Der letzte Spieltag der Hinrunde ist absolviert und damit der richtige Zeitpunkt gekommen, euch meine Mannschaft der ersten Saisonhälfte zu präsentieren. Dabei halte ich mich konsequent an die 6+6-Regel und stelle einen Zwölferkader zusammen, der wettbewerbstüchtig ist, also die entsprechende Zahl an Guards, Forwards und Centern aufweist. Wer Lust hat, kann ja mit Kenntnis der sechs deutschen Spieler spekulieren, welche internationalen Akteure im nächsten Nachschlag noch dazukommen könnten.
Jack Kayil (ALBA BERLIN, Point Guard)
Seit Dienstag ist der Berliner kein Teenager mehr. Nachträglich alles Gute zum 20. Geburtstag! Der Youngster bringt einen wunderbaren Mix an Fähigkeiten mit. Da ist einerseits die exzellente Ausprägung von Athletik und Spielverständnis, andererseits die fein austarierte Balance zwischen Scoring und Playmaking, und darüber hinaus hat er auch bereits mehrfach bewiesen, dass er die Nerven hat, entscheidende Würfe zu versenken. Seit dem Jahreswechsel hat Kayil noch eine Schippe draufgelegt. So wurde er am ersten Spieltag der Round of 16 in der Champions League in das Team der Woche berufen und erreichte am Sonntag gegen Bamberg mit 24 Punkten (16/17 Freiwürfe) eine neue Bestmarke in der Bundesliga.

Andreas Obst (FC Bayern Basketball, Shooting Guard)
Der Münchner ist der beste deutsche Spieler in Europa. Es wurde schon oft darüber gesprochen und geschrieben, wie eindrucksvoll der 29-Jährige sein Repertoire in den letzten Jahren erweitert hat. Diese Entwicklung hat in einer stetigen Verbesserung der „neuen“ Facetten ihre Fortführung gefunden. Seit Svetislav Pesic die Bayern übernommen hat, spielt der Shooting Guard noch stärker. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, wobei als Marktwert für ein neues Arbeitspapier die Summe von 1,5 Millionen Euro netto pro Saison kolportiert wird. Warum nicht? Obst ist einer der besten Shotmaker auf diesem Planeten.
Spencer Reaves (SYNTAINICS MBC, Shooting Guard)
Der Linkshänder spielte in der vergangenen Spielzeit eine Most-Improved-Player-Saison, fand aber in meinem Vorrundenteam keine Berücksichtigung. Ein weiteres Mal kann und will ich dies dem Deutsch-Amerikaner nicht vorenthalten. Reaves ist ein exzellenter Dreipunktewerfer und hat sich als Vorbereiter verbessert. Die Weißenfelser befinden sich derzeit auf Talfahrt, was aber nicht an ihm liegt. Der Bruder von NBA-Star Austin Reaves legte in den letzten drei Begegnungen im Schnitt 21,3 Punkte und 4,3 Assists auf, wobei er 50 Prozent seiner Dreipunktewürfe im Korb versenkte.

Christian Sengfelder (ratiopharm ulm, Power Forward)
Nach einer Saison in Dijon, wo er auch viel als Center eingesetzt wurde, ist der Nationalspieler zurück in Deutschland. In Ulm wird er seinem Ruf als effektiver Rollenspieler einmal mehr gerecht. Er trifft herausragende 76 Prozent aus dem Zweierbereich und ist in nur 21 Minuten Spielzeit der zweiteffektivste deutsche Spieler der Liga. Seine Werte im Eurocup sind fast identisch. Der 30-Jährige ist kein Athlet, besticht aber mit einem hohen Verständnis für seine Aufgaben und das Spiel sowie guter Fußarbeit. Dazu verfügt der gebürtige Leverkusener über ein feines Näschen für den Offensiv-Rebound.
Till Pape (SKYLINERS, Power Forward)
Die beiden letzten Sätze bilden die perfekte Überleitung zu Till Pape, weil sie (bis auf das Alter) auf ihn genauso zutreffen und er vom Spielertyp her mit Sengfelder vergleichbar ist. Ach ja, die beiden Herren können auch Dreier werfen. Zudem sind sie in der Lage, auch als Center zu agieren, was von Bedeutung sein wird, wenn ihr alle zwölf Spieler des Vorrundenteams kennen werdet. Pape ist der mit Abstand wichtigste deutsche Spieler im Frankfurter Kader und einer der Gründe, warum die Hessen über den Erwartungen liegen. Außerdem ist der Mediziner bereits in seinem ersten Jahr bei den SKYLINERS Kapitän, was für seine sozialen Kompetenzen spricht.

Kevin Yebo (NINERS Chemnitz, Center)
Mit seiner Mobilität stellt der 29-Jährige seine Kontrahenten vor unlösbare Probleme. Kaum ein Center kann den Deutsch-Ivorer ohne Foul stoppen, wenn er den Ball auf den Boden setzt, weshalb er mit 6,3 Versuchen pro Partie Stammgast an der Freiwurflinie ist. Wie immer, wenn er das Chemnitzer Trikot trägt, ist er der effektivste deutsche Spieler der Liga. Zudem ist Yebo der beste Scorer unter den einheimischen Akteuren, weshalb ich ihn als besten deutschen Spieler außerhalb des Bayern-Kaders einstufe. International brilliert er als drittbester Scorer im Eurocup!
Kochs Nachschlag
Welcher Spieler verfehlte die Nominierung am knappsten? Hier lande ich bei Tobias Jensen von ratiopharm ulm. Der Däne verfügt zwar über keinen deutschen Pass, fällt aber trotzdem nicht unter die Ausländerregelung, weil er aufgrund seiner Jahre als Jugendspieler in Deutschland als Local Player gilt. Der 21-Jährige füllt den Statistikbogen in allen Kategorien und steht beim deutschen Vizemeister länger als jeder andere auf dem Parkett. Nach seinem Durchbruch in der Vorsaison wird er deutlich mehr als Ballhandler genutzt und zeigt dabei seine Fähigkeiten im Pick-and-Roll. Allerdings ist er nicht mehr so exakt bei vielen Kleinigkeiten wie zuvor.
In seiner zweiten Kolumne zu seinem persönlichen Hinrundenteam stellt Stefan Koch seine sechs ausländischen Profis vor - und der Topscorer der Liga ist nicht dabei!

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".




















