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Kochs Nachschlag
Münchens Metamorphose: Welche richtigen Antworten die Bayern nach der Auftaktniederlage präsentierten

Münchens Metamorphose: Welche richtigen Antworten die Bayern nach der Auftaktniederlage präsentierten

— Stefan Koch

Zwei Finalpartien, zwei grundsätzlich andere Spiele, zwei Sieger. Nachdem ALBA BERLIN am Sonntag mit 106:95 nach Verlängerung in München gewonnen hatte und damit vom Beifahrersitz hinter das Lenkrad gerutscht war, schlugen die Bayern am Donnerstag eindrucksvoll zurück und ließen den Gastgebern bei ihrem 96:69-Auswärtssieg keine Chance. Es gibt viele Aspekte, an denen man den Unterschied zwischen den beiden Begegnungen festmachen könnte, ich möchte die beiden aus meiner Sicht wichtigsten thematisieren.

Tempo und Physis

Vor der Serie bestand Einvernehmen darüber, dass der amtierende Pokalsieger aus der bayerischen Landeshauptstadt seine Vorteile in einem halbfeldorientierten und physischen Stil haben sollte. Umso überraschender war es für mich, dass die Bayern im ersten Spiel bereit waren, das Berliner Tempo mitzugehen. Das Ergebnis war eine hochklassige und unterhaltsame Begegnung, an deren Ende die Gastgeber aber das Parkett als Verlierer verließen. Die Albatrosse zogen in München alle Register, um das Tempo nach oben zu schrauben. So doppelten sie zum Beispiel die ballbesitzenden Bayernspieler in unterschiedlichen Situationen. Gegen dieses von den Gästen selektiv eingesetzte Mittel fehlte es den Bayern phasenweise an Gedanken- und Handlungsschnelligkeit, um gewinnbringende Vorteile daraus zu ziehen. Zudem zeigten die Schützlinge von Dejan Radonjic in dieser Hochgeschwindigkeitspartie Schwächen in der Transition Defense, die Spencer Butterfield und Marius Grigonis zum Teil auch von der Dreipunktelinie bestraften.

Es war klar, dass die Münchner in der Bundeshauptstadt nicht noch einmal mit der gleichen Ausrichtung ins Rennen gehen würden. Es gelang ihnen exzellent, das Tempo auf einem niedrigeren Niveau zu etablieren, ohne dabei eigene Fastbreak-Chancen außer Acht zu lassen. Dazu kam eine deutlich stärkere physische Präsenz des Hauptrundenprimus, der seine Vorteile in diesem Bereich mit effektiver Konsequenz einsetzte.

Verteidigung

Nach den Erfahrungen der Auftaktpartie hatte die Münchner Verteidigung meiner Meinung nach drei zentrale Aufgaben für das nächste Aufeinandertreffen:

  • Das Berliner Passspiel zu verlangsamen.
  • Den Dreipunktewerfern Butterfield und Grigonis auf den Füßen zu stehen.
  • Den Berliner Fastbreak stoppen.

Und die Bayern zeigten sich all diesen Anforderungen gewachsen. Nachdem die beiden Berliner Distanzwurfspezialisten gleich zu Beginn des ersten Finales sieben Würfe von Downtown nehmen durften, waren es in der zweiten Begegnung übers ganze Spiel nur sieben zusammen. Zu meiner Zeit als Coach hatten wir immer das Ziel, herausragenden Dreierwerfern nicht mehr als vier Versuche pro Partie zu erlauben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Münchner mit einer ähnlichen Vorgabe ins Spiel gingen. In jedem Eins-gegen-eins-Duell waren die Gäste aggressiv, konzentriert und sehr exakt in der Umsetzung der Handlungsvorgaben.

Kochs Nachschlag

Jetzt ist es die Aufgabe der Berliner zu kontern. Aber wo besteht Steigerungspotenzial gegen den so stark besetzten Favoriten, der im Auswärtsspiel eine Topleistung ablieferte und auch viel mentale Stärke bewies?

Zunächst einmal müssen die Schlüsselspieler zulegen. Das gilt in erster Linie für Peyton Siva, der in dieser Serie bislang zwischen fahrig und fahrlässig agierte, was sich der achtmalige Deutsche Meister aber keinesfalls leisten kann, da sein Backup Stefan Peno ebenfalls mit einer deutlich zu hohen Fehlerquote unterwegs war.

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Telekom Sport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ erscheint regelmäßig auf der Homepage der easyCredit BBL.

Aber auch Luke Sikma muss sich steigern. Danilo Barthel ist an beiden Enden des Feldes ein unangenehmes Matchup für den MVP, dem es offensichtlich auch ein wenig an Frische fehlt.

Vor heimischer Kulisse wirkten die Albatrosse gehemmt, fast schon gelähmt. Vielleicht kehrt ja in München mit weniger Druck die unerträgliche Leichtigkeit des Spielens zurück. Die Bayern werden natürlich versuchen, dies erneut mit aller Macht zu unterbinden. Sie haben in Berlin die Verhältnisse zurechtgerückt und sich den Favoritenstatus zurückgeholt. Körpersprache und Fokus waren auch einem ganz anderen Level als in der Heimpartie. Möglicherweise hat der überraschende Ausfall von Braydon Hobbs durch seine Blinddarm-Operation die Münchner noch einmal zusammengeschweißt.

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