Die Rückkehr des Meistertrainers als amtierender Pokalsieger – die Personalie Anton Gavel dürfte in dieser Serie zwischen den BMA365 Bamberg Baskets und ratiopharm ulm die Schlagzeilen liefern, wobei es dem Bamberger Coach eher unangenehm als recht sein dürfte. Genauso wenig wird ihm die Favoritenrolle schmecken, die er mit seiner Mannschaft aus meiner Sicht recht eindeutig einnimmt. Die Franken gehen mit zehn Siegen aus den letzten elf Partien in die Playoffs und spielen seit der Pokalsensation in München konstant exzellenten Basketball. Es ist die beste Saison in Freak City seit den massiven finanziellen Einschnitten. Die Ulmer schrammten in der vergangenen Spielzeit nur knapp am Titel vorbei und waren für viele Beobachter die „Meister der Herzen“. In dieser Saison läuft es aber eher holprig. Durch die NIL-Möglichkeiten am College konnten nicht die herausragenden Talente der vergangenen Jahre an die Donau gelockt werden. Der Kader ist schwächer und präsentiert sich nicht als geschlossene Einheit. Entsprechend inkonstant sind die Leistungen. Der Wechsel von Thorsten Leibenath zu den Bayern dürfte im Umfeld für Unruhe und Unbehagen sorgen, denn der Architekt der beeindruckenden sportlichen Entwicklung dürfte unmöglich zu ersetzen sein.
Die Serie aus Bamberger Sicht:
Bis auf Kapitän Ibi Watson, der eine Partie versäumte, standen die Leistungsträger in allen Partien zur Verfügung. Deshalb wird man in Bamberg vor den Playoffs auf Holz klopfen, dass es so bleibt. Auf dem Feld müssen die Gavel-Schützlinge die Leistungen der letzten Wochen bestätigen. Das sollte reichen, um die Serie zu gewinnen. Die Bamberger sind exzellent darin, sich gute Würfe zu erspielen und haben während der Saison genügend Erfahrungen gemacht, die ihnen auch in Krisensituationen Resilienz verleihen sollten. In EJ Onu, dem Defensivspieler des Jahres, haben sie den besten Shotblocker in ihren Reihen. Noch wichtiger werden dürfte aber Demarcus Demonia, seines Zeichens MVP des Pokalwochenendes, der am eigenen Korb das offensive Ein-Mann-Abrissunternehmen Chris Ledlum aufhalten muss. Unabhängig vom Ausgang der Playoffs kann die Bamberger Saison jedenfalls schon jetzt als Erfolg gewertet werden.
Die Serie aus Ulmer Sicht:
Das kann man in Ulm nicht sagen, wobei die Verantwortlichen sehr froh darüber sind, die Play-Ins vermieden zu haben. Für die Spielmacherrolle gibt es drei Optionen, wobei ich aus dem Trio Mark Smith, Tobias Jensen und Nelson Weidemann keinen als echten Point Guard einstufe. Justin Simon dürfte als Top-Verteidiger die erste Wahl gegen Watson sein, aber entscheidend wird, ob es die „Uuulmer“ im Kollektiv schaffen, Passwinkel so zu verändern, dass sich die Bamberger Ballbewegung entscheidend verlangsamt. Assistant Coach Tyron McCoy kennt Gavel gut aus gemeinsamen Tagen und könnte diesbezüglich ein paar Ideen parat haben. Da es durch Onus Ringpräsenz schwer wird, am Brett zu scoren, muss der Dreier fallen. Genau das war aber bislang in dieser Saison ein Schwachpunkt.
Kochs Nachschlag
Nur 31,3 Prozent traf die Mannschaft von Ty Harrelson von jenseits der 6,75 Meter. Das ist der zweitschlechteste Wert der Liga. Dafür haben die Ulmer die meisten Ballgewinne, was aber gegen Bamberg nur bedingt ein Faktor werden könnte, weil die Oberfranken mit einer Ballverlustrate von 16,4 Prozent das zweitbeste Team der Liga sind. Kommen wir zu den entscheidenden Zahlen: Ulm hat das zweitbeste Defensiv-Rating und damit ein erfolgsversprechendes Fundament gegen das zweitbeste Offensiv-Rating der Bamberger. Zudem rebounden die Ulmer (5.) deutlich besser als Bamberg (17.). Dennoch lautet …
… mein Tipp: Freak City zieht ins Halbfinale ein.
Unser Kolumnist Stefan Koch hat sich bei jeder Viertelfinale-Serie überlegt, wie er gegen den jeweiligen Gegner spielen würde und in welcher Serie er welche Stärken und Schwächen bei den beiden Teams sieht: München gegen Trier, Berlin gegen Vechta und Bonn gegen Würzburg.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".



















