Die Abstimmungen für die offiziellen Auszeichnungen der Liga laufen bereits. Da ich auch in dieser Saison nicht abstimmen werde, weil ich der Meinung bin, dass dies ausschließlich Aufgabe der Coaches (und nicht von Journalisten) sein sollte, vergebe ich meine eigenen Awards, die weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf komplette Ernsthaftigkeit erheben und manchmal unter sperrigen Bezeichnungen daherkommen.
Bester Passgeber: Grayson Murphy (Telekom Baskets Bonn)
Wenn ein Bonner in dieser Kategorie genannt wird, sehen ihn die Fans am Rhein natürlich in der Tradition von Jared Jordan, der den digitalen Rekord (seit 1998) für die meisten Assists in der BBL-Geschichte hält. Grayson Murphy führt in dieser Saison mit 6,5 Korbvorlagen gemeinsam mit Alonzo Verge Jr. (RASTA Vechta) die Rangliste an, aber während der Vechtaer auch bei den Ballverlusten ganz oben steht, glänzt der Bonner mit dem besten Assist-Turnover-Ratio von 3,8:1!
Aufregendster Athlet: Michael Weathers (MLP Academics Heidelberg)

Ihr habt richtig gelesen, es geht um den „aufregendsten Athleten“ und nicht um den „aufgeregtesten Athleten“, was für Michael Weathers spätestens seit seiner Disqualifikation in der Schlussminute gegen Ludwigsburg auch eine Kategorie sein könnte. Der Heidelberger begeht die meisten Fouls in der Liga, weil er seine überragenden defensiven Fähigkeiten häufig zu ungestüm einsetzt. Aber seine Blocks und Ballgewinne sind eine Augenweide, kein Spieler in dieser Liga kommt in der Verteidigung schneller von A nach B. Da seine offensiven Bewegungsabläufe auch noch von einer fast schon poetischen Eleganz geprägt sind, gebührt dem 28-Jährigen die Auszeichnung für den aufregendsten Athleten.
Der unbeachtete Top-Performer: Joe Wieskamp (Science City Jena)
Wenn ein Spieler mit NBA-Vergangenheit in unsere Liga kommt, ist das bei den Fans mit der Vorstellung von spektakulären Aktionen verbunden. Joe Wieskamp hat 38 Einsätze für die San Antonio Spurs und die Toronto Raptors absolviert, aber spektakulär ist kein Begriff, den man mit ihm in Verbindung bringt. Sein Spiel ist genauso nüchtern wie sein persönliches Auftreten, aber hocheffizient. Der Forward ist der effektivste Spieler der Liga. Er liefert 15,1 Punkte und 7,5 Rebounds bei starken Quoten ab. Aber außerhalb Jenas sorgt er kaum für Gesprächsstoff – zu Unrecht!
Bestes Comeback: Kaza Kajami-Keane (Basketball Löwen Braunschweig)
Anfang Dezember habe ich einen Nachschlag zu den Rückkehrern in die Liga geschrieben. Aber für das beste Comeback habe ich Kaza Kajami-Keane ausgewählt, weil sich der Kanadier sogar innerhalb dieser Spielzeit nach einem schwachen Start und dem damit verbundenen Vereinswechsel eindrucksvoll zurückmeldete. Nach einem Jahr in Serbien hatte der Spielmacher zunächst wieder bei seinem ehemaligen Klub in Chemnitz angeheuert. Aber es lief – auch aufgrund von Verletzungen – für den mittlerweile 32-Jährigen bei den NINERS mit 4,0 Punkten (bei 15 Prozent Dreierquote) und 3,4 Assists nicht gut. Anfang Februar wechselte er zu den abstiegsbedrohten Basketball Löwen Braunschweig, wo er nun mit 13,7 Zählern (bei 37 Prozent Dreierquote) und 5,6 Assists erheblichen Anteil daran hat, dass die Niedersachsen sich noch Hoffnungen im Kampf um den Klassenerhalt machen dürfen.
Nächster Draftpick: Jack Kayil (ALBA BERLIN)

Der Berliner hat Gonzaga für die nächste Saison seine Zusage gegeben. Aber es könnte für Jack Kayil auch schon in diesem Sommer in die NBA gehen. Viele Scouts sehen die Chancen für den 20-Jährigen realistisch (auch wegen solcher Aktionen). Die starken Leistungen in der Basketball Champions League untermauern seinen Anspruch. In den beiden Viertelfinalpartien gegen die europäische Spitzenmannschaft Unicaja Malaga war der Youngster der beste Albatros. Sollte er der NCAA den Vorzug geben, was aus meiner Sicht Sinn ergibt, wäre das College wahrscheinlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg in die nordamerikanische Profiliga.
Die beste Mikrowelle: Chris Clemons (EWE Baskets Oldenburg)
Der Liga-Topscorer explodierte in dieser Saison mit 52 Punkten gegen Trier – nur acht Spieler haben in der bald 60-jährigen Geschichte der Liga mehr Punkte in einer Partie aufgelegt. Es gibt diese Saison auch andere Spieler, die in kurzer Zeit viele Punkte auf das Scoreboard bringen können, aber die Auszeichnung muss an den nur 1,75 Meter großen Oldenburger gehen. Wer nachlesen möchte, wie ich seine Leistung gegen Trier historisch eingeordnet habe, kann dies hier gerne tun.
Der Katsching-Award: Jordan Roland (VET-CONCEPT Gladiators Trier)

Der Katsching-Award, der sich auf das Geräusch einer sich öffnenden Supermarktkasse bezieht, geht an den Spieler, der seinen Marktwert am meisten gesteigert hat. Das ist aus meiner Sicht Jordan Roland, der Durchstarter der Saison. Nach 14,6 Punkten pro Spiel in der ProA im Trierer Aufstiegsjahr legt er jetzt in der Beletage unglaubliche Werte auf. Mit 18,4 Zählern liegt er unmittelbar hinter Chris Clemons. Seine Quoten sind herausragend: 60 Prozent Zweier, 40 Prozent Dreier, 93 Prozent Freiwürfe! Dazu kommen noch über drei Assists. Anfang dieses Monats gaben die Trierer seine Vertragsverlängerung bekannt. Das neue Arbeitspapier enthält aber eine Ausstiegsoption gegen Zahlung einer Ablösesumme, sodass möglicherweise nicht nur für den Spieler, sondern auch für den Verein „Katsching“ zu hören sein wird.
Der Retro-Duo-Award: Maik Zirbes und Marten Linßen (VET-CONCEPT Gladiators Trier)
Wir bleiben an der Mosel, wo Coach Jacques Schneider unter den Brettern auf zwei Center alter Schule setzt. Starter Marten Linßen und Routinier Maik Zirbes bieten entgegen dem modernen Trend nur wenig Gefahr von außen. Aber dieses klassische Innenspieler-Duo scheint nur aus der Zeit gefallen zu sein, ist es aber nicht. Stattdessen liefern die beiden Fünfer regelmäßig ab und sind ein wichtiger Faktor für die Erfolgssaison des Aufsteigers.
Der größte Fernsehstar: Vladimir Bogojevic (ALBA BERLIN)
Am 16. März saß die Basketball-Community gespannt vor dem Bildschirm, um den Auftritt des Berliner Co-Trainers Vladi Bogojevic bei „Wer wird Millionär?“ zu verfolgen. Der ehemalige Nationalspieler schlug sich ausgezeichnet und ging mit 64.000 Euro nach Hause. Dabei überzeugte er mit großem Wissen und cleverem Einsatz seiner Joker. Anfang der Woche feierte er seinen 50. Geburtstag. Nachträglich herzlichen Glückwunsch, Fernsehstar Vladi!
Der Methusalem-Award: Yorman Polas Bartolo (MHP RIESEN Ludwigsburg)

Sind es die Gene, oder steigt der Deutsch-Kubaner täglich vor dem Frühstück in einen Jungbrunnen? Fakt ist, dass Yorman Polas Bartolo auch mit 40 Lenzen immer noch mit Kontrahenten mithält, die seine Söhne sein könnten. Der Ludwigsburger Kapitän symbolisiert auch in seiner sechsten Saison bei den Barockstädtern weiterhin die defensive Identität seiner Mannschaft.
Kochs Nachschlag – der Empathie-Award: Robin Amaize (ROSTOCK SEAWOLVES)
Der Profisport hat auch seine Schattenseiten, und schwere Verletzungen können Karrieren massiv beeinflussen. Bis zu seinem Handbruch im Februar des vergangenen Jahres war Robin Amaize der beste deutsche Scorer in der Saison 2024/25. Danach kam der sympathische Small Forward nicht mehr zurück, und alle Hoffnungen richteten sich auf diese Spielzeit. Nach genau neun Minuten auf dem Parkett war für den 32-Jährigen auch die Bundesligasaison 2025/26 gelaufen, weil er sich im Auftaktspiel in Trier die Achillessehne riss. Robin, Du hast unser aller Mitgefühl! Wir wünschen Dir, dass Du so bald wie möglich wieder gesund und schmerzfrei Basketball spielen kannst.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".



















