen in Serie.

In Ludwigsburg dagegen verließ der Heilsbringer John Patrick nach neun sehr erfolgreichen Jahren in diesem Sommer den Klub und wechselte nach Japan. Seit 2014 hatte Ludwigsburg unter Patrick in acht von neun Spielzeiten die Playoffs erreicht, zwei Mal im Halbfinale der Champions League (2018 und 2022) gestanden, 2020 beim Final-Turnier mit einem großartigen Team die Vizemeisterschaft gefeiert und im Jahr darauf die Hauptrunde auf dem ersten Platz beendet. Nun ist Patrick fort, aber der Erfolg bleibt bis dato, denn sein Nachfolger Josh King hat schon in kürzester Zeit bewiesen, dass er die RIESEN auf Kurs halten kann. Als Belege dafür seien der vierte Platz in der Bundesliga, die 3:0-Bilanz in der Champions League und der Einzug in die zweite Pokalrunde erwähnt.

Die Gemeinsamkeiten

Beide Mannschaften werden von starken Point Guards angeführt. Prentiss Hubb legt für Ludwigsburg 18,0 Punkte und 7,0 Assists auf, TJ Shorts für Bonn 17,2 und 7,5, wobei er deutlich bessere Quoten wirft. Beide sind Linkshänder und haben auf dem Flügel einen Spieler an ihrer Seite, dessen Wurfampel immer auf grün steht. Jhonathan Dunn (Ludwigsburg) und Jeremy Morgan (Bonn) sind dementsprechend auch die zweitbesten Punktesammler ihrer Teams. Die Coaches King und Iisalo lassen gerne aggressiv über das ganze Feld verteidigen. Da kommt es schon überraschend, dass ihre Mannschaften bei den Ballgewinnen nur die Plätze 16 (Bonn) und 18 (Ludwigsburg) einnehmen!

Bonn (1.) und Ludwigsburg (4.) werden in der Tabelle nur von den beiden Euroleague-Teams getrennt. Aber nicht nur national haben beide Programme bislang Stärke demonstriert, auch in der Basketball Champions League überzeugen sie wie erwähnt und grüßen von der Tabellenspitze ihrer jeweiligen Gruppe, wobei TJ Shorts als bislang bester Scorer und effektivster Spieler des Wettbewerbs glänzt.

Zurück zur Bundesliga, in der Ludwigsburg (92,9) und Bonn (92,0) die meisten Punkte erzielen. In der Wahrnehmung kommen beide Mannschaften über gute Verteidigung, hohes Tempo, viele Dreier und starkes Offensiv-Rebounding. Aber stimmt das auch?

Die Unterschiede

Zieht man die bisher absolvierten Bundesliga- und Pokalspiele zu Rate, findet man die Baskets bei der Pace nur auf Platz 15, Ludwigsburg dagegen in der Pole! Die Schwaben laufen mit 117,4 Punkten pro 100 Ballbesitze die drittbeste Offensive der Liga, aber Bonn ist die klare Nummer Eins mit exzellenten 125,6. Auch in der Verteidigung (105,6) gehören die Rheinländer als Dritter zur Spitzengruppe, während Ludwigsburg im Mittelfeld rangiert. Genauso verhält es sich auch bei der Offensiv-Rebound-Quote (Bonn 3., Ludwigsburg 8.). 

Kommen wir zum letzten Klischee, den vielen Dreiern. Für Ludwigsburg trifft es zu, die Mannschaft nimmt pro 40 Minuten tatsächlich die meisten Würfe von Downtown. Bonn ist hier aber nur 13.! Dafür brillieren die Iisalo-Schützlinge mit den klar besten Quoten aus dem Zweier- und Dreierbereich. Shorts & Co. kommen stärker über die Qualität ihrer Würfe, die RIESEN eher über die Quantität (zweiter Platz hinter Oldenburg), auch weil sie sich fast schon traditionell die wenigsten Ballverluste der Liga erlauben.

Kochs Nachschlag

Die Bonner sind den Ludwigsburgern einen kleinen Schritt voraus. Die Stadt ist einfach basketballbegeistert, während man in Ludwigsburg trotz der Erfolge Probleme hat, die Halle zu füllen. Aber auch sportlich sehe die Baskets einen Tick besser, ihr Spiel ist schon etwas gereifter, etwas kultivierter. Deshalb sind sie knapp vor den Riesen „the best of the rest“. Aber ob die Qualität ausreichen wird, eines der Euroleague-Teams aus den Playoffs zu kegeln, muss abgewartet werden. Allerdings waren die Bonner in der vergangenen Saison knapp dran, als sie gegen die Bayern im fünften Spiel der Halbfinalserie zur Halbzeit führten. Das sollte ihnen und dem Rest der Liga Mut machen.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.