Am Samstag gehen die Playoffs in die zweite Runde. Die Halbfinalserien beginnen, nachdem sich im Viertelfinale die vier besser platzierten Teams durchsetzen konnten. Das könnte bedeuten, dass wir im Halbfinale knappe Vergleiche erleben werden. Daran glaube ich aber nicht. Aus meiner Sicht gibt es einerseits das Duell zwischen ALBA BERLIN und den BMA365 Bamberg, das besonders viel Spannung verspricht, und andererseits das zwischen dem FC Bayern München Basketball und den Telekom Baskets Bonn, bei dem ein Sweep wahrscheinlich ist.
Die Ausgangslage
Der Titelverteidiger wurde in der Serie gegen das Überraschungsteam von Aufsteiger Trier von Spiel zu Spiel stärker. Während der Neuling zunehmend Körner verlor, festigten sich die Bayern in einer fast schon beängstigenden Souveränität. Aber die Münchner wissen auch, dass dieses Viertelfinale nur der Aufgalopp war. Nach einer insgesamt enttäuschenden EuroLeague-Kampagne und der Pokalpleite in eigener Halle hat die Meisterschaft mehr denn je Pflichtcharakter gewonnen.
Die Bonner können hingegen entspannt in dieses Duell gehen. Sie hatten nach der enttäuschenden Vorsaison einen kompletten Kaderumbruch in die Wege geleitet und am Ende die Erwartungen klar übertroffen. Der Sieg in fünf Spielen gegen Würzburg unterstrich noch einmal, was die Mannschaft schon über die gesamte Saison gezeigt hat. Auch wenn die Wurfquoten unterirdisch sind, finden die Schützlinge von Marko Stankovic Mittel und Wege, um Partien für sich zu entscheiden. Gegen München nehmen die Bonner jetzt die klare Außenseiterrolle ein, in der sie sich wohlfühlen und aus der sie ohne Druck auf die Sensation schielen.
Die Serie aus Münchner Sicht
Es gilt, bezüglich Rhythmus und Selbstvertrauen auf der Trier-Serie aufzubauen, die Automatismen weiter zu verfeinern, bevor sich dann der große Vorhang für das Titelduell gegen den Erzrivalen aus Berlin oder den Pokalschreck aus Bamberg öffnet. Das wäre eine mögliche Sichtweise, die aber die Telekom Baskets Bonn nicht berücksichtigt, die sich als sehr resilientes Team gezeigt haben. Svetislav Pesic wird darauf hinweisen, dass die Rheinländer defensiv deutlich besser sind als der Erstrundenrivale Trier. Offensiv sind die Bonner aber nur Mittelmaß. Sie lägen weit unter dem Durchschnitt, wären sie nicht das mit Abstand beste Offensiv-Rebound-Team der Liga. Aber die Bayern sind ihrerseits die zweitbeste Mannschaft am defensiven Brett, sodass sie der größten Bonner Stärke entgegenwirken können.
Die Serie aus Bonner Sicht
Wo sollen die Punkte herkommen? 71,6 Zähler waren es im Schnitt in der Viertelfinalserie gegen Würzburg, und jetzt geht es gegen die beste Verteidigung der Liga. Wenn Du einen Favoriten schlagen möchtest, benötigst Du Shotmaking auf hohem Niveau. Aber Bonn hat im Viertelfinale mit 24 Prozent von der Dreierlinie noch schwächer geworfen als in Hauptrunde. Dazu kommt der Nachteil, aus einer Serie mit fünf Spielen auf einen ausgeruhten und personell überlegenen Kontrahenten zu treffen. Die Bonner müssen alle defensiven Stellschrauben auf Anschlag drehen. Sie verfügen über viele gute individuelle Verteidiger und ein funktionierendes kollektives Konzept, aber die Waffen der Münchner sind mannigfaltig. Andi Obst, Justinian Jessup und Isiaha Mike muss man immer auf der Rechnung haben, und Neno Dimitrijevic und Oscar da Silva kommen in Topform aus der Trier-Serie.
Kochs Nachschlag
Mir fehlt die Fantasie, wie die Bonner den Favoriten ausschalten könnten. Noch mehr als die personelle Überlegenheit der Münchner sehe ich die mangelnde Qualität des Hauptrundenvierten, Würfe von der Dreipunktelinie einzunetzen, als limitierenden Faktor.
Hier geht es zu meiner Vorschau auf die Serie zwischen Berlin und Bamberg.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".


















