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Home/Newscenter/„Das ist ein wildes Gehacke hier" – Was Robin Benzing in Uruguay erwartet

Kochs Nachschlag„Das ist ein wildes Gehacke hier" – Was Robin Benzing in Uruguay erwartet

02. Dezember 2022
Seit Sonntag ist Robin Benzing in Montevideo. Lange brodelte die Gerüchteküche, bei welchem BBL-Team er unterschreiben könnte. Dann wurde bekannt: Der langjährige Kapitän der Nationalmannschaft schlägt in Südamerika ein neues Kapitel in seiner Basketballkarriere auf. Die erste Frage, die dazu aufkam: Wieso?

Seit Sonntag ist Robin Benzing in Montevideo. Lange brodelte die Gerüchteküche, bei welchem BBL-Team er unterschreiben könnte. Dann wurde bekannt: Der langjährige Kapitän der Nationalmannschaft schlägt in Südamerika ein neues Kapitel in seiner Basketballkarriere auf. Die erste Frage, die dazu aufkam: Wieso?

Als ich Robin kontaktiere, ist er gerade auf dem Weg zum Training bei seinem neuen Verein Atletico Penarol Montevideo. Freundlich und verbindlich wie immer sagt er, dass wir direkt nach dem Training sprechen könnten. Nach der Übungseinheit rede ich dann mit dem 165-fachen Nationalspieler, dem die (Vor-)Freude auf seine neue Aufgabe deutlich anzumerken ist. In der Bundesliga Ulm, München und Würzburg (Highlight-Video unten) als Stationen, dazu in Spanien, der Türkei und Italien gespielt sowie für das DBB-Team bei fünf Europameisterschaften, zwei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen 2021 aufgelaufen – aber die Nummer jetzt in Südamerika ist in seiner 14-jährigen Profi-Laufbahn wohl das größte Abenteuer. 

Erste Eindrücke

Noch wohnt Robin im Hotel, aber das soll sich spätestens ändern, wenn seine Familie kurz vor Weihnachten nach Montevideo kommt und dann auch bis zum Saisonende bleiben wird. Jetzt heißt es erst einmal, sich an das andere Klima zu gewöhnen. Aktuell wird es bis zu 30 Grad warm in Uruguay, Tendenz steigend. Der Januar ist in der Regel der wärmste Monat des Jahres. Aber Robin ist weit davon entfernt, sich über die Hitze zu beschweren. Und auch sonst gefällt ihm sein neues Umfeld sehr gut. „Die Mannschaft ist supernett. Coach Pablo Lopez schaut häufig europäischen Basketball und verfolgt mich seit vielen Jahren. Er wollte mich unbedingt haben“, erzählt der 33-Jährige. 

Noch ist Vieles ungewohnt. Seit Robins Ankunft hat die Mannschaft ein Spiel bestritten, er wird aber erst in der nächsten Woche debütieren. „Das ist ein wildes Gehacke hier, die Schiris pfeifen kaum etwas“, sagt er. Dennoch glaubt er, dass sein Team über „mittleres BBL-Niveau“ verfügt. Er ist einer von vier Ausländern, drei dürfen in der uruguayischen Liga eingesetzt werden. In der südamerikanischen Champions League sind aber alle Legionäre spielberechtigt, um sich mit den Meistern aus Argentinien oder Brasilien zu messen. Robin wird in seine gewohnte Scorer-Rolle schlüpfen, denn „als Ausländer erwartet man von Dir, dass Du Würfe nimmst und punktest“.

Warum Uruguay?

„Es war ein sehr gutes Angebot, das beste, was ich bekommen habe“, erklärt er. In Europa habe es nur wenige Nachfragen gegeben, wobei aber nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Offerten zu wünschen übrigließ. „Meine Nichtteilnahme an der Europameisterschaft hat mir nicht geholfen. Aufgrund dessen wurde fälschlicherweise kolportiert, dass ich physisch nicht ready sei“, sagt er. Deshalb trainierte er beim ProB-Team in Koblenz mit, wofür er Coach Pat Elzie sehr dankbar sei: „Ich stand jeden Tag in der Halle und habe gearbeitet. Koblenz hat auf jeden Fall ProA-Niveau. Ich konnte zwar nicht spielen, aber dort zu trainieren, hat mir insgesamt sehr geholfen.“ 

Die Nachfragen aus der ersten Liga waren überschaubar und von Lukrativität weit entfernt, aber trotzdem hat er nicht ernsthaft darüber nachgedacht, seine Karriere zu beenden. Robin räumt ein, dass er gezweifelt hat, aber der Glaube an sich selbst und seine Fähigkeiten sei deutlich größer gewesen. Insgesamt sei es für ihn natürlich ein schwerer Sommer gewesen: „Mein Herz wurde gebrochen, als ich aus der Nationalmannschaft flog, vor allem auch aufgrund der Art und Weise.“ Auch übers Telefon und gut 11.000 Kilometer Entfernung ist ihm immer noch anzumerken, wie sehr ihn das Thema aufwühlt.

Kochs Nachschlag

Doch Robin Benzing liebt Basketball und schaut nach vorne. Natürlich ist der Sport für ihn eine wichtige Einnahmequelle, was er unumwunden zugibt, zumal die Zeit als Profi beschränkt ist, aber es sei für ihn auch eine Passion. „Basketball gibt mir Freude, viele Erfahrungen und Facetten, die man in anderen Lebensbereichen nicht erhält. Dazu gehört auch die Bestätigung durch die Fans. Mit Basketball kannst Du wachsen und auch lernen, mit Enttäuschungen umzugehen“, sagt er. So kam er als Mensch auch immer rüber: Für Robin Benzing ist Basketball nicht der eine, aber ein wichtiger Lebensinhalt.

Wie wird es nach dieser Saison weitergehen? Gerade auf den Ausländerpositionen sind in Südamerika Akteure mit einem großen Erfahrungsschatz gefragt. Bei Atletico Penarol ist Robin mit seinen 33 Jahren der jüngste Legionar. Die beiden Amerikaner sind 36 und 35 Jahre alt, der Puerto-Ricaner David Huertas 35. Sollte er eine gute Saison absolvieren, könnte er sich für die noch interessanteren Märkte in Argentinien und Brasilien empfehlen. Ein Szenario, das für ihn gut vorstellbar ist. Es steht zu erwarten, dass die illustre Karriere von Robin Benzing mit vielen Erfahrungen und Facetten spannend und abenteuerlich weitergehen wird.

Ich wünsche Dir alles Gute, Robin!

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.