Status quo: Die Champions League erhöht in der Zwischenrunde die Taktung ihrer Spiele. Dass die Würzburger jetzt in jeder Woche europäisch ranmüssen, macht ihnen sichtlich zu schaffen. Seit ihrem letzten Sieg vor vier Wochen beim dritten Play-In gegen den slowakischen Meister Levice fuhren die Fitness First Würzburg Baskets sieben Niederlagen in Folge ein, bis am Mittwoch der Befreiungsschlag mit einem Heimsieg gegen BCL-Titelverteidiger Unicaja Malaga gelang. Für die in der ersten Saisonhälfte in der easyCredit BBL bis ans Tabellenende durchgereichten MLP Academics war das Ausscheiden aus der Champions League Mitte Januar hingegen eine Befreiung. Seit ihrem Aus im Play-In gegen den tschechischen Meister Nymburk haben die Heidelberger in der easyCredit BBL drei von fünf Spielen gewonnen (Niederlagen nur in Berlin und gegen die Bayern) und sich an die rettenden Tabellenplätze herangepirscht.
Die besondere Brisanz: Vier Niederlagen in Folge haben die Fitness First Würzburg Baskets vom zweiten auf den siebten Platz zurückgeworfen, und der Abwärtstrend im dichtgedrängten Mittelfeld der Tabelle würde sich durch eine weitere Niederlage gefährlich fortsetzen. Die MLP Academics Heidelberg wittern hingegen nach drei Siegen aus ihren letzten vier Spielen am Tabellenende Morgenluft. Die Niederlage gegen die Bayern am vergangenen Wochenende dürfte in einer nüchternen Kalkulation eingeplant gewesen sein – und auch die Höhe der Abreibung durch den Tabellenführer (63:106) relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass in dem Spiel neben dem verletzten Samuell Williamson auch der angeschlagene Michael Weathers und der erkrankte Paul Zipser fehlten. Zumindest die beiden Letzteren dürften Freitag in Würzburg wieder dabei sein.

Duell im Fokus: Wir schauen auf die Centerposition. Bei den Startern Eddy Edigin (6,5 PPG) und Osun Osunniyi (6,8) scheint das Scoring nicht die wichtigste Aufgabe zu sein – in der easyCredit BBL gibt es in Münchens David McCormack (6,4) nur einen zuletzt regelmäßig startenden Center, der weniger Punkte erzielt. Der Job von Edigin und Osunniyi ist eher, den Guards den Weg zum Korb freizuräumen und Fehlwürfe einzusammeln. Das erledigen Edigin und Osunniyi sehr gut, und dafür stellen Sasa Filipovski und Danny Jansson sie regelmäßig in die erste Fünf – obwohl die für Würzburg und Heidelberg von der Bank kommenden Center Charles Thompson (8,3 PPG) und Marcel Keßen (8,8 PPG) mehr Punkte erzielen.
Zahlen, bitte: Bei den Fouls sind Würzburg und Heidelberg mit jeweils 23,3 pro Spiel – nur übertroffen von Ludwigsburg (24,1) – in der easyCredit BBL gleichermaßen ganz vorne mit dabei. Neben Michael Weathers, der die individuelle Statistik mit im Schnitt 3,5 Fouls anführt, gehen auch die Center Osun Osunniyi und Eddy Edigin in der Zone mit jeweils 3,3 Fouls pro Spiel kompromisslos zu Werke. Die Rebound-Bilanz profitiert davon jedoch nicht: Nur Oldenburg holt noch weniger Rebounds als Heidelberg (34,1 RPG) und Würzburg (34,9 RPG).
Die ewige Bilanz: Seit dem Heidelberger Aufstieg 2021 gab es neun Begegnungen zwischen beiden Clubs, von denen Würzburg fünf und Heidelberg vier gewann. Am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison gewannen die MLP Academics erstmals in Würzburg und legten damit den Grundstein für den direkten Einzug in die Playoffs.
Das Hinspiel war am fünften Spieltag im Duell zweier letztjähriger Halbfinalisten eine Überraschung. Der Heidelberger 85:51-Sieg war nämlich der erste Sieg der MLP Academics nach vier Auftaktniederlagen und zugleich – eine Woche nach dem Pokal-Aus in Oldenburg – die erste Würzburger Saisonniederlage in der easyCredit BBL. Ohne die verletzten DJ Horne und Paul Zipser überraschten die Heidelberger die Gäste mit einer geschlossenen Teamleistung, die ihren Trainer Danny Jansson jubeln ließ: „Heute waren wir einfach ein Team voller Jungs, die bereit waren, ihre eigenen Interessen zurückzustellen.“
Alte Bekannte: 2017/18 spielte Lukas Herzog in Ludwigsburg mit Mateo Seric zusammen.
Am Rande der Bande: Würzburg fehlte zuletzt Alen Pjanic während Heidelberg am vergangenen Wochenende ohne Paul Zipser und Michael Weathers auskommen musste. Der Leistungsträger laboriert an Oberschenkelproblemen, die von Spiel zu Spiel neu bewertet werden müssen.
Fernsehen / Livestream: Das Spiel wird am Freitag ab 19.45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator vor Ort ist Florian von Stackelberg.



















