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Kochs NachschlagÜberraschungsteam mit wenigen Assists: Kann es Würzburg mit 1-1 bis in die Playoffs schaffen?

23. Januar 2023
Die Würzburg Baskets sind neben Göttingen das Überraschungsteam der Saison. Der Erfolg beruht bei Headcoach Saso Filipovski auf viel Isolation und 1-1. Nun trifft seine Mannschaft mit dem amerikanischen Spielstil auf den europäischen Teamball der Albatrosse. Zwei Welten prallen aufeinander.

Die Würzburg Baskets sind neben Göttingen das Überraschungsteam der Saison. Der Erfolg beruht bei Headcoach Sasa Filipovski auf viel Isolation und 1-1. Nun trifft seine Mannschaft mit dem amerikanischen Spielstil auf den europäischen Teamball der Albatrosse. Zwei Welten prallen aufeinander.

Was ist moderner Basketball? Diese Frage ist weder pauschal noch einfach zu klären, aber dennoch glaube ich, dass viele Antworten zwei Punkte beinhalten würden: „schnelles, gutes Passspiel“ und „viele Dreipunktewürfe“. Am Montag treffen mit den Würzburg Baskets und ALBA BERLIN die beiden Mannschaften aufeinander, die mit 50,1 (Berlin) und 49,3 (Würzburg) Prozent die besten Feldwurfquoten aufweisen. Trotzdem darf man die Spielanlage beider Teams aber durchaus als konträr bezeichnen. Während der Deutsche Meister 61,6 Prozent seiner Punkte über einen Assist vorbereitet und damit ganz vorne liegt, sind es bei den Würzburgern nur 39,6 Prozent, was den schlechtesten Wert der Liga bedeutet. Zudem nehmen die Unterfranken die mit Abstand wenigsten Dreier. Lediglich 26,6 Prozent aller Abschlüsse kommen von jenseits 6,75 Meter. Angesichts dieser Zahlen wäre zu erwarten, dass die Schützlinge von Sasa Filipovski tief im Tabellenkeller beheimatet sein müssten. 

Das sind sie aber nicht! Stattdessen stehen sie auf einem Playoff-Rang und haben bereits große Siege in Ulm (91:84), Oldenburg (79:77) und Chemnitz (86:81) eingefahren. Und sie haben nicht zuletzt auch wegen der überraschenden Heimniederlage ihres höher eingeschätzten fränkischen Rivalen Brose Bamberg unter der Woche gegen Braunschweig durchaus realistische Chancen die Post-Season zu erreichen.

Endlich wieder Playoffs, wieder gegen ALBA?

Zum letzten Mal erreichten die Baskets vor elf Jahren die Playoffs. An der Seitenlinie stand beim damaligen Aufsteiger John Patrick. Einige Elemente seiner Basketballphilosophie kann man jetzt bei den Baskets wiederentdecken. Ach ja – 2012 besiegten die Würzburger dann als Achter im Viertelfinale sensationell den Hauptrundenprimus ALBA BERLIN. Die Hauptstädter sind nicht nur am Montag der Kontrahent, sondern wären es auch in den Playoffs, würde sich am Tabellenstand nichts mehr ändern. Weil zum so attraktiven Berliner Offensivkonzept von Aito und Israel Gonzalez schon so viel geschrieben wurde, konzentriere ich mich in diesem Nachschlag auf Würzburg.

Ein international renommierter Coach

Parallelen zu JP? Nun ja, er sagte einmal, dass der Dreier überbewertet sei, und seine Teams waren bei den Assists immer im hinteren Viertel zu finden. Bezüglich des Dreiers hat sich seine Meinung allerdings geändert, denn in der vergangenen Saison nahm seine Ludwigsburger Mannschaft die drittmeisten Versuche von Downtown. Aber für Sasa Filipovski müssen wir auch keine Vergleiche heranziehen. Der Slowene ist ein auf dem ganzen Kontinent geschätzter Coach. Als er im Dezember 2021 Denis Wucherer beerbte, war das eine echte Überraschung. Auf den ersten Paukenschlag folgte der zweite. Denn zwischenzeitlich wurde sein Vertrag bis 2025 verlängert. Der 48-Jährige war unter anderem sowohl in Slowenien als auch in Polen jeweils zwei Mal Meister. Und er liefert auch in Würzburg ab. Dabei könnten man den Spielstil, den er seiner Mannschaft verordnet hat, eher amerikanisch als europäisch nennen. 

Das Dreigestirn auf den Außenpositionen

Das Konzept beruht darauf, dass seine drei Außenspieler auf den Außenpositionen das 1-1 suchen. Mit Stanley Whittaker, Cameron Hunt und C.J. Bryce geht der Ball in die Hände seiner drei Starter auf den Außenpositionen, wobei Bryce beim letzten Spiel in Ulm erstmals von der Bank kam, aber trotzdem mit 20 Punkten brillierte. Es ist interessant, dass gerade die beiden Guards Whittaker und Hunt steinige Pfade erklimmen mussten, um Profi zu werden. Beide spielten nicht in der NCAA, sondern in der deutlich schwächeren NAIA – Hunt sogar nur in der zweiten Division. Direkt danach kam der Linkshänder 2019 nach Würzburg, aber nicht zur Bundesligamannschaft, sondern zum ProB-Team, was er als Sprungbrett nutzte, um sich in der BBL einen Dreijahresvertrag zu sichern. Whittaker musste nach dem College zweieinhalb Jahre warten, bevor er in der zweiten litauischen Liga seine erste Chance in Europa erhielt. Über Österreich und Karlsruhe, wo er Topscorer der ProA war, kam der 28-Jährige an den Main. Und diese Jungs zerstören ihre Gegenspieler? Ja, das tun sie! Beide kommen den ganzen Weg zum Ring und können sich ihren Wurf aus der Halbdistanz kreieren. Zusammen mit dem aus Ungarn verpflichteten Bryce markieren sie über 50 Zähler pro Begegnung.

Kochs Nachschlag

Jetzt geht es am Montag also gegen die Berliner, die als klarer Favorit anreisen und völlig anders aufgestellt sind. Beim Meister erzielen zwölf Spieler zwischen 7,1 und 12,4 Punkten. Man könnte sagen, zwei Welten prallen aufeinander! Aber noch mehr als das klassische Setting des Underdogs gegen den Favoriten macht das den Reiz dieser Begegnung aus. Es gibt eben unterschiedliche Stile, um erfolgreich Basketball zu spielen. Ich freue mich auf die Partie.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.