Wir gehen in das zweite Saisonwochenende und sind gerade noch dabei, unsere ersten Eindrücke zu verarbeiten. Neuformierte Teams, die allesamt noch in der Findungsphase stecken, und dazu viele Spieler, die wir erstmals in der Liga erleben – wir tasten uns genauso wie die Akteure selbst an die neue Spielzeit heran. Es wäre völlig verfrüht, schon Trends ausmachen zu wollen, aber der Nachschlag braucht trotzdem ein Thema. Bei der Suche bin ich auf die Point Guards gestoßen, von denen zehn unter den besten zwölf Scorern der Liga rangieren. Außerdem finden wir sechs in den Top Eleven bei der Effektivität. Gründe genug, euch diese Herren einmal näher vorzustellen. Neun von ihnen sind US-Amerikaner, sieben sind maximal 1,85 Meter groß und sieben nicht älter als 25!
Die neuen Gesichter
Brandon Childress ist der neue Backcourt-Partner von Dauerbrenner Basti Doreth in Bayreuth und mit dem langjährigen Kapitän auf den Guard-Positionen austauschbar. Der Sohn des ehemaligen NBA-Spieler Randolph Childress ist als Scorer schwer zu stoppen, weil er sowohl über Athletik als auch über einen sicheren Wurf verfügt.
Cassius Winston macht in München seine ersten Erfahrungen in Europa. 48 Punkte in den beiden BBL-Spielen sind ein erstes Statement. Wenn man sich seine Statistiken am College (Michigan State) anschaut, darf man erwarten, dass er auch als Vorbereiter zulegen wird. In der Euroleague musste der Ex-NBA-Spieler (29 Partien für Washington) aber erstes Lehrgeld zahlen.
Otis Livingston ist ein 1-1-Spieler, der in Crailsheim die Tradition starker Point Guards fortsetzen möchte. Beim Auswärtssieg in Bamberg begann Coach Sebastian Gleim mit dem Finnen Edon Maxhuni und brachte den Amerikaner als Scorer von der Bank. Tatsächlich traf Livingston den spielentscheidenden Dreier. Der 25-Jährige ist ein besserer Passgeber, als er bislang gezeigt hat.
Mario Ihring heißt der neue Spielmacher beim SYNTAINICS MBC. Der Slowake verfügt mit 192 cm über eine exzellente Größe für diese Position, so dass er gut beim defensiven Rebound mithelfen kann. Von der Freiwurflinie ist er eine sichere Bank mit über 90 Prozent in den letzten drei Jahren.
Josh King, dem neuen Ludwigsburger Headcoach, wird ein gutes Händchen für Rookies attestiert. Prentiss Hubb könnte als der nächste Beweis gelten. Der 23-Jährige erzielte in seinem ersten Pflichtspiel als Profi 27 Punkte und verteilte dazu noch 6 Assists. Dabei agierte der schlaksige Linkshänder mit der Selbstverständlichkeit eines Veteranen.
Die vertrauten Gesichter
Allerdings legte sein Heidelberger Kontrahent in dieser Partie eine noch bessere Vorstellung auf das Parkett. Eric Washington flirtete mit einem Triple Double (18 Punkte, 7 Rebounds und 14 Assists). Nachdem er die zweite französische Liga aufgemischt hatte, lief es nach seinem Wechsel in der Saison 21/22 nach Chemnitz nicht mehr ganz so gut für ihn. In Heidelberg wusste er schon in der Vorbereitung wieder voll zu überzeugen.
Auch Harald Frey kam während der vergangenen Saison nach Deutschland und schlug in Göttingen sofort gut ein. Grund genug für Roel Moors, dem Norweger in dieser Saison die Führung des Teams anzuvertrauen. Der Linkshänder ist zwar kein herausragender Athlet, trifft dafür aber richtige Entscheidungen im Pick and roll und kann sich auf seinen Dreier verlassen.
Kendale McCullum konnte in der vergangenen Spielzeit den Gießener Abstieg nicht verhindern. Aber es gelang dem 26-Jährigen, Werbung in eigener Sache zu betreiben. So war es nicht verwunderlich, dass er einen neuen Arbeitgeber in der BBL fand. Jetzt zeigt er für die Veolia Towers Hamburg seine Allroundqualitäten, die auch eine starke Verteidigung beinhalten.
DeWayne Russell ist nach zwei Jahren in der italienischen Liga nach Deutschland zurückgekehrt. 20 Punkte, 4,5 Rebounds und 3,5 Assists stehen für ihn nach zwei Partien zu Buche. Aber noch wichtiger: Er hat seine Oldenburger zu zwei Siegen geführt. Der 1,80-Meter-Mann ist ein Spieler für spektakuläre Auftritte und dürfte deshalb öfter in den Top Ten zu Gast sein.
Sein ehemaliger Crailsheimer Coach Tuomas Iisalo steht mittlerweile in Bonn an der Seitenlinie. Nach dem Abgang von MVP Parker Jackson-Cartwright konnten die Rheinländer mit T.J. Shorts ihre hohe Qualität auf der Spielmacherposition halten. Nach seiner schweren Brustmuskelverletzung am Ende der letzten Saison ist der kleinste Spieler der Liga wieder in Topverfassung, was er sowohl national (in Würzburg) als auch international (gegen Reggio Emilia) unter Beweis stellte.
Kochs Nachschlag
Braydon Hobbs ist mittlerweile 33 Jahre alt und mit 1,96 Meter eine Art Gegenentwurf zum Trend der eher kleinen und flinken Spielmacher in der BBL. Aber er ist routiniert und stark in den Grundfertigkeiten. Nach einem Jahr in Spanien sind die Basketball Löwen Braunschweig seine fünfte Station in Deutschland. Gegen Würzburg zeigte der Altmeister mit 18 Punkten (alle in der zweiten Halbzeit) und fünf Assists, dass weiterhin mit ihm zu rechnen ist.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.




















