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Home/Newscenter/Von München 1972 bis Manila 2023 bis zum ersten Auftritt nun als Weltmeister: Meilensteine der Nationalmannschaft

Kochs NachschlagVon München 1972 bis Manila 2023 bis zum ersten Auftritt nun als Weltmeister: Meilensteine der Nationalmannschaft

22. Februar 2024

Bei der „BMW Night of the Legends” im Rahmen des Pokalwochenendes waren auch Nationalspieler aus den vier wichtigsten Epochen des deutschen Basketballs anwesend. Am heutigen Donnerstag tritt die DBB-Auswahl erstmals als amtierender Weltmeister auf, und aus diesem Anlass schaue ich zurück auf vier Generationen, die entscheidend dazu beigetragen haben, Basketball in Deutschland zu dem zu machen, was es heute ist.

In anderen Ländern ist es schon eine kleine Tradition, zum Pokalendturnier herausragende Spieler verschiedener Generationen einzuladen. In Deutschland wurde am Wochenende diesbezüglich ein Anfang gemacht. Beim von Marko Pesic initiierten und von Steffen Hamann organisierten Legendentreffen fanden sich im würdigen Rahmen einer Gala am Freitagabend viele große Namen ein, die bei großer Wiedersehensfreude in Erinnerungen schwelgten.

Die vier Medaillentrainer Svetislav Pesic, Gordon Herbert, Henrik Dettmann und Dirk Bauermann mit Rekordnationalspieler Patrick Femerling (221 Länderspiele). Foto: Martin Vogel / FCBB

Da neben vielen verdienten Nationalspielern mit Svetislav Pesic (EM-Gold 1993), Henrik Dettmann (WM-Bronze 2002), Dirk Bauermann (EM-Silber 2005) und Gordon Herbert (EM-Bronze 2022 und WM-Gold 2023) auch die vier Medaillenbundestrainer vor Ort waren, ist dies ein wunderschöner Anlass, einen Blick auf die Entwicklung der Nationalmannschaft in den vergangenen 50 Jahren zu werfen.

Denn schließlich tritt die DBB-Auswahl in dieser Woche das erste Mal seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr wieder an. Der erste Auftritt von vielen in den kommenden noch dreieinhalb Jahren als amtierender Weltmeister. Am Donnerstag geht es in Ludwigsburg gegen Montenegro (live und free ab 19. Uhr hier auf MagentaSport) und am Sonntag in Bulgarien um die ersten Zähler in der Qualifikation für die Europameisterschaften 2025. Wir katapultieren uns aber jetzt erst einmal fast 52 Jahre zurück zum ersten großen Moment des deutschen Basketballs.

1972: DBB-Team erstmals bei Olympischen Spielen

Die DBB-Auswahl bei den Olympischen Spielen 1972 in München (Foto: DBB).

Als Gastgeber nahmen die bundesdeutschen Basketballer in München erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg an Olympischen Spielen teil und machten ihre Sportart einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Gespielt wurde in der damals extra erbauten olympischen Basketballhalle, in der als heutigem BMW Park am vergangenen Wochenende auch der Gewinner des BBL-Pokals ermittelt wurde. Mit dem späteren Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner und Norbert Thimm waren die zwei überragenden Spieler dieser Mannschaft von 1972 am Wochenende in München. Thimm spielte unmittelbar danach sogar zwei Saisons für Real Madrid, was für einen deutschen Spieler zu dieser Zeit eine ganz große Nummer war. Dieser Auftritt bei Olympia, die DBB-Auswahl belegte mit einer Bilanz von drei Siegen und sechs Niederlagen den zwölften Platz bei 16 Teams, war ein erster Schritt, Basketball in Deutschland bekannter zu machen, aber es sollte noch dauern, bis das Spiel unter den Körben über den Status des Studentensports hinauswachsen würde.

1993: Der sensationelle Gewinn der Europameisterschaft

Sensations-Europameister 1993: Deutschland (Foto: Holger Sauer).

21 Jahre später war der Ort des Geschehens erneut München: die Endrunde der Europameisterschaft 1993. Nach durchwachsenen Leistungen in der Vor- und Zwischenrunde kommt die deutsche Mannschaft ins Rollen und sichert sich am Ende die Trophäe. Das ist bis heute eine der größten Überraschungen in der EM-Historie, schließlich war die DBB-Auswahl für die beiden Europameisterschaften zuvor, 1991 in Rom und 1989 in Zagreb, nicht mal qualifiziert gewesen. Die DBB-Auswahl wird erstmals zur Mannschaft des Jahres in Deutschland gekürt. Unvergessen bleibt der Sieg-Korb des leider schon verstorbenen Christian Welp nach Assist von Kai Nürnberger. Mit Michael Koch, Hansi Gnad und Teoman Öztürk nahmen drei Europameister am Legendentreffen teil (Gnad und Koch bilden derzeit übrigens das Trainergespann beim Rekordmeister Leverkusen).

2002 und 2005: Edelmetall mit dem Wunderknaben

WM-Bronze 2002 in Indianapolis (Foto: imago/Camera 4).

Nach der ersten Olympia-Teilnahme 1972 und der Sensation von 1993 folgt ab der Jahrtausendwende die Generation um den Wunderknaben aus Würzburg, der unsere Sportart weltweit verändert hat: Dirk Nowitzki. Erstmals ein Basketballer, der in Deutschland über die Basketball-Szene hinausstrahlt. 2001 hätte es für seine Generation bereits beinahe mit der ersten Medaille geklappt. Im Halbfinale der EM 2001 in der Türkei war die „neue“ Mannschaft nur ein Foul gegen die Gastgeber davon entfernt, ins Endspiel einzuziehen. Ein Jahr später klappte es mit dem ersten Edelmetall bei einer Weltmeisterschaft: Bronze 2002 in den USA. Drei Jahre später, 2005, folgte Silber bei der EM in Serbien.

EM-Silber 2005 in Belgrad (Foto: DBB/Camera 4).

Bei beiden Medaillengewinnen war Nowitzki MVP und Topscorer des Turniers. Aber diese Generation hatte weit mehr als nur ihn zu bieten. Der leider schon von uns gegangene Ademola Okulaja war einer der besten Forwards in Europa. Dazu kam eine Vielzahl großartiger Rollenspieler und Charaktere, ohne die diese Erfolge nicht möglich gewesen wären. Stephen Arigbabu, Mithat Demirel, Patrick Femerling, Robert Maras und Marko Pesic waren an beiden Medaillengewinnen beteiligt. Jörg Lütcke gewann WM-Bronze, Demond Greene und Sven Schultze schmückten sich mit EM-Silber. Sie alle waren am Wochenende in München.

2022 und 2023: Als Krönung ungeschlagen zum WM-Titel

Nach 2005 mussten die deutschen Basketballer 17 Jahre auf den nächsten großen Erfolg warten. Bei der Heim-EM 2022 herrschte vor allem in der mit 18.500 Besuchern ausverkauften Arena in Köln eine Stimmung, die man bis dato hierzulande noch nicht erlebt hatte. Die Mannschaft und die Fans pushten sich wechselseitig nach vorne. Obwohl die DBB-Auswahl nicht in Bestbesetzung antreten konnte, stand am Ende die Bronzemedaille.

EM-Bronze 2022 in Berlin (Foto: FIBA).

Aber das war nur die Ouvertüre für die ganz große Oper im Jahr darauf bei der WM 2023. Angeführt von Kapitän und MVP Dennis Schröder begeisterte die talentierteste deutsche Mannschaft aller Zeiten mit vier NBA- und sieben Euroleague-Spielern sogar die internationalen Fans und marschierte ungeschlagen zum WM-Titel. Das Halbfinale gegen den Favoriten USA war das wohl beste Spiel der FIBA-Geschichte (zugegeben: das 118:107 im Olympischen Finale von 2008 zwischen den USA und Spanien war auch ganz ansehnlich). Beim Legendentreffen am Freitag war leider keiner der Weltmeister zugegen. Dennis Schröder kam aber am Samstag und Sonntag zu den Spielen und sah seinen Mitmedaillengewinnern Nick Weiler-Babb, Andreas Obst, Isaac Bonga, Niels Giffey und Johannes Thiemann bei der Arbeit zu.

Weltmeister 2023 in Manila (Foto: FIBA).

Kochs Nachschlag

Und damit sind wir in der Gegenwart angekommen, in der wir alle spüren, dass Basketball in Deutschland irgendwie bekannter, größer, beliebter ist – oder wie Moe Wagner sagt: „German Basketball is mad sexy“.

Aber keine Gegenwart ohne die Leistungen in der Vergangenheit. Und diesbezüglich hat die tolle Veranstaltung in München einen Stein ins Rollen gebracht. Repräsentanten der Liga und des Verbandes wollen sich bezüglich einer deutschen Hall of Fame austauschen. Das wäre ein großartiger nächster Schritt, der aber eine längere Vorlaufzeit und gute Planung benötigt. Dort müssen dann alle Legenden, auch die des Damen- und Rollstuhlbasketballs, einen Platz finden.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.