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Home/Newscenter/Der Favorit und der Abstiegskandidat – Bayern und Braunschweig formen ein unerwartetes Spitzenduo

Kochs NachschlagDer Favorit und der Abstiegskandidat – Bayern und Braunschweig formen ein unerwartetes Spitzenduo

07. Oktober 2026

Vor dem Saisonstart hatte ich meinen ersten Nachschlag zur laufenden Spielzeit mit „Keine Überraschung wäre die größte Überraschung“ überschrieben. Nach drei Spieltagen sind nur noch zwei Teams in der Liga ungeschlagen. Das ist einerseits der absolute Topfavorit, der FC Bayern Basketball, und andererseits der sportliche Absteiger der Vorsaison, die Basketball Löwen Braunschweig, dem viele Experten erneut einen schweren Stand im Kampf um den Klassenerhalt prophezeit hatten. Damit dürfen wir das bislang positive Abschneiden der Niedersachsen getrost als große Überraschung einstufen! Warum dieses ungeschlagene Duo die Tabellenspitze ziert und warum die Unterschiede trotzdem riesig sind, möchte ich jetzt darlegen.

Die Dominatoren aus München

Der Kader der Bayern ist in Tiefe und Spitze mit Abstand der beste der Liga. Wenn alle Akteure gesund sind, müssen drei Topbasketballer in Zivil zuschauen. Der 15. Mann im Team von Anton Gavel wäre bei jedem anderen Bundesligisten ein Starter. Vor der Saison gab es dennoch einige kleinere Fragezeichen, die neben dem von seiner schweren Knieverletzung zurückkehrenden Spielmacher Rokas Jokubaitis auch zwei deutsche Big Men betrafen. Bei Johannes Voigtmann war man sich nicht sicher, ob er nach einer für ihn schwierigen letzten Saison schon über den Berg sei, und bei Johannes Thiemann gab es Befürchtungen, dass er sich nach zwei Spielzeiten in Japan erst wieder an die härtere europäische Gangart gewöhnen müsse. Beides war unbegründet: „Jo“ und „JT“ agieren bislang mit großer Spielfreude und zeigen sowohl im nationalen als auch im europäischen Wettbewerb starke Leistungen.

Welt- und Europameister Johannes Thiemann (mit Ball, hier gegen Oldenburg) hat sich nach zwei Jahren in Japan schnell wieder akklimatisiert im deutschen und europäischen Basketball. (Foto: Christina Pahnke)

Wie überlegen die Bayern sind, unterstreichen die Zahlen. Der Vizemeister weist ein fast schon perverses Net-Rating von +54,2 (!) auf. Sowohl in der Offensive (139,2 Punkte pro hundert Ballbesitze) als auch in der Defensive (85 Gegenpunkte pro 100 Ballbesitze) sind die Münchner absolut elitär. Dazu kommen ein Assist-Turnover-Ratio von 2,7:1 und das beste Rebounding der Liga.

Die Dreierkönige aus Braunschweig

Genau in diesem Bereich liegt die größte Schwäche des Überraschungsteams aus der Löwenstadt. Am defensiven Brett schnappt sich die Mannschaft von Ramon Diaz nur 56,6 Prozent der Abpraller – der schlechteste Wert aller 18 Teams. Am Montag beim ersten Auswärtssieg in Vechta gab man insgesamt 24 Offensiv-Rebounds ab, davon bereits neun im ersten Viertel. Dennoch gewannen die Braunschweiger und legten den besten Saisonstart seit 24 Jahren hin. Und mit einer Rückkehr des bislang verletzt fehlenden Eddy Edigin (Muskelfaserriss im Oberschenkel) besteht Hoffnung, diese Schwachstelle auszumerzen.

Löwen-Anführer Devin Askew (mit Ball, hier gegen Vechta) kam vom College und liefert bisher 19,0 Punkte, 4,3 Assists, 4,0 Rebounds und netzt dabei fast 60 Prozent aus dem Feld. (Foto: Christian Becker)

Bislang gewinnen die Löwen eindeutig über ihre Angriffsleistungen. Auf Basis der besten Dreierquote der Liga (45,2 Prozent) läuft es an diesem Ende des Feldes hervorragend. Im ersten Saisonspiel gegen Trier standen schon zur Halbzeit 66 Zähler auf der Anzeigetafel. Das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen, denn die Vorbereitung lief auch aufgrund von Verletzungsproblemen eher holprig. So ist defensiv auf jeden Fall noch Luft nach oben. Die Mannschaft hat sich bislang sehr geschlossen präsentiert, aber dennoch muss man Devin Askew explizit erwähnen. So häufig wie jetzt in Braunschweig hatte der Rookie aus der NCAA den Ball noch nicht in seinen Händen. Nach einem Gewöhnungsprozess in den Vorbereitungsspielen glänzte der 24-Jährige zum Saisonstart mit 19 Punkten und 4,3 Assists bei einer Dreierquote von 55,6 Prozent, wobei wir ehrlich sagen müssen, dass wir über einen sehr kurzen Erhebungszeitraum von drei Spielen sprechen.

Kochs Nachschlag

„So wie die Bayern gestartet sind, wäre es eine Überraschung, wenn sie in dieser Saison ein Spiel verlören.“ Diese Einschätzung kommt nicht von mir, sondern von einem angesehenen Assistant Coach aus der Liga. Sie unterstreicht das Dilemma der Münchner, weil für sie der Begriff „Überraschung“ (zumindest im nationalen Wettbewerb) immer mit einer negativen Konnotation versehen ist. Aber ich möchte in diesem Zusammenhang anmerken, dass eine ungeschlagene Spielzeit schon ein echter Knaller wäre und es das in der 60-jährigen Geschichte der Liga erst zwei Mal gab: In der ersten BBL-Saison 1966/67 gewann der VfL Osnabrück alle 18 Hauptrundenspiele, und drei Jahre später lieferte der TuS 04 Leverkusen in der Saison 1969/70 eine perfekte Spielzeit mit 25 Siegen.

Braunschweig ist bislang die Mannschaft, die am deutlichsten über den Erwartungen liegt. Das ist schön für die Löwen, aber wichtiger sind die sechs Punkte, die man bislang eingefahren hat. Sie sind ein wertvolles Polster für die Absicherung nach unten und zugleich eine erste kleine Basis, um von den Play-Ins zu träumen.

Unser Kolumnist

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".