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Home/Newscenter/Der Traditionsstandort Heidelberg ist zurück: Wie ein Aufsteiger die Liga aufmischt

Kochs NachschlagDer Traditionsstandort Heidelberg ist zurück: Wie ein Aufsteiger die Liga aufmischt

17. Oktober 2021
Die MLP Academics Heidelberg stehen auf dem ersten Rang und könnten mit einem Sieg beim Zweiten Bamberg am Sonntag sogar alleiniger Tabellenführer werden. Was ist da los?

Die MLP Academics Heidelberg stehen auf dem ersten Rang und könnten mit einem Sieg beim Zweiten Bamberg am Sonntag sogar alleiniger Tabellenführer werden. Was ist da los?

Aufsteiger gehen in der Regel mit der Zielsetzung des Klassenerhalts in ihre erste Spielzeit in höheren Gefilden. Wenn dann zusätzlich nur ein äußerst knappes Budget zur Verfügung steht, dann wird von Außenstehenden auch dieses Minimalziel als äußerst ambitioniert eingestuft und gerne in die Schublade Zweckoptimismus einsortiert. Und solche Töne hörten die MLP Academics Heidelberg nach ihrer Meisterschaft in der ProA bis zum BBL-Saisonstart hin auch. Aber nach ihrem 85:74-Auftakterfolg bei den Wölfen haben sie mittlerweile zwei weitere Siege abgegriffen. Natürlich bewegt sich die Aussagekraft der Tabelle nach drei Spieltagen in einem überschaubaren Rahmen, aber dennoch dürfte es Heidelberger Fans und Verantwortliche geben, die sich das aktuelle Klassement gerahmt an die Wand gehängt haben. Denn: Der Aufsteiger grüßt von oben, die Heidelberger sind Tabellenführer.

Großer Traditionsstandort

Dabei hatten Pessimisten vor dem Saisonstart geunkt, dass der Neuling außer Tradition nicht viel zu bieten hätte. 13 Meisterschaften gingen an den Neckar, vier errang der Turnerbund Heidelberg zwischen 1948 und 1953, neun Mal gewann der Stammverein der MLP Academics, der USC Heidelberg, zwischen 1957 und 1977 den Titel. In jener Zeit war Basketball tatsächlich noch ein Studentensport, und die in den siebziger Jahren ganz zart beginnende Professionalisierung konnte der Verein nicht mitgehen. Von 1988 bis 1994 war man sogar nur in der Regionalliga beheimatet, ansonsten zumindest zweitklassig. 2012 erfolgte die Umbenennung in MLP Academics Heidelberg. In der Außenwahrnehmung entstand durch den Namenssponsor der Eindruck, dass das der Verein dadurch aus dem Vollen schöpfen könnte. Das dem nicht so war, zeigt der lange Weg zum Aufstieg.

Dank Ely und Geist trotz personeller Sorgen ungeschlagen

Die bisherigen drei Siege gelangen, obwohl bei jeder Begegnung verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen waren. Den letztjährigen Hauptrundenprimus Ludwigsburg bezwang die Mannschaft von Trainer Branislav Ignjatovic mit einer Siebener-Rotation, weil drei Ausländer passen mussten.

Lange Zeit war fraglich, ob der Neuling überhaupt einen wettbewerbsfähigen Kader an den Start bringen würde. Zunächst einmal war es ein Kraftakt, die Lizenz zu erhalten. Dann wurden mit Robert Lowery und Kelvin Martin zwei Leistungsträger erst spät verpflichtet. Mit dem Routinier Shy Ely verfügen die Heidelberger über eine Integrationsfigur. Der 34-Jährige stabilisiert das gesamte Team, auch deshalb, weil er nur selten Kontrolle oder Geduld verliert. Mit seinem zehn Jahre jüngeren Landsmann Jordan Geist steht ihm ein Akteur zur Seite, der in seiner ersten BBL-Saison mit 21,7 Punkten (drittbester Scorer der Liga) und starken 5,7 Defensiv-Rebounds bei einer Größe von 1,88 Meter brilliert. Beim 75:68-Auswärtssieg am Samstag in Gießen markierte er die letzten elf Zähler!

Auf Kante genähter Kader

Brekkott Chapman ist der wichtigste Spieler auf den großen Positionen. Nach vielen Verletzungen in den vergangenen Jahren ist es eminent wichtig für die Heidelberger, dass er gesund bleibt. Bislang reboundet er deutlich besser als in der Vorsaison in Würzburg. Beim 73:67 gegen Ludwigsburgs physischen Frontcourt beispielsweise griff er zwölf Boards ab. Osasumwen Osaghae ist ein technisch noch roher Rebounder und Shotblocker, der aber gut zur in der ProA entwickelten Defensiv-Mentalität des Teams passt. Heidelberg erlaubt den Kontrahenten bislang nur eine Wurfquote von 40,8 Prozent aus dem Feld. 

Die deutsche Basis um den bislang überraschend starken Niklas Würzner, Max Ugrai und Phillipp Heyden ist eher schmal. Auch wenn diese Spieler ihre Aufgaben bislang bestens erfüllt haben, bleibt festzuhalten, dass der Kader nach dem Fingerbruch von Albert Kuppe auf Kante genäht ist. Aber dem Aufsteiger bleibt kaum eine andere Möglichkeit als dieser Ritt auf der Rasierklinge.

Kochs Nachschlag

Auch Head Coach „Frenki“ Ignjatovic gibt wie viele seiner Spieler sein Erstligadebüt. Nach 16 Jahren in der zweiten Liga (davon sieben in Heidelberg) gab es Stimmen, die auch ihm eine schwierige Anpassung prophezeiten. Aber der Serbe leistet exzellente Arbeit, die bisherigen Erfolge gehen zu einem beachtlichen Teil auf sein Konto. Am Sonntag tritt er mit seiner Mannschaft in Bamberg zum Duell der einzig ungeschlagenen Teams an und was gäbe es Schöneres als die zumindest zeitweilige Fortschreibung der Heidelberger Cinderella-Geschichte?

Zur Person

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei MagentaSport, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere und Sportdigital tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.