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Kochs Nachschlag
Wo steht der beste Geburtsjahrgang des deutschen Basketballs? Zuerst der Blick auf die Guards in unserer Liga

Wo steht der beste Geburtsjahrgang des deutschen Basketballs? Zuerst der Blick auf die Guards in unserer Liga

— Stefan Koch

Kein Jahrgang des deutschen Basketballs war stärker als der von 1998! Wo stehen Spieler wie Isaiah Hartenstein, Kostja Mushidi, Louis Olinde, Bennet Hundt, Richard Freudenberg und Oscar da Silva heute? Zuerst im Fokus: Die Guards.

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ erscheint regelmäßig auf der Homepage der easyCredit BBL.

Anfang der 1980er Jahre konnte der DBB erste internationale Erfolge im Jugendbereich feiern. Mit Detlef Schrempf und Gunther Behnke (beide Jahrgang 1963), dem leider schon verstorbenen Christian Welp (Jahrgang 1964), Stephan Baeck (Jahrgang 1965), Michael Koch und Kai Nürnberger (beide Jahrgang 1966), Henning Harnisch (Jahrgang 1968) und Henrik Rödl (Jahrgang 1969) gab es einen beachtlichen Talentpool, der 1993 – mit Ausnahme des NBA-Profis Schrempf – das Gerüst der Europameistermannschaft stellte.

Aber diese Erfolgsgeneration erstreckte sich von den Geburtsdaten her über sechs Jahre, der Jahrgang von 1998 dagegen hat in zwölf Monaten eine ähnliche Anzahl an ausnahmetalentierten Basketballern hervorgebracht. Nimmt man die 1999er Nelson Weidemann, Philipp Herkenhoff und Isaac Bonga hinzu, wird die Einzigartigkeit dieser Generation noch deutlicher.

Besonders bemerkenswert: Sowohl 2016 beim erstmaligen Gewinn des Albert Schweitzer Turniers unter Headcoach Harald Stein als auch zwei Jahre später beim Gewinn der Bronzemedaille bei der U20-EM in Chemnitz unter Alan Ibrahimagic fehlten die beiden heutigen NBA-Spieler Isaiah Hartenstein und Isaac Bonga.

Bei beiden Erfolgen dabei waren allerdings die Guards Bennet Hundt, Nelson Weidemann, Ferdinand Zylka und Kostja Mushidi, die aktuell alle in der easyCredit BBL spielen und auf die wir als erstes schauen:

(Nachtrag am 11.01.2021: Zwar war Würzburgs Nils Haßfurther nur 2018 beim EM-Bronze dabei, aber natürlich hätte er beim Blick auf diese Generation auch genannt werden müssen - und zwar hier bei den Guards, die in der Bundesliga spielen. Großes Versäumnis, Nils - und hiermit sei ein paar Tage später zumindest geschrieben: Mea culpa!)

Bennet Hundt (Brose Bamberg)

Bennet Hundt ist mit seinen 1,80 Metern hinter Hamburgs T.J. Shorts (1,75) der zweitkürzeste Profi der Liga, aber der gebürtige Berliner Spielmacher ist mit einem hohen Basketball-IQ und einer exzellenten Arbeitseinstellung ausgestattet. Defensiv ist der Linkshänder ein unangenehmer Gegenspieler, der es als Kompliment empfindet, dass ihm eine Terrier-Mentalität nachgesagt wird. Nachdem absehbar war, dass er bei den Albatrossen die Rotation nicht knacken würde, entschied er sich 2019 für den Wechsel nach Göttingen.

Nach einer starken Hauptrunde in Südniedersachsen, die vom A-Länderspieldebüt im Februar gekrönt wurde, war Bizeps-Bennet beim Final-Turnier 2020 der fitteste Spieler und legte in der ersten Partie des Turniers, einem 89:78-Sieg Göttingens gegen Crailsheim (Video-Highlights), gleich mal den Bestwert von 30 Punkten auf (Ludwigsburgs Thomas Wimbush gelang das später gegen Berlin auch). Daraufhin nahm ihn Coach Johan Roijakkers im Sommer 2020 mit nach Bamberg, wo er in dieser Saison bisher durchschnittlich 22 Minuten auf dem Parkett steht (7,3 Punkte und 4,0 Assists im Schnitt) und als bester Vorbereiter seines Teams brilliert.

Nelson Weidemann (BG Göttingen)

Nelson Weidemann, ebenfalls in Berlin geboren, ging mit seinem Trainer Roel Moors den Weg in die andere Richtung, von Oberfranken nach Göttingen. Nach seinen letzten drei Stationen (München, Bamberg und Göttingen) lässt sich auf den ersten Blick bilanzieren, dass sich der Guard mit der besonderen Athletik (ein oder zwei Beispiele gefällig?) von der Qualität der Teams her nicht verbessert hat. Aber das ist bei ihm nicht der richtige Blickwinkel, denn der 21-Jährige benötigt Spielzeit und Verantwortung, um seinem Traum von der NBA näherzukommen.

Weidemann bringt das Potenzial mit, an beiden Enden des Feldes entscheidende Akzente zu setzen, muss aber darauf achten, dass er seinen Fokus behält und nicht überdreht. Beim knappen und wichtigen 92:90-Auswärtssieg am Samstag in Gießen lieferte er mit zwölf Punkten ohne Fehlwurf und vier Assists eine Topleistung ab.

Kostja Mushidi (Basketball Löwen Braunschweig)

Kostja Mushidi netzte 2016 beim 70:65-Finalsieg des Albert-Schweitzer-Turniers gegen Serbien nicht nur 25 Punkte ein, sondern in der Crunchtime auch die entscheidenden Würfe und wurde zum Turnier-MVP gewählt (Video rechts) – und das, obwohl er als sechster Mann fungierte.

Die Rolle des Scorers von der Bank ist dem 1,94 Meter großen Shooting Guard auf dem Leib geschneidert. Allerdings hat er sich schon früh den Ruf eines Enfant terrible erworben, den er auch seit seiner Rückkehr nach Deutschland nach vier Jahren im Ausland noch nicht losgeworden ist. Nach einem starken Beginn der Saison 2019/20 mit 11,6 Punkten im Schnitt trennten sich die Basketball Löwen Braunschweig im Dezember 2019 aus disziplinarischen Gründen von dem Riesentalent.

Vor dieser Spielzeit kehrte er zurück, punktete in fünf Einsätzen drei Mal zweistellig (und mitunter auch durchaus spektakulär), fällt aber aktuell aufgrund einer Krankheit aus. Deshalb wünsche ich dem 22-Jährigen vor allem Gesundheit und eine hoffentlich baldige Rückkehr in den Trainings- und Wettkampfbetrieb. Jede Generation kann einen Spieler wie ihn gut gebrauchen, der bereits bei den Junioren und als Profi (wie hier gegen Ulm) gezeigt hat, dass er die Fähigkeit hat, Gamewinner zu treffen.

Ferdinand Zylka (JobStairs GIESSEN 46ers)

Ferdinand Zylka ist auch in Berlin geboren und dort bei ALBA BERLIN ausgebildet worden und war beim fünften Platz bei der U19-WM von 2017 bester Scorer des deutschen Teams (Video rechts). Mittlerweile spielt er bereits seine vierte Erstligasaison, streng genommen sogar schon seine fünfte, wenn man seine eine Partie für ALBA BERLIN in der Spielzeit 2016/17 nicht unter den Tisch fallen lässt. Das mag vielen Beobachtern entgangen sein, weil der Shooting Guard grundsätzlich bei Teams in unteren Gefilden tätig war und ist, bei den Rockets, beim MBC und jetzt bei den JobStairs GIESSEN 46ers. Derzeit ist der gebürtige Berliner (zu) stark auf die Rolle des Werfers festgelegt und hat in den ersten zehn Partien für Gießen gute acht Minuten im Schnitt bekommen, die er für 3,9 Punkte genutzt hat. Bei einer Größe von 1,90 Meter müsste er zusätzliche Spielmacherqualitäten entwickeln, um mehr als ein Joker zu sein. Da dies aber nur bedingt in seiner DNA verankert zu sein scheint, dürfte es für ihn schwer werden, mehr Minuten zu ergattern.

Kochs Nachschlag

Beim Nachschlag ist heute Schmalhans Küchenmeister. Deshalb gibt es nur kurz und knapp den Hinweis auf dem zweiten Teil am Sonntag (Nachtrag: klick!). Dann wird es um die Frontcourt-Spieler in der Bundesliga und die drei Jungs in Nordamerika gehen - namentlich sind das Louis Olinde, Richard Freudenberg, Philipp Herkenhoff, Filip Stanic, Isaiah Hartenstein, Isaac Bonga und Oscar da Silva.

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