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Home/Newscenter/Comeback nach 20 Punkten Rückstand: Berlin krönt sich in München in Rekordmanier zum Deutschen Meister 2026!

NachberichteComeback nach 20 Punkten Rückstand: Berlin krönt sich in München in Rekordmanier zum Deutschen Meister 2026!

21. Juni 2026

ALBA BERLIN ist Deutscher Meister 2026! Die Berliner gewinnen ein dramatisches fünftes Spiel der Finalserie der easyCredit BBL gegen den FC Bayern Basketball mit 84:81 und drehen dabei einen Halbzeit-Rückstand von 20 Punkten. Bester Spieler des Abends und Finals-MVP ist Justin Bean, der mit 18 Punkten, zwölf Rebounds und fünf Assists eine Gala-Vorstellung zeigt.

Stand: FC Bayern Basketball (1) - ALBA BERLIN (2) 2-3

Spielverlauf und Wendepunkt: Dass Berlin in dieser Serie schnell spielen möchte, sollte sich nach vier Spielen eigentlich bis nach München herumgesprochen haben. Wahrscheinlich hat es sich das auch, aber dennoch konnte der FC Bayern ALBAs Offensiv-Rhythmus anfangs nicht brechen. Nach dreieinhalb gespielten Minuten lagen die Gäste bereits mit 15:9 vorne, ehe München in der Verteidigung besseren Zugriff fand. Da im Angriff der wieder genesene Justinian Jessup und Johannes Voigtmann zwei Dreier netzten, gingen die Bayern mit einer Führung von 25:20 in die erste Viertelpause. Trotz zweier Auszeiten von Pedro Calles fand Berlin im Angriff nicht mehr die Leichtigkeit der Anfangsphase. Bayern bestrafte zwei Ballverluste jeweils durch zwei Dreier von Andi Obst und setzte sich so Mitte der zweiten zehn Minuten erstmals zweistellig ab (36:23). Erst drei Minuten vor der Halbzeitpause konnte J'wan Roberts mit zwei Zählern am Brett den Münchner 16:3-Lauf durchbrechen, die Bayern behielten aber die Kontrolle und gingen mit einem Polster von 20 Punkten in die Pause.

Nach Wiederbeginn brauchte Berlin keine zwei Minuten, um seine offensive Ausbeute aus dem zweiten Viertel zu übertreffen. Malte Delow und Jonas Mattisseck trafen aus der Distanz und trugen maßgeblich dazu bei, dass ALBA mit 19:5 startete und das Defizit binnen gut drei Minuten in den einstelligen Bereich reduziert hatte (55:46 für München; 25. Minute). Ein erfolgreicher Distanzwurf von Justinian Jessup brachte den Bayern dann aber einerseits die Kontrolle und andererseits eine zweistellige Führung wieder. Ein Buzzer-Dreier von Justin Bean zündete das Team final an, denn Delow und Co. trafen vier Dreier und lagen sieben Minuten vor Schluss tatsächlich wieder in Front (67:66). In einer dramatischen Crunchtime wechselte die Führung hin und her, ehe sich Jack Kayil und Martin Hermannsson den berühmt berüchtigten Rucksack aufsetzten. Der Isländer traf 45 Sekunden vor Schluss aus der Halbdistanz und setzte so den entscheidenden Punch in dieser Finalserie.

Zahlen, bitte: In den ersten beiden Partien im SAP Garden gewannen jeweils die Münchener das Duell unter den Brettern: 32:29 bzw. 37:33 stand am Ende im Boxscore. In der Max-Schmeling-Halle wendete sich aber das Blatt, und ALBA hatte mit 41:33 und am Freitag sogar mit 48:33 teils deutlich die Nase vorn. Das Rebounding war also ohne Frage eine der zentralen Angelegenheiten, die wohl in den Spielvorbereitungen beider Coaches hervorgehoben waren. Während die Bayern die Bretter über weite Strecken dominierten, wendete sich das Blatt bei Berlins Comeback: Am Ende gewannen die Hauptstädter das Rebound-Duell sogar mir 39:38! Ein weiterer bemerkenswerter Fakt aus der Zahlen-Ecke: Die sieben erzielten Punkte von ALBA im zweiten Viertel waren Saison-Tiefstwert für die Albatrosse. Umso bemerkenswerter, dass die Mannschaft nach dieser mauen Ausbeute 57 Punkte in der zweiten Hälfte auflegte.

Rekordverdächtig: Diese relativ jungen Albatrosse werden als die Comeback-Kids in die Geschichte der easyCredit BBL eingehen. Im Viertelfinale gegen Vechta 1-2 zurückgelegen und in fünf Spielen gewonnen, im Halbfinale zwei Spiele in Bamberg klar unterlegen und im fünften Spiel zu Hause doch dominiert – und als Krönung nun diese Finalserie: Mit 1-2 zurückgelegen und dann erst im vierten Spiel in der zweiten Hälfte die Partie per 19:0-Lauf gedreht und in der entscheidenden fünften Partie einen Halbzeit-Rückstand von 20 Punkten egalisiert. Ein größerer Rückstand wurde in einem Finalspiel nur 2006 in einen Sieg gedreht, als Köln beim dritten Finale in Berlin bei 1-1 kurz nach der Pause mit 24 Zählern hinten lag und noch gewann (hier ganz unten). Aber dieses Jahr war es bei ALBA natürlich ein Sieg im fünften Finale zum Titel. Einzigartig!

Jonas Mattisseck (Mitte) ging als Kapitän mit vorbildlichem Einsatz voran. (Foto: Pahnke / sampics)

Ebenfalls rekordverdächtig: Das Finale wird seit 1988 als Best-of-five-Serie gespielt, und in den bis dato elf fünften Endspielen gewann immer das Heimteam – aber dann kam der 21. Juni 2026 und die Albatrosse in München aus der Halbzeitpause …

2026: München vs. Berlin 81:84
2025: München vs. Ulm 81:77
2018: München vs. Berlin 106:85
2015: Bamberg vs. München 88:84
2011: Bamberg vs. Berlin 72:65
2010: Bamberg vs. Frankfurt 72:70
2009: Oldenburg vs. Bonn 71:70
2005: Bamberg vs. Frankfurt 68:64
2004: Frankfurt vs. Bamberg 84:78
1999: Berlin vs. Bonn 91:68
1991: Leverkusen vs. Charlottenburg 108:64
1989: Bayreuth vs. Leverkusen 83:77

Knapper geht nicht: Ein weiterer spektakulärer Fakt aus der Ecke der Zahlen, der unterstreicht, wie eng diese Finalserie war: Addiert man die Endergebnisse der fünf Partien, landet man bei einem Stand von 418:414 für Berlin, was das Duell zwischen München und Berlin zur knappsten Finalserie der Ligageschichte macht.

Postseason über die volle Distanz: Berlin feiert damit eine Meisterschaft, bei der man in jeder Runde über die vollen fünf Spiele gegangen ist. Die kompletten 15 Playoff-Partien absolvierten in der digitalen Ära seit 1998/99 vorher nur die OPEL SKYLINERS (2003/04) und ALBA BERLIN (2010/11), wobei Frankfurt Meister wurde, Berlin damals aber gegen Bamberg verlor.

Finals-MVP: Justin Bean! Der Power Forward ist das Schweizer Taschenmesser im ALBA-Kader und avancierte während der gesamten Serie zum Schlüsselspieler. Im entscheidenden Spiel legte er mit 18 Punkten, zwölf Rebounds und fünf Assists eine Gala-Vorstellung aufs Parkett. In seinem dritten Jahr in Berlin führte er die Albatrosse damit zur Meisterschaft und ließ die Kritiker verstummen, die ihn seit 2023 als Nachfolger der Vereins-Ikone Luke Sikma immer für zu leicht befunden hatten.

Finals-MVP Justin Bean. (Foto: Ulf Duda)

Im Blick des Bundestrainers: Alex Mumbru hat aus seiner Sicht ganz besondere Endspiele gesehen. Denn in den BBL-Finals standen in beiden Kadern zusammen zwölf DBB-Nationalspieler, die über die fünf Partien 52,9 Prozent der Gesamtpunkte beider Teams erzielt (440 von 832 Zählern) und 55,0 Prozent aller Spielminuten (1099 von 2000) abgegriffen haben. Zugegeben: Die meisten der Welt- und Europameister, obwohl von Bundesligisten ausgebildet, spielen mittlerweile im Ausland, und dazu wechselten viele deutsche Talente im vergangenen Sommer ans College, aber in den BBL-Finals war davon nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil spielen die einheimischen Akteure in der Finalserie die größte Rolle, seit das Bosman-Urteil von 1995 den Profisport des neuen Jahrtausends für immer veränderte. Die Bestwerte bei Punkten und Spielzeit seitdem waren die Finals von 1999 (Berlin gegen Bonn), 2000 (Berlin gegen Leverkusen) und 2002 (Köln gegen Berlin). Danach hatten die einheimischen Profis in der Regel weniger Einfluss beim Höhepunkt der Saison – siehe beispielsweise die vergangenen beiden Jahre 2024 und 2025:

Finals:      Deutsche Punkte:      Deutsche Minuten:
2026:        52,9 Prozent               55,0 Prozent
1999:        47,6 Prozent               53,8 Prozent
2000:        47,6 Prozent               53,7 Prozent
2002:        45,4 Prozent               52,9 Prozent
2024:        39,2 Prozent               47,7 Prozent
2025:        38,8 Prozent               45,9 Prozent

Die Deutschen: ... standen logischerweise - wie schon während der gesamten Serie - besonders im Fokus. Jonas Mattisseck eröffnete die Partie mit drei Dreiern im ersten Viertel, sein Gegenüber Andi Obst ließ sich nicht lumpen und schickte in der ersten Hälfte ebenfalls drei Dreier durch die Reuse. Es war also nicht verwunderlich, dass die beiden mit 24 respektive 18 Punkten Topscorer ihrer Mannschaften waren. Jack Kayil scorte mit zehn Zählern ebenfalls zweistellig und erzielte alle seine Punkte im Schlussviertel. In Oscar da Silva (12) und Malte Delow (14) gab es zudem zwei weitere wichtige deutsche Scorer.

Berliner Jungs: Die gebürtigen Berliner Jonas Mattisseck (18 Punkte), Malte Delow (14) und Jack Kayil (10) kamen im fünften Finale zusammen auf 42 Zähler. Mattisseck und Delow feiern bereits ihre vierte Meisterschaft mit den Albatrossen (2020, 2021, 2022 und 2026) und klettern damit in der Vereinsbestenliste – kurioserweise gewannen sie dabei die entscheidende Partie immer in München.

7 Titel: Henrik Rödl und Jörg Lütcke
6 Titel: Wendell Alexis und Marko Pesic
5 Titel: Mithat Demirel und Stipo Papic
4 Titel: Teoman Öztürk, Stefano Garris, Jonas Mattisseck und Malte Delow

Einer der erfolgreichsten Trainer Europas verabschiedet sich endgültig in den Ruhestand: Svetislav Pesic. (Foto: camera4)

Der letzte Tanz:  ... war es auf jeden Fall in der Saison 2025/26. Der allerletzte Tanz war es aber auch für Svetislav Pesic, der seine Karriere als Trainer nach diesem Spiel beendet. Der 76-Jährige hat in seiner Laufbahn quasi alles gewonnen, was man im Basketball gewinnen kann: Weltmeister, Europameister und EuroLeague-Champion sind nur die größten Erfolge. Die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen. Zum Abschluss hätte sich "der Alte", wie er liebevoll genannt wird, gerne seine sechste deutsche Meisterschaft gesichert: Nach vier Titeln - von 1997 bis 2000 - mit ALBA und der Meisterschaft 2014 mit den Bayern blieb es aber bei fünf Titeln. Dennoch: Gratulation zu einer grandiosen Karriere!

Der besondere Pechvogel: Bayerns Justinian Jessup hat damit das zweite Jahr hintereinander das fünfte Spiel der BBL-Finals verloren, da er vergangenes Jahr noch für Ulm spielte und die letzte Partie der Saison mit 77:81 verlor. Das ist zuletzt Derrick Allen passiert, der 2010 mit Frankfurt und 2011 mit Berlin das fünfte Finale in Bamberg verlor.

Der deutsche Klassiker: Berlin und München trafen seit 2014 bereits das siebte Mal in den Finals aufeinander. Damit haben die beiden Rivalen in nur zwölf Jahren den Rekord der fast 60-jährigen Geschichte der Basketball Bundesliga gebrochen. Bislang hatten diesen der Rekordmeister Bayer 04 Leverkusen und Berlin mit sechs Finalduellen gehalten (1985, 1991, 1992, 1995, 1996 und 2000), Leverkusen und Berlin hatten dafür aber ganze 15 Jahre benötigt. Bilanz dieses Finals-Duell lautet seit dem heutigen 3:2 für ALBA: 4-3 für München:

Finale 2014: München – Berlin 3-1
Finale 2018: München – Berlin 3-2
Finale 2019: München – Berlin 3-0
Finale 2021: Berlin – München 3-1
Finale 2022: Berlin – München 3-1
Finale 2024: München – Berlin 3-1
Finale 2026: München - Berlin 2-3

Meisterfeier in München: Zum sechsten Mal in den vergangenen acht Jahren seit 2018 wurde die Meisterschaft in der bayrischen Landeshauptstadt gefeiert, wobei vier Mal Berlin und drei Mal München jubeln konnte:

2026: Berlin in München (3-2 vs. Bayern)
2025: Bayern in München (3-2 vs. Ulm)
2024: Bayern in Berlin (3-1 vs. Berlin)
2023: Ulm in Ulm (3-1 vs. Bonn)
2022: Berlin in München (3-1 vs. Bayern)
2021: Berlin in München (3-1 vs. Bayern)
2020: Berlin in München (Corona-Turnier)
2019: Bayern in München (3-0 vs. Berlin)
2018: Bayern in München (3-2 vs. Berlin)

Am Rande der Bande: Während Berlin auf das gleiche Personal wie in den ersten vier Spielen der Serie bauen konnte, rückte bei den Bayern Justinian Jessup zurück ins Aufgebot. Dafür machte Kamar Baldwin wieder Pause. Ebenso pausierten David McCormack und Leon Kratzer sowie die verletzten Stefan Jovic und Rokas Jokubaitis.

Wie gehts weiter: Für die Spieler beider Teams steht nun erstmal Urlaub auf dem Programm. Diese Sommerpause ist vor allem für die Nationalspieler eine ganz besondere, denn erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit steht kein großen Turnier mit der Nationalmannschaft im Terminkalender. Mit der easyCredit BBL geht es dann im September mit der ersten Runde des BBL Pokals weiter, wobei Bayern und ALBA hier noch nicht eingreifen müssen.

Video: Highlights zu dieser Partie gibt es in Kürze hier bei Dyn oder auch auf dem Youtube-Kanal von Dyn und der Liga.