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Home/Newscenter/MVP Dennis und die Rookies in der WM-Quali: Alex Mumbrus Kader gegen Israel und Zypern

Kochs NachschlagMVP Dennis und die Rookies in der WM-Quali: Alex Mumbrus Kader gegen Israel und Zypern

02. Juli 2026

Es ist fragwürdig, dass sich der amtierende Champion für das nächste Weltmeisterschaftsturnier qualifizieren muss, aber da die Regeln der FIBA dies vorsehen, muss die deutsche Basketballnationalmannschaft diesen Weg gehen. Wer diesem Umstand einen positiven Aspekt abgewinnen möchte, könnte argumentieren, dass Länderspiele immer wichtig sind, um die Harmonie unter Spielern zu verbessern, die ansonsten nicht zusammen auf dem Parkett stehen. Das stimmt generell, aber wir haben in den letzten Jahren halt gelernt, dass es zwei Nationalteams gibt: einerseits die Gruppe, die in den Qualifikationsfenstern, wenn die großen Stars aufgrund der Verpflichtungen bei ihren Klubs nicht zur Verfügung stehen, die DBB-Auswahl repräsentiert, und andererseits das NBA- und EuroLeague-gespickte deutsche All-Star-Team, das bei den großen Turnieren mittlerweile nicht nur um die Medaillen mitspielt, sondern als amtierender Welt- und Europameister hinter den USA auf dem zweiten Platz der FIBA-Weltrangliste geführt wird.

Jetzt haben wir am Freitag in Riga gegen Israel und am Montag in Bamberg gegen Zypern zwei Qualifikationsspiele zu einem Zeitpunkt, der eine Kollision mit anderen Wettbewerben ausschließt. Dennoch fehlen fast alle Leistungsträger. Zwar hat Deutschland das Ticket für die zweite Qualifikationsrunde schon gebucht, aber die Schützlinge von Bundestrainer Alex Mumbru nehmen wie alle Teams alle Ergebnisse mit in die Duelle mit den drei besten Mannschaften der Gruppe F (Polen, Niederlande, Lettland, Österreich). Aus dieser neuformierten Sechsergruppe qualifizieren sich dann die drei Topteams für die Weltmeisterschaften (der komplette Modus auf der FIBA-Homepage).

Alex Mumbru strebt mit Deutschland zwei Siege zum Abschluss der ersten Quali-Phase an. (Foto: FIBA)

Wenig Erfahrung

Dieser Nachschlag könnte in ein Namedropping von Spielern, die nicht dabei sein werden, abgleiten. Darauf verzichte ich lieber und beschränke mich darauf zu erwähnen, dass ohne den zurückgetretenen Niels Giffey zwölf Welt- und/oder Europameister fehlen. Allerdings hat der Kapitän und MVP der vergangenen globalen und kontinentalen Titelkämpfe für die beiden anstehenden Begegnungen eingecheckt. Damit unterstreicht Dennis Schröder, Vater von drei Kindern, einmal mehr, wie groß die Herzensangelegenheit Nationalmannschaft für ihn ist.

Außer ihm stehen als Medaillengewinner nur Christian Sengfelder (EM-Bronze 2022) und Leon Kratzer (EM-Gold 2025) im Kader, wobei beide Big Men damals nur in kleinen Rollen beteiligt waren. Sie sind aber neben dem NBA-Veteran (104 Länderspiele) die einzigen Akteure mit nennenswerter Erfahrung (Sengfelder 39 Einsätze, Kratzer 33). Ansonsten verzeichnen nur Nelson Weidemann (17) und Louis Olinde (13) zweistellige Auftritte im DBB-Trikot. Nachdem Joel Aminu und Mahir Agva nach den ersten Trainingseinheiten in Berlin bereits wieder aussortiert worden sind, bleiben 13 Akteure, von denen drei noch kein A-Länderspiel bestritten haben:

Das DBB-Aufgebot:
Dennis Schröder (104 Länderspiele) / Nelson Weidemann (17)
Jonas Mattisseck (9) / Kostja Mushidi (4) / Simonas Lukosius (0)
Louis Olinde (13) / Malte Delow (8) / Kay Bruhnke (2)
Christian Sengfelder (39) / Tim Schneider (7) / Michael Rataj (0)
Leon Kratzer (33) / Sananda Fru (0)

Die Neulinge

Simonas Lukosius ist für die breite Öffentlichkeit (noch) kein geläufiger Name, auch wenn er in der Saison 2020/21 für die Telekom Baskets Bonn 14 Bundesligapartien bestritt. Danach ging er in die Vereinigten Staaten, um am College seine Karriere fortzusetzen. Der Deutsch-Litauer spielte jeweils zwei Jahre bei Butler und Cincinnati, bevor er im vergangenen Jahr von Rytas Vilnius verpflichtet wurde. Beim sensationellen Finalsieg in der Champions League avancierte er mit 23 Punkten (sieben erfolgreiche Dreipunktewürfe) zum Matchwinner (Highlights). Der Wurf ist zweifellos die größte Stärke des 23-Jährigen, dem in Kay Bruhnke ein (mit zwei Länderspielen allerdings auch noch unerfahrener) Vereinskollege den Einstieg erleichtern kann.

Michael Rataj (Mitte) spielt als neuer deutscher Meister gemeinsam mit Jonas Mattisseck im DBB-Team. (Foto: Christina Pahnke)

Michael Rataj konnte nach seiner Rückkehr aus den USA ebenfalls sofort einen wichtigen Titel gewinnen. Der Power Forward, der erst nach Ende seiner College-Verpflichtungen zu ALBA BERLIN stieß, fand sich bei den Hauptstädtern verblüffend schnell zurecht und leistete einen wichtigen Beitrag zur überraschenden deutschen Meisterschaft der Hauptstädter. Auch er hat in Jonas Mattisseck und Malte Delow bekannte Gesichter an seiner Seite. Wie Lukosius ist auch der 22-Jährige ein College-Rückkehrer, der in vier Jahren an zwei Universitäten (Oregon State und Baylor) spielte. Ich kann bei beiden Spielern nachvollziehen, warum sie eingeladen wurden, aber für den finalen WM-Kader im nächsten Jahr müssten sie tatsächlich noch Riesenschritte machen.

Diesbezüglich hat Sananda Fru aus meiner Sicht etwas bessere Chancen. Der frühere Braunschweiger wechselt nach einem ordentlichen Jahr bei Louisville zu Marquette, wo er sich nicht zuletzt aufgrund der Spielweise des Teams erhofft, eine noch größere Rolle einzunehmen. Von seinen Anlagen her könnte er die Rolle von Daniel Theis als Alley-oop-Abnehmer für Dennis Schröder übernehmen. Interessanterweise ist der 22-Jährige der einzige College-Basketballer im Kader. Johann Grünloh ist nicht nominiert, und die Spieler des Jahrgangs 2007 (Davi Remagen, Mathieu Grujicic und Declan Duru) sind nicht noch weit genug. Bei den aus der NCAA gedrafteten Christian Anderson und Hannes Steinbach war absehbar, dass sie aufgrund ihrer NBA-Zukunft in diesem Sommer andere Prioritäten setzen würden. Gleiches gilt für Jack Kayil.

Augenmerk auf zwei frühere Berliner

Auf zwei Spieler bin ich besonders gespannt. Louis Olinde überzeugte zuletzt beim Heimsieg gegen Kroatien und darf sich, sofern er an diese Leistung anknüpfen kann, Außenseiterchancen für die WM 2027 ausrechnen. Nach einer guten Saison in Manresa, wo er aber nur für eine Spielzeit unterschrieben hatte, könnte er die Länderspiele auch nutzen, um Werbung in eigener Sache bezüglich einer neuen Vertragssituation zu betreiben.

Auch Louis Olinde gehört zum Kader der deutschen Nationalmannschaft für die Spiele gegen Israel und Zypern. (Foto: FIBA)

Der ebenfalls 28-jährige Tim Schneider hat ein abwechslungsreiches Jahr in Japan mit insgesamt drei Arbeitgebern hinter sich. Nachdem seine erste Saison außerhalb Berlins sehr turbulent verlaufen ist, kehrt der Stretch-Big jetzt nach Europa zurück. Schneider hat in Ankara bei Türk Telekomspor unterschrieben. Da ich kein einziges Spiel von ihm im Land der aufgehenden Sonne sehen konnte, ist er ein Spieler, den ich besonders aufmerksam beobachten werde.

Kochs Nachschlag

Schön, dass Stefan Koch diesem Kader positive Aspekte abgewinnt, mögen einige Leser jetzt anmerken, aber warum sind denn außer Schröder die Topspieler nicht dabei? Die Antwort ist denkbar einfach: Sie brauchen eine Pause und haben sich diese redlich verdient. Olympia 2021 (die wegen Corona nachgeholten Spiele in Tokio), Heim-EM 2022, WM 2023, Olympia 2024, EM 2025 – 2026 ist der erste Sommer seit einer gefühlten Ewigkeit, in dem kein großes Turnier stattfindet und die Chance besteht, die Akkus aufzuladen. Unser Liga-MVP ist ein gutes Beispiel: Andreas Obst trug bei allen diesen Turnieren das DBB-Trikot und bestritt darüber hinaus in den letzten fünf Spielzeiten noch 320 Pflichtspiele für den FC Bayern München Basketball. Die anderen NBA- und EuroLeague-Stars kommen auf ähnliche Umfänge. Es ist also mehr als nachvollziehbar, dass sie ihren Körpern eine Pause gönnen.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".