Die Neuauflage des Pokalendspiels als Playoff-Halbfinalserie! Das ist ein echter Knüller, der aus meiner Sicht über die volle Distanz von fünf Partien gehen kann. Noch vor einem Jahr wäre es die Historie gewesen, die diesem Duell den Sex-Appeal verliehen hätte. Doch im Saisonverlauf haben sich beide Teams als die aussichtsreichsten Herausforderer des Titelverteidigers FC Bayern München Basketball etabliert. Freut euch auf eine Serie voller Emotion, Intensität und Spannung!
Die Ausgangslage
Die Berliner haben eine gute Spielzeit in der Basketball Champions League absolviert, aber der große Wurf, das Final Four in Badalona zu erreichen, blieb ihnen verwehrt. Dank der beiden gewonnenen Hauptrundenduelle gegen Bamberg gehen die Albatrosse mit Heimrecht in diesen Vergleich. Aber das wichtigere Aufeinandertreffen im Pokal haben sie verloren. Revanche dürfte daher eines der wichtigsten Antriebsmotive der Hauptstädter sein, die sich im Viertelfinale schon gewaltig strecken mussten. Zweifelsohne war Vechta der unangenehmste Kontrahent auf den Plätzen fünf bis acht. Der knappe Ausgang ist deshalb auch kein Zeichen für fehlende Berliner Qualität. Vielmehr spielt er deshalb eine Rolle, weil er mit einem ordentlichen Kräfteverschleiß verbunden war.
Für die Bamberger verläuft diese Saison bislang einfach traumhaft. Niemand hatte die Oberfranken auf der Rechnung, die mit dem Pokalsieg und dem Playoff-Halbfinale schon jetzt deutlich über den Erwartungen performt haben. Die Euphorie-Welle war bereits am Ende der Hauptrunde haushoch und ist durch den Sweep gegen Ulm weiter angewachsen. Die beste Rückrundenmannschaft strotzt vor Selbstvertrauen, muss sich aber auch vor Augen führen, dass die beiden Heimsiege gegen den letztjährigen Vizemeister schwer erkämpft waren und mit Berlin jetzt ein größeres Kaliber wartet.
Die Serie aus Berliner Sicht
Ja, die Belastung aus der Vechta-Serie spielt eine Rolle, aber es gibt auch viele Faktoren, die dem Hauptrundenzweiten Mut machen können. Die Hauptstädter können die zwei Spiele mehr in den Beinen auffangen durch die Tiefe ihres Kaders. Im fünften Spiel gegen Vechta standen schon die kompletten zweiten Fünf auf dem Parkett, als die Gäste nur Tibor Pleiß wegen zwei persönlicher Fouls ausgewechselt hatten. Dann ist da auch der Heimvorteil gegen einen Konkurrenten, der seit 2016 kein Spiel mehr in Berlin gewinnen konnte. Nachverpflichtung Michael Rataj findet sich immer besser zurecht und hat zudem die taktische Option eröffnet, Moses Wood als Small Forward zu spielen. Rataj war im denkbar knapp verlorenen Pokalfinale ebenso wenig dabei wie Martin Hermannsson. Der Isländer spielte ein herausragendes Viertelfinale (17,4 Punkte plus 7,2 Assists und dabei solche Schmankerl eingestreut) und sollte nach den Eindrücken des fünften Viertelfinals auch mehr gemeinsame Zeit mit Super-Rookie Jack Kayil auf dem Feld verbringen.
Die Serie aus Bamberger Sicht
Für die Oberfranken gilt es, die Schlüsselduelle für sich zu entscheiden. Das betrifft sowohl den Spielaufbau, wo es vor allem für Cobe Williams und Zach Ensminger gegen das Duo Hermannsson und Kayil geht, als auch die Position des Power Forwards. Der spektakuläre Demarcus Demonia spielte eine bärenstarke Serie gegen die Ulmer, trifft jetzt aber auf Justin Bean, einen humorlosen Basketball-Pragmatiker, der an beiden Enden des Feldes hocheffizient agiert und gegen Vechta exzellente Zahlen beim Rebound und bei der Dreierquote auflegte. Der Rebound ist der große Bamberger Schwachpunkt in dieser Saison. Der Pokalsieger ist die schlechteste Mannschaft am offensiven Brett und die zweitschlechteste am defensiven. Mit den Berlinern kommt diesbezüglich im Halbfinale – vor allem beim Offensiv-Rebound – ein Topteam. Allerdings gelang es den Albatrossen gegen Vechta nur bedingt, einer ähnlich starken Offensive wie der Bamberger Einhalt zu gebieten. Mit Austin Crowley verfügt der Hauptrundendritte aus Freak City über einen sechsten Mann, der das Potenzial zum X-Faktor in sich trägt.
Kochs Nachschlag
Ich habe bereits im Vorspann geschrieben, dass ich mir fünf Spiele gut vorstellen kann. Aufgrund der Präsenz von Martin Hermannsson sehe ich einen kleinen Vorteil bei den Berlinern, wäre aber auch von einem Bamberger Finaleinzug nicht überrascht.
Hier geht es zu meiner Vorschau auf die Serie zwischen München und Bonn.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".


















