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Home/Newscenter/Von den Point Guards bis zu den Centern: Das Halbfinale zwischen Bonn und München

Kochs NachschlagVon den Point Guards bis zu den Centern: Das Halbfinale zwischen Bonn und München

26. Mai 2022
Nach Berlin gegen Ludwigsburg steht jetzt die zweite Halbfinalserie Bonn gegen München im Fokus – zwei Teams, die sich in der Hauptrunde die Siege teilten, wobei vor allem das 96:61 der Bonner zu Hause als höchste Saisonniederlage der Bayern in Erinnerung geblieben ist. Wir gehen direkt in medias res und starten mit den Spielmachern, die mit dem Duell zwischen Parker Jackson-Cartwright und Nick Weiler-Babb ein prickelndes Highlight zu liefern versprechen.

Nach Berlin gegen Ludwigsburg steht jetzt die zweite Halbfinalserie Bonn gegen München im Fokus – zwei Teams, die sich in der Hauptrunde die Siege teilten, wobei vor allem das 96:61 der Bonner zu Hause als höchste Saisonniederlage der Bayern in Erinnerung geblieben ist. Wir gehen direkt in medias res und starten mit den Spielmachern, die mit dem Duell zwischen Parker Jackson-Cartwright und Nick Weiler-Babb ein prickelndes Highlight zu liefern versprechen.

Die Point Guards

Der MVP befindet sich in Topform (Video unten). Nachdem Parker Jackson-Cartwright wegen eines Trauerfalls die letzten fünf Hauptrundenpartien verpasst hatte, kehrte er zum Playoff-Start ins Bonner Team zurück und zerstörte die Hamburg Towers. 36 Punkte pro Spiel legte PJC in der Serie auf und traf dabei 21 von 40 Dreiern. Beim Pick and Roll unter dem Block durchzugehen, war lange ein beliebtes Mittel gegen den Publikumsliebling vom Hardtberg, ist aber jetzt nicht mehr praktikabel. Mit Nick Weiler-Babb trifft er auf einen Kontrahenten, der gegen Chemnitz zwar nicht die Zahlen seines Bonner Pendants aufrufen konnte, aber trotzdem mit 15 Punkten (54 Prozent Dreier) und je 3,7 Rebounds und Assists bärenstark aufspielte. NWB ist der beste Guard-Verteidiger der Liga und bringt einen klaren Größenvorteil mit, den er defensiv und offensiv (Post-up, wenn er von PJC verteidigt wird) einsetzen wird. Wir sollten davon ausgehen, dass die Münchner Jackson-Cartwright immer wieder attackieren werden. Das gilt auch für seinen Back-up Skyler Bowlin, der nachweislich kein besonders guter Verteidiger ist. Wen außer Weiler-Babb werden wir bei den Münchnern sehen? Gute Frage, Zan Sisko musste in Chemnitz schon früh mit Rückenproblemen das Parkett verlassen, und Corey Walden fällt schon eine gefühlte Ewigkeit aus.

Die Shooting Guards

Das könnte bedeuten, dass Ognjen Jaramaz, der eigentlich in diese Kategorie hier gehört, auf der Spielmacherposition aushilft. Mit seinen Scoring-Optionen wäre er sicher unangenehm für die Bonner Guards. Zwar könnte Karsten Tadda immer den jeweils gefährlicheren Münchner Angreifer übernehmen, aber bei der Qualität des Bayern-Kaders gibt es keine Gegenspieler, gegen die man die nominellen Point Guards defensiv verstecken könnte. Crossmatching dürfte besonders schwer werden, wenn Nihad Djedovic als Shooting Guard spielt. Ich denke, dass die Bonner bei entsprechenden körperlichen Nachteilen Münchner Guards im Low Post doppeln werden. Die Aufgabe gegen Andi Obst sieht aber anders aus. Der Nationalspieler ist die primäre Option der Trinchieri-Schützlinge von jenseits der 6,75 Meter.

Die Small Forwards

Jeremy Morgan, der in Hamburg überraschend aussetzte, Tyson Ward, Oleksandr Lypovyy und Javontae Hawkins, der in den letzten Spielen der Starter auf der Vier war, können hier für die Bonner auflaufen. Die Bayern haben mit Vlado Lucic einen Big-Game-Player, der schon oft den Unterschied gemacht hat. Sollte Jason George nach seiner Knöchelblessur in Chemnitz dabei sein, kann er auf der Drei Entlastungsminuten liefern. Paul Zipser scheint noch nicht weit genug zu sein, um in den Playoffs eingreifen zu können. Viel wird auf dieser Position davon abhängen, welche Bonner Spieler im Kader stehen werden, und ob Tuomas Iisalo eher big oder small gehen wird.

Die Power Forwards

Small ist die Variante mit Javontae Hawkins als Power Forward. Der 28-Jährige ist der wichtigste Punktegarant nach Jackson-Cartwright. Als tougher 1-1-Scorer kann er innen und außen punkten. Sein Wahnsinnsdreier zum Sieg in der Auftaktpartie war der wichtigste Wurf in der Serie gegen die Towers. Die Bayern aber haben einen ganz ähnlichen Spielertypen in ihren Reihen: Deshaun Thomas. Im Gegensatz zu Hawkins ist er Linkshänder und fünf Zentimeter größer, was ihm Vorteile am Brett sichert. Für viele Spieler in der Liga gilt der 30-Jährige als das schwierigste Match-up im Frontcourt. Neben ihm verfügen die Bayern noch über Mr. Zuverlässig: Augustine Rubit. Auf Bonner Seite stand Justin Gorham zuletzt nicht sonderlich hoch im Kurs, wäre aber durchaus eine Option, da das Pick-and-Pop mit Saulius Kulvietis gegen die Switch-Verteidigung der Münchner nicht unbedingt erfolgsversprechend ist und zudem die Dreierquote des Litauers von der Hauptrunde (40,2 Prozent) zum Viertelfinale (19,7 Prozent) dramatisch sank.

Die Center

Solange die Coaches nicht mit nominellen Power Forwards agieren, geht es hier in erster Linie um harte und ehrliche Arbeit: Verteidigung und Rebound. Die Bigs der Bayern müssen nach dem Switch im Pick and Roll PJC vor sich halten. Das ist eine Aufgabe, für die Leon Radosevic prädestiniert scheint. So wie Kulvietis auf der anderen Seite, kann auch er das Feld weit machen, ein nicht unerheblicher Faktor, wenn die Bayern PJC aufposten sollten. Michael Kessens muss ebenso wie Leon Kratzer nach den Switches der Münchner schnell tiefe Position finden.

Kochs Nachschlag

Welche Ausländer setzen aus? Während bei den Bayern für die Beantwortung dieser Frage die Verletzungen eine wichtige Rolle spielen, kann Iisalo primär taktisch entscheiden. Die Mannschaft von Andrea Trinchieri hat mit 75 gegenüber 38 Bonner Pflichtspielen fast schon das doppelte Pensum absolviert, und die Telekom Baskets verfügen zudem über den Heimvorteil. Dennoch sehe ich den Euroleague-Teilnehmer aufgrund seiner Qualität und Erfahrung in einer leichten Favoritenrolle. Einen Sweep wie bei Berlin – Ludwigsburg erwarte ich aber nicht.

Zur Person:

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.