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Home/Newscenter/Zwei Mal ein fünftes Spiel im Viertelfinale: Eine Partie wie jede andere?

Kochs NachschlagZwei Mal ein fünftes Spiel im Viertelfinale: Eine Partie wie jede andere?

26. Mai 2026
In zwei der Viertelfinalserien packte die besserplatzierte Mannschaft den Besen aus und gewann mit 3:0. Während München und Bamberg auf ihren Halbfinalkonkurrenten warten, bereiten sich vier Teams auf ihr fünftes und entscheidendes Spiel vor. Bonn und Würzburg ermitteln, wer den Titelverteidiger aus der bayrischen Landeshauptstadt herausfordern darf, und der Sieger aus dem Duell zwischen Berlin und Vechta wird auf den Pokalsieger aus Freak City treffen. Wie aber geht man eine fünfte Begegnung an?

In zwei der Viertelfinalserien packte die besserplatzierte Mannschaft den Besen aus und gewann mit 3:0. Während München und Bamberg auf ihren Halbfinalkonkurrenten warten, bereiten sich vier Teams auf ihr fünftes und entscheidendes Spiel vor. Bonn und Würzburg ermitteln, wer den Titelverteidiger aus der bayrischen Landeshauptstadt herausfordern darf, und der Sieger aus dem Duell zwischen Berlin und Vechta wird auf den Pokalsieger aus Freak City treffen. Wie aber geht man eine fünfte Begegnung an?

Grundsätzliche Gedanken

Zunächst einmal ist es weiteres Basketballspiel – und vieles ist wie immer und sollte deshalb auch wie immer angegangen werden. Fundamentale Neuerungen verunsichern die eigene Mannschaft mehr, als sie ihr helfen. Die taktischen Anpassungen werden in der Regel früher in einer Serie vorgenommen, sodass Veränderungen eher überschaubar bleiben. Am ehesten sind einzelne Plays betroffen. Vielleicht nimmt man noch eine überraschende Variante in Form einer Abwandlung hinzu, zwei wären schon das Maximum. Ein komplettes neues Set werden die Coaches nicht einbringen. Wahrscheinlicher ist, dass an der einen oder anderen Stellschraube noch einmal feinjustiert wird. Das betrifft vor allem die Selektion der Match-ups. Wer hat bislang gegen wen gut verteidigt, wen wollen wir verstärkt einbinden, wenn er von welchem gegnerischen Spieler verteidigt wird? Welche Formationen haben bislang funktioniert, und – da viele Coaches in den Playoffs verstärkt auf erfahrene Akteure vertrauen – wie halte ich angeschlagene oder ältere Spieler durch mein Wechselschema für die Crunchtime frisch?

Eine weitere wichtige Rolle spielt die mentale Vorbereitung. Trainer tun gut daran, Emotionen im Vorfeld nicht zusätzlich zu schüren, weil es dazu führt, dass Fokus verlorengeht. Medien, Fans und der Kontrahent können sich gerne ausgiebig darum kümmern. Außerdem sollte man das Resultat nicht in den Vordergrund stellen. Ein ergebnisorientiertes Herangehen kann Verkrampfung nach sich ziehen. Stattdessen ergibt es Sinn, die konkreten Aufgaben zu verdeutlichen. Gelingt deren Umsetzung, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, das Spiel zu gewinnen.

Meine Erfahrungen

Ich war als Coach fünf Mal in einer fünften Partie, zwei Mal zu Hause und drei Mal auswärts, zwei Mal im Halbfinale und drei Mal im Viertelfinale. Zwei Mal verlor ich, drei Mal konnte ich mit meinen Mannschaften gewinnen.

2000 unterlag ich mit den SKYLINERS im ersten Jahr des Vereins in Leverkusen mit 59:63. In dieser Halbfinalserie hatte ich es versäumt, nach dem zweiten Spiel unsere Pick-and-Roll-Verteidigung zu verändern. Nachdem wir das vierte Spiel zu Hause nach Verlängerung verloren hatten, zeigten sich die Leverkusener im fünften Spiel mit dem Publikum im Rücken in der knappen Schlussphase stabiler und gewannen die Serie.

2005 legte Gießens Liga-MVP Chuck Eidson im fünften Viertelfinale in Köln satte 40 Punkte auf. (Foto: citypress)

2005 wurden die GIESSEN 46ers vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt. Aber wir erreichten die Playoffs und gewannen im Viertelfinale die entscheidende Partie bei den als Meisterschaftsmitfavoriten gehandelten Kölnern mit 78:69. Mehr als 1.000 Fans unterstützten uns und sahen einen unglaublichen Chuck Eidson, der die Begegnung mit 40 Punkten entschied. Ich hatte im Verlauf der Serie auf Wunsch der Spieler unser defensives Repertoire verkleinert und die speziell für Köln entworfene Triangle and Two wieder in die Schublade gelegt.

2011 trafen wir mit den Artland Dragons im Viertelfinale auf Braunschweig. Nach einem deutlichen Heimsieg zum Auftakt verloren wir die beiden nächsten Begegnungen und standen vor dem vierten Spiel in der Löwenstadt mit dem Rücken zur Wand. Ich entschied mich, einen Sportpsychologen hinzuziehen. Wir gewannen die nächsten beiden Partien, das fünfte dabei mit 99:69, und die Spieler scherzten, dass ich die Hilfe von außen nötiger gebraucht hätte als sie. Wahrscheinlich lagen sie richtig …

Danach mussten wir im Halbfinale gegen Bamberg ran. Beide Teams gewannen ihre Heimspiele, und wir schieden im fünften Aufeinandertreffen in Freak City mit 55:83 chancenlos aus. Wir hatten nicht mehr alle Mann an Bord und Bamberg ein großartiges Team mit Spielern wie John Goldsberry, Anton Gavel, Brian Roberts, Casey Jacobsen, Predrag Suput, Kyle Hines und Tibor Pleiß.

2012 besiegten die Artland Dragons aus dem kleinen Quakenbrück mit Zauberzwerg David Holston den gerade aufgestiegenen FC Bayern. (Foto: citypress)

2012 hieß unser Viertelfinalkontrahent FC Bayern München Basketball. In einer hochemotionalen Serie gewannen wir das fünfte Spiel in Quakenbrück mit 79:73. Nachdem uns Je’Kel Foster in der ersten Halbzeit viele Probleme bereitet hatte, starteten wir nach der Pause mit einem neuen Match-up gegen ihn. Anthony Hilliard, der in der ersten Halbzeit keine Minute gesehen hatte, spielte die zweite durch und leistete einen wichtigen Beitrag zu unserem Weiterkommen. Es war das letzte Mal, dass die Bayern nicht mindestens das Halbfinale erreichten.

Was wird am Mittwoch wichtig?

In beiden Spielen wird das Possession Game eminent wichtig werden. Die Heimmannschaften Berlin und Bonn sind die erfolgreichsten Teams beim Ergattern zweiter Chancen und schafften in der vierten Partie starke Quoten (44,7 Prozent Offensiv-Rebounds für Berlin und 40,9 Prozent für Bonn). Neben dem Heimvorteil ist die Mehrzahl an Würfen ein großer Faktor, weil Vechta und Würzburg die besseren Werfer in ihren Reihen haben und hochprozentiger abschließen. Wenn Bonn die indiskutable Dreierquote von 16,1 Prozent (5/31) aus dem vierten Spiel zumindest auf das Saisonniveau von (immer noch Ligaschlechtwert bedeutenden) 27 Prozent hieven kann, wäre das ein großer Schritt. Zudem müssen die Rheinländer genauso wie die Hauptstädter die im 1-1 starken Außenspieler des Kontrahenten kontrollieren. Das betrifft auf Würzburger Seite Marcus Carr und Davion Mintz, bei Vechta fast schon das komplette Ausländersextett mit Alonzo Verge Jr., Tommy Kuhse und Tevin Brown an der Spitze.

Würzburgs Marcus Carr (rechts) – hier gegen Bonns Jalen Finch – hat in den Viertelfinals bisher 30:46 Minuten im Schnitt gespielt, nur Vechtas Tevin Brown stand mit 30:49 Minuten länger auf dem Parkett. (Foto: Sebastian Derix)

Kochs Nachschlag

Psychologisch haben die Albatrosse die beste Ausgangsposition. Sie haben auswärts das vorzeitige Saisonende abwehren können und dürfen jetzt zum entscheidenden Spiel zu Hause antreten. Die Bonner genießen zwar auch den Heimvorteil, haben aber in Würzburg einen Matchball vergeben. Die Bedeutung eines fünften Spiels ist allen Beteiligten bewusst. Dadurch entsteht ein Druck, den man nicht wegdiskutieren kann. Es wird für alle vier Mannschaften am Mittwoch wahrscheinlich zu schwierigen Phasen kommen, vielleicht auch zu echten Krisensituationen. Wer in diesen Momenten in der Lage ist, die Teamidentität zu wahren und nicht auseinanderzufallen, hat gute Chance, das Halbfinale zu erreichen.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".