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Kochs Nachschlag
Der beste Geburtsjahrgang des deutschen Basketballs: Drei

Der beste Geburtsjahrgang des deutschen Basketballs: Drei "Nordamerikaner" und die Frontcourt-Spieler in der Bundesliga

— Stefan Koch

Im zweiten Teil schauen wir auf Louis Olinde, Richard Freudenberg, Philipp Herkenhoff und Filip Stanic aus der easyCredit BBL sowie Collegespieler Oscar da Silva und die beiden NBA-Profis Isaiah Hartenstein und Isaac Bonga.

Im ersten Bundesligaduell dieser Saison zwischen den beiden deutschen Euroleague-Teams schaffte ALBA BERLIN am vergangenen Sonntag die Überraschung: Auch ohne vier verletzte Leistungsträger (Peyton Siva, Marcus Eriksson, Niels Giffey und Luke Sikma, dazu Nachwuchsspieler Lorenz Brennecke) wurde Bayern München mit 85:72 besiegt. Wie das möglich war? Mitentscheidend für den Erfolg war der starke Auftritt eines Spielers des 1998er-Jahrgangs: Der im Sommer von den Albatrossen verpflichtete Nationalspieler Louis Olinde war Topscorer und effektivster und bester Spieler der Partie. Neben 17 Punkten griff er zwei Rebounds, klaute drei Mal den Ball, blockte einen Wurf und zog fünf Fouls. Wegen dieses bisher besten Auftritts in dieser Saison von ihm und das auch noch in einem Spitzenspiel, schaue ich in dieser Kolumne zuerst auf ihn:

Louis Olinde (ALBA BERLIN)

Louis Olinde ist ein Combo Forward moderner Prägung. Nach vier Jahren im Bamberger Programm wechselte der Allrounder vor der Saison nach Berlin, wo er sich bislang prächtig zurechtfindet. Olinde spielt in der Bundesliga im Schnitt über 25 Minuten, die meisten im Team. Dabei ist er defensiv mit seinen langen Armen und seinen Shotblocker-Qualitäten ein permanenter Faktor. Auch offensiv hat der 2,05-Meter-Mann seinen Rhythmus gefunden und bewegt sich hervorragend ohne Ball (der erste Korb im Video rechts sei als Beispiel erwähnt). Die Erfahrungen in der Euroleague werden ihn zusätzlich voranbringen. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird Louis Olinde seinen Marktwert in dieser Spielzeit deutlich steigern.

Isaiah Hartenstein (Denver Nuggets)

Eine Gemeinsamkeit von Isaiah Hartenstein und Louis Olinde ist, dass ihre Väter Florian (2001-12) und Wilbert (1977-87) beide lange in der Bundesliga spielten - aber der Werdegang der beiden Söhne zum Berufsbasketballer war trotzdem komplett unterschiedlich: Während Olinde Junior in Hamburg und Bamberg ausgebildet wurde, wechselte Isaiah Hartenstein mit 18 Jahren aus der Jugendarbeit der Artland Dragons nach Litauen zu Zalgiris Kaunas, wurde anschließend an 43. Stelle von den Houston Rockets gedraftet und arbeitete sich über die G-League in die NBA.

Vor dieser Saison wechselte er zu den Denver Nuggets, bei denen er deutlich mehr Chancen als zuvor bei den Houston Rockets erhalten wird. Zwar konnte der Linkshänder beim Farmteam Rio Grande Valley Vipers voll überzeugen, indem er eine Meisterschaft als Finals-MVP gewann und fette Zahlen auflegte (Video rechts), in den Small Ball der Rockets wurde er aber nie wirklich eingebunden. Der athletische Big Man galt bei uns immer als der Überflieger des Überfliegerjahrgangs. Seine Fähigkeiten als Abroller und Ringbeschützer sollten ihm über Jahre hinweg einen Platz in der NBA sichern. In seinen ersten sechs Partien für die Nuggets legte er in durchschnittlich acht Minuten 4,5 Punkte und 3,4 Rebounds auf.

Isaac Bonga (Washington Wizards)

Isaac Bonga war aufgrund seines Ballgefühls und seiner Spielübersicht lange Zeit für die Rolle des extrem großen Point Guards angedacht, seit seinem Wechsel in die NBA 2018 ist er aber auf den Flügelpositionen zu Hause. Auch wenn sein Distanzwurf besser geworden ist, muss sich der ehemalige Frankfurter seine Minuten bei den Washington Wizards über Verteidigung erarbeiten. In diesem Bereich liegen – vor allem auf NBA-Niveau – seine Stärken.

In dieser Saison stand er teilweise in der Startformation, in anderen Spielen wurde er dagegen überhaupt nicht berücksichtigt. In seinen ersten fünf Partien kam er in durchschnittlich 15 Minuten Parkettzeit auf 4,2 Punkte, 3,0 Rebounds und 1,0 Assists, wobei es um ihn (und seinen deutschen Teamkollegen Moe Wagner) immer mal wieder Tradegerüchte gibt. Die laufende Saison ist wichtig für den 21-Jährigen, da sein erster Dreijahresvertrag zum Ende der Spielzeit ausläuft.

Philipp Herkenhoff (RASTA Vechta)

Philipp Herkenhoff ist der beste U22-Spieler der Bundesliga und für RASTA Vechta unverzichtbar. Der Big Man punktet zweistellig, wirft gute Quoten und ist der zweitbeste Rebounder seiner Mannschaft. In den ersten elf Partien konnten die Niedersachsen noch nicht gewinnen, auch weil der 2,08 Meter große Youngster in nur sechs der elf Begegnungen dabei sein konnte. Die Verletzungsanfälligkeit ist definitiv ein Thema bei Herkenhoff, der ein sehr interessantes Skill-Set für seine Länge mitbringt. Mit seinem weichen Handgelenk kann er das Feld weit machen und möglicherweise in der Zukunft als Stretch Five noch mehr Schaden anrichten als auf der Power-Forward-Position. Was er am Ball und mit seiner Fußarbeit so anrichten kann, ist im Video rechts mit Highlights von seinem Dominanzauftritt bei der U20-EM im Sommer 2019 zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass in dieser Saison der Druck des Abstiegskampfes in Vechta nicht zu sehr auf dem jungen Mann lasten wird.

Oscar da Silva (Stanford University)

Oscar da Silva entschied sich als einziger der AST-Gewinner von 2016 für den mehrjährigen Weg übers US-College. An der Stanford University hat sich der Power Forward als zuverlässiger Performer etabliert und seine Werte Jahr für Jahr nach oben geschraubt. Vergangene Saison besuchte er mit seinem College-Team seine Heimatstadt München (Video rechts) und überstand kurz danach in einem Pflichtspiel einen gefährlichen Sturz samt Kopfverletzung glücklicherweise ohne dauerhafte Folgen (hier wäre die Szene zu sehen).

Aktuell befindet er sich in seiner Abschlusssaison und legt über 19 Zähler pro Partie auf, wobei er schon zwei Mal die Marke von 30 Punkten übertroffen und auch nette Poster verteilt hat. In den Mock Drafts taucht er nur vereinzelt spät in der zweiten Runde auf. Dennoch ist es möglich, dass in der kommenden Saison auch er in der NBA seine Chance erhalten wird.

Richard Freudenberg (FRAPORT SKYLINERS)

Richard Freudenberg war bei dem AST-Triumph von 2016 und dem EM-Bronze von 2018 jeweils Kapitän der DBB-Auswahl - und hatte seine beste Szene mit diesem Buzzerbeater-Dreier in Chemnitz zum 60:59-Auftaktsieg gegen Israel. In den Highlights rechts vom Albert Schweitzer Turnier erinnerte er mit seinen Allround-Fähigkeiten hin und wieder an Andrei Kirilenko, eben nur mit einem Jumpshot. Allerdings verlief danach in der Karriere nicht alles optimal. Nach seinen ersten BBL-Schritten in München und einem äußerst unbefriedigenden Jahr an der St. John’s University läuft er seit 2017 für die FRAPORT SKYLINERS auf, ist aber immer mal wieder verletzt und hat in dieser Saison aufgrund einer Fuß-OP noch keine Partie bestritten.

Im Frankfurter Spiel findet er vor allem als Stretch Four Verwendung. Dabei kommen ihm seine Ausbildung als Small Forward und sein sicherer Dreier zugute. Mehr Physis, vor allem beim Rebound, wäre aber hilfreich, um als Power Forward auch in Korbnähe besser zu bestehen. Dennoch ist der gebürtige Heidelberger der beste deutsche Spieler im Kader und mittlerweile auch ein Gesicht des Clubs. Wenn alles gut läuft, könnte er noch in diesem Monat aufs Parkett zurückkehren – und dann wäre es am wichtigsten, dass er gesund bleibt und konstant Einsatzzeit bekommt.

Filip Stanic (NINERS Chemnitz)

Bei Filip Stanic verhält es sich ähnlich wie bei Freudenberg: Der Big Man hat in dieser Saison bislang gerade viereinhalb Minuten gespielt, weil er sich bereits in der Auftaktpartie in Bamberg eine Muskelverletzung zuzog. Das ist besonders bitter, weil der Center eine gute Vorbereitung absolviert hatte und die Mannschaft ihn dringend benötigt. Die NINERS Chemnitz greifen die wenigsten Rebounds in der Bundesliga ab und genau da könnte das Kraftpaket zupacken.

Nach seiner BBL-Premiere 2017/18 bei den Rockets zog es das 2,06 Meter große Kraftpaket wie Kostja Mushidi nach Serbien. Nach einem Intermezzo in Oldenburg will er jetzt in Chemnitz beweisen, was in ihm steckt (im Video rechts gibt es einige Highlights von ihm von der U20-EM 2018). Schade, dass ihn die Verletzung erst einmal ausgebremst hat.

Kochs Nachschlag

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ erscheint regelmäßig auf der Homepage der easyCredit BBL.

Ich hoffe, ich konnte eure Begeisterung für die Spieler dieses hochinteressanten Jahrgangs wecken. An diesem Sonntag kommt es in Berlin zum Duell zwischen Louis Olinde und Ferdinand Zylka. Außerdem treffen die FRAPORT SKYLINERS auf die BG Göttingen. Richard Freudenbergs Rückkehr ist für den Januar avisiert, die Begegnung gegen die Veilchen dürfte aber vermutlich noch etwas zu früh kommen, so dass ein Aufeinandertreffen mit Nelson Weidemann eher unwahrscheinlich ist. Beide Partien werden ab 14.45 Uhr bei MagentaSport übertragen.

 

 

Hier findet Ihr den ersten Teil über den besten Geburtsjahrgang des deutschen Basketballs, in dem die Guards Bennet Hundt, Nelson Weidemann, Ferdinand Zylka und Kostja Mushidi thematisiert werden.

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