In der Basketball Champions League wurden in dieser Woche die Play-Ins zur Ermittlung der letzten Zwischenrundenteilnehmer abgeschlossen. Im Eurocup maßen sich Ulm und Chemnitz in einer ganz wichtigen Begegnung zum zweiten Mal miteinander. Im FIBA Europe Cup trafen die Rostocker auf den Wettbewerbsfavoriten Murcia. Und last, but not least: In der Euroleague ging es für die Bayern gegen Panathinaikos Athen. Damit spielten die Münchner direkt nach dem Auftritt bei Olympiakos Piräus gegen das zweite hellenische Schwergewicht. Aus meiner Sicht verfügen die beiden griechischen Klubs über die besten Kader in Europa. Es ist also ein fast schon idealer Zeitpunkt, um in einer Zwischenbilanz das bisherige Auftreten der deutschen Mannschaften in den kontinentalen Wettbewerben zu beurteilen. Dabei konzentriere ich mich auf die von der FIBA und ULEB organisierten Konkurrenzen, weshalb ich auf den SYNTAINICS MBC nicht eingehe.
Euroleague
Der FC Bayern Basketball hat seine letzten drei Heimspiele gewonnen und darf deshalb zumindest von den Play-Ins wieder träumen. Nach den Siegen gegen Maccabi Tel Aviv (Highlights) und ein stark ersatzgeschwächtes Vitoria war die Begegnung am Donnerstag gegen Panathinaikos ein echter Gradmesser. Auch wenn der Mitfavorit ohne seinen Topscorer Kendrick Nunn anreiste, sahen sich die Münchner einem Starensemble gegenüber. Die Art und Weise, wie die Schützlinge des neuen Coaches Svetislav Pesic die Begegnung im Schlussviertel für sich entschieden, darf Mut machen. Am Ende waren es zwei unglaubliche Dreier von Andi Obst, die den Griechen das Genick brachen.
Der Shooting Guard erzielt seit dem Trainerwechsel 21 Punkte pro Partie in der europäischen Königsklasse, darunter sein Europapokal-Bestwert von 37 Zählern gegen Vitoria (Highlights). Aber der Deutsche Meister hat noch einen weiten Weg vor sich. Derzeit hat er vier Siege Rückstand auf den zehnten Platz, aber auch noch 16 Spiele vor der Brust. Gegen Panathinaikos schieden in Stefan Jovic und Neno Dimitrijevic die beiden noch zur Verfügung stehenden Point Guards mit Kopfverletzungen aus. Sollte dieses Duo länger fehlen, dürfte die ohnehin schon schwere Aufgabe kaum zu meistern sein. Die Bayern sind auf einem guten Wege, den SAP Garden wieder als Heimfestung zu etablieren. Aber es bedarf auch Erfolgen in fremden Hallen. Dort konnten die Münchner bislang erst einmal punkten. Die Phase mit sieben Auswärtspartien in Folge (was für eine katastrophale Spielplangestaltung!), die allesamt verloren gingen, kostete Gordon Herbert letztendlich seinen Job. Jetzt zeigt der Richtungspfeil aber eindeutig nach oben.
Eurocup
Die Veolia Towers Hamburg nehmen zum fünften Mal in Folge am Eurocup teil. Nachdem die vorherigen Spielzeiten schon nicht von Erfolgen gekrönt waren, sind die Hanseaten dieses Mal nicht mehr als Kanonenfutter. Alle 14 Begegnungen gingen verloren. Die durchschnittliche Punktedifferenz liegt bei -17,4! Die letzten vier Partien finden alle zu Hause statt. Dabei sollte zumindest gegen den Vorletzten Wroclaw ein Sieg möglich sein.
Während die Hamburger in der Gruppe A an den Start gehen, sind die beiden anderen deutschen Mannschaften der Gruppe B zugelost worden. Für den Siebten wird die Saison beendet sein, während der Sechste weiter im Wettbewerb bleibt. Genau an dieser Schnittstelle tummeln sich Ulm und Chemnitz.
Für ratiopharm ulm war das deutsch-deutsche Duell gegen die NINERS am Mittwoch schon ein Endspiel. Bei danach vier verbleibenden Partien wäre es für den Vizemeister bei einer Niederlage so gut wie unmöglich gewesen, noch unter die ersten Sechs zu stoßen. Doch die Ulmer gewannen ersatzgeschwächt nicht nur das Spiel mit 88:76, sondern auch den direkten Vergleich mit genau einem Zähler.
Aktuell liegen sie als Siebter knapp außerhalb des Teilnehmerfeldes für das Achtelfinale. Sollte man am Ende mit den Chemnitzern, die aktuell einen Sieg mehr auf ihrem Konto aufweisen, punktgleich stehen, würde man die Sachsen überholen. Leicht wird das für die Schützlinge von Ty Harrelson trotz des überzeugenden Auftritts gegen die NINERS aber nicht. Neben der angespannten Personalsituation spricht auch das Restprogramm mit nur noch einem Heimspiel gegen Ulm. Die Mannschaft ist inkonstant, was aber verständlich ist, weil dieses tolle Ausbildungsprogramm aufgrund der finanziellen Attraktivität der US-Colleges nicht so qualitativ hochwertige Talente wie in den Vorjahren verpflichten konnte.
Im Gegensatz zum Dauergast Ulm sind die NINERS Chemnitz ein Newcomer im Eurocup. Der Sieger des FIBA Europe Cups 2024 wechselte erstmals ins ULEB-Lager. Nach einigen knappen Niederlagen zu Saisonbeginn stabilisierte sich die Mannschaft von Rodrigo Pastore zusehends und konnte vor der bitteren Niederlage in Ulm vier Begegnungen in Folge gewinnen. Offensiv trägt Kevin Yebo, der mit 18,5 Punkten aktuell der drittbeste Scorer des Wettbewerbs ist, die Mannschaft. Bislang überzeugen die Chemnitzer aber eher am defensiven Ende des Feldes, an dem sie sich deutlich stabiler als in der Bundesliga zeigen. Die noch ausstehenden Spiele haben es in sich. Die Sachsen treffen ausschließlich auf Kontrahenten, die in der Tabelle vor ihnen platziert sind.
Das Wunschszenario aus deutscher Sicht wäre, dass beide Teams noch den Fünften Trento abfangen würden. Das ist nicht unmöglich, weil sowohl Chemnitz (am vorletzten Spieltag zu Hause) als auch Ulm (am letzten Spieltag auswärts) noch auf die Italiener treffen. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich Ulm und Chemnitz um den letzten Achtelfinalplatz duellieren und eine deutsche Mannschaft ausscheiden wird.
Kochs Nachschlag
Das Abschneiden der deutschen Klubs in den beiden ULEB-Wettbewerben liegt bislang im unteren Bereich der Erwartungen. Aber mit Ausnahme der Towers haben alle Teams noch die Möglichkeit, sich zu verbessern.
Am Dienstag folgt der zweite Teil meines europäischen Zwischenfazits mit der Champions League und dem FIBA Europe Cup (Update: Der Artikel ist inzwischen hier online).

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".




















